Shopfloor-Digitalisierung Transparente Linien nach erfolgreicher MES-Einführung

Von Markus Maier 5 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Linhardt ist Weltmarktführer für pharmazeutische Aluminiumtuben. Seit 2022 setzt das Unternehmen an allen deutschen Standorten auf Cronetwork MES als zentrales Shopfloor-System. BDE, MDE und Fertigungsfeinplanung sorgen für transparente, digital gesteuerte Produktionslinien und ermöglichen gezielte Optimierungen.

Die Linhardt-Mitarbeiter wurden aktiv in den digitalen Gestaltungsprozess miteinbezogen, um die gesteckten Ziele zu erreichen.(Bild:  Linhardt Group GmbH)
Die Linhardt-Mitarbeiter wurden aktiv in den digitalen Gestaltungsprozess miteinbezogen, um die gesteckten Ziele zu erreichen.
(Bild: Linhardt Group GmbH)

Seit 1943 entstehen in den Fertigungshallen der Linhardt Group GmbH Tuben, Aerosoldosen, Röhrchen und Fläschchen aus Aluminium und Kunststoff für die Bereiche Pharma, Health und mehr. Vor allem im Bereich der pharmazeutischen Aluminiumtuben hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren zum Weltmarktführer entwickelt. Und einer der bekanntesten Textmarker – der edding – geht bei dem niederbayerischen Unternehmen vom Band. Bei der Entwicklung der Produkte setzt man auf höchste Recyclingfähigkeit, Materialreduzierung sowie den Einsatz von bis zu 100 Prozent Post-consumer-recyceltem Material. Und auch in der strategischen Unternehmensausrichtung geht der Blick in die Zukunft. Eine ausgeklügelte Digitalisierungsstrategie macht Linhardt mittlerweile zum Branchenprimus.

Fehlende Transparenz an den Linien

Jährlich gehen an den deutschen Standorten von Linhardt in Viechtach, Pausa und Hambrücken rund 1,5 Milliarden Stück Verpackungen an insgesamt 37 Linien vom Band, vor allem aus Aluminium. Um den Überblick zu behalten, braucht es eine gewisse Transparenz direkt am Shopfloor, die zuvor so nicht gegeben war. An den Linien wurden nur wenige Zählwerte erfasst und für die Verplanung von Aufträgen konnte man – abgebildet in SAP – auf Auftragsbeginn, Auftragsende und eine pauschale, aber ungenaue Gesamtrüstzeit zurückgreifen. Somit standen praktisch keine auswertbaren Daten für stabile und reproduzierbare Prozesse zur Verfügung. Die damit verbundenen Defizite lagen auf der Hand und so erfolgte der Startschuss für ein Digitalisierungsprogramm auch am Shopfloor.

Vor Projektstart haben wir an jeder Linie gerade mal 4 Messwerte erfasst. Diese Zahl wollten wir auf mehr als 100 Werte entwickeln.

Robert Brückner, Director IT & Digitalization bei der Linhardt Group

MDE, BDE und Feinplanung im Einklang

Ziel war es, einerseits die Transparenz an den Linien zu erhöhen, um damit die Basis für weitere Optimierungsmaßnahmen zu schaffen und andererseits, das bis dahin eingesetzte manuelle, tabellarisch aufgebaute Planungstool abzulösen und gegen eine zeitgemäße und zukunftsfähige Lösung auszutauschen. Fündig wurde Linhardt bei Industrie Informatik und Cronetwork MES mit Maschinen- und Betriebsdatenerfassung sowie Feinplanung APS. Robert Brückner, Director IT & Digitalization bei der Linhardt Group, erinnert sich: „Vor Projektstart haben wir an jeder Linie gerade mal 4 Messwerte erfasst. Diese Zahl wollten wir auf mehr als 100 Werte entwickeln. Dazu zählten Stückzähler, Maschinenzustände, Störungen, Geschwindigkeiten sowie Temperaturwerte. Zudem sollten auch Maschinen- und Einstellparameter in Zusammenhang mit dem Fertigungsmaterial erfasst werden.“ Die damit verbundenen Ziele waren optimierte Rüst- und Durchlaufzeiten und eine erhöhte Verfügbarkeit – kurz gesagt eine stark optimierte Overall Equipment Effectiveness (OEE).

Vor allem das Thema Rüstzeit ist bei rund 50 Meter langen und aus zwölf bis 15 Einzelmaschinen bestehenden Linien von größter Bedeutung für Effizienz und Leistung. „Wir haben die Linien und Maschinen in einzelne Komponenten aufgeteilt und mit dem Wissen der einzelnen Fachbereiche theoretische Rüstzeiten für Aktionen wie Klischee- und Farbwechsel ermittelt. Diese wurden in Rüstblöcke zusammengefasst und in Cronetwork MES abgebildet. Die zugrunde liegende Logik liefert uns auf dieser Basis heute realistische, faktenbasierte Soll-Rüstzeiten“, berichtet Brückner. Früher seien diese Informationen pauschal in SAP abgebildet gewesen, was für eine genaue Planung unzureichend war. Heute liefern feingranulare und automatisch via MDE erfasste Teilrüstzeiten die nötige Transparenz, um die eigenen Prozesse weiter optimieren zu können.

