Manufacturing-X: Datenraum für den digitalen Wandel in Europa

Verantwortlicher Redakteur:in: Rainer Trummer 4 min Lesedauer

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Industrie 4.0 benötigt eine einfach verfügbare, sichere und durchgängige Datenvernetzung. Manufacturing-X soll das ermöglichen