MES: Mehr Transparenz am Shopfloor

Die Mitarbeiter an den Linien sehen dank Cronetwork MES auf den ersten Blick, wo sie leistungsmäßig in ihrer aktuellen Schicht stehen und können daraus ggf. auch ableiten, wo Anpassungen notwendig sind.(Bild: Linhardt Group GmbH)
Die Mitarbeiter an den Linien sehen dank Cronetwork MES auf den ersten Blick, wo sie leistungsmäßig in ihrer aktuellen Schicht stehen und können daraus ggf. auch ableiten, wo Anpassungen notwendig sind.
(Bild: Linhardt Group GmbH)

Die absolut zuverlässige Gegenüberstellung von Soll- und Ist-Rüstzeiten hat sich zu einer essenziellen Kennzahl für alle Unternehmensebenen entwickelt. Diese wird heute in Kombination mit der Schichtleistung je Linie an nahezu jedem Arbeitsplatz leicht verständlich und interpretierbar für die Mitarbeiter am Shopfloor aufbereitet. Brückner dazu: „Unsere Kolleginnen und Kollegen an den Linien sehen auf den ersten Blick, wo sie leistungsmäßig in ihrer aktuellen Schicht stehen und können daraus ableiten, wo eventuell Anpassungen notwendig sind.“Auch für die Produktionsleitung haben sich durch den aktuellen und validen, digitalen Blick auf das Fertigungsgeschehen neue Möglichkeiten ergeben. Die Shopfloor-Daten werden unter anderem in einem Kiosk-Portal dargestellt, das entweder die aktuelle Leistung je Linie oder die Gesamtleistung in der Fertigung zeigt. Daraus können jetzt reaktionsschnell Maßnahmen ergriffen werden, sollten Rückstände oder Verzögerungen auftreten.

Von der Tabelle zur grafischen Plantafel

In speziell dafür vorgesehenen Räumen wird bei den Gemba-Walks das aktuelle Fertigungsgeschehen besprochen.(Bild:  Linhardt Group GmbH)
In speziell dafür vorgesehenen Räumen wird bei den Gemba-Walks das aktuelle Fertigungsgeschehen besprochen.
(Bild: Linhardt Group GmbH)

Neben der Schaffung transparenter Fertigungslinien stand auch ein modernes und zukunftsfähiges Planungstool ganz oben auf der Agenda. Die bislang eingesetzte Plantafel stellte die Fertigungsaufträge ausschließlich in Listenform und tabellarisch dar. Sämtliche Planungsvorgänge, Sortierungen und Anpassungen waren manuell vorzunehmen und an eine Integration in SAP S/4 HANA war ohnehin nicht zu denken.

„Wir haben mit Cronetwork Feinplanung APS die Produktionsplanung auf ein grafisches und teilweise automatisiertes Niveau gehoben, das unseren hohen Qualitätsansprüchen gerecht wird. Unsere Gemba-Walks basieren heute auf den Daten und Informationen, die mittels Cronetwork MES zur Verfügung gestellt werden“, berichtet Brückner. Mit den Gemba-Walks sind wöchentliche Zusammenkünfte der Verantwortlichen über alle Hierarchieebenen in speziell dafür vorgesehenen Räumen gemeint. Auf großen Touchscreens wird hier das aktuelle Fertigungsgeschehen digital dargestellt. „Wir treffen heute datenbasierte und damit valide, nachvollziehbare Entscheidungen am Shopfloor und darüber hinaus“, so Brückner.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Boost für die Digitalisierung 

Laut Brückner hat Cronetwork MES den Boost für die Digitalisierung in der Fertigung geliefert, der benötigt wird, um auf dem hohen Level zu agieren, auf dem sich Linhardt bewegt. Neben den bereits erwähnten Optimierungen ergeben sich noch weitere Vorteile. So sind die Qualitätsanforderungen an Lindhardt als Zulieferer für den Pharma- und Medizinbereich sehr hoch. In den damit verbundenen, regelmäßigen Audits können die benötigten Daten und Informationen schnell und zuverlässig per Knopfdruck geliefert werden.

„Unsere Entscheidungen rund um die Produktion basieren heute auf zuverlässigen Daten und Informationen. Diese Transparenz an den Linien kommt vor allem durch den Einsatz von Cronetwork MES zustande und hilft uns enorm bei der Optimierung unserer Prozesse. Die Partnerschaft mit der Industrie Informatik ist von gegenseitiger Wertschätzung geprägt. So konnte man sich auch in schwierigen Projektphasen immer wieder finden“, so das Fazit von Brückner. 

Der Autor Markus Maier ist Teamleader Corporate Marketing bei der Industrie Informatik GmbH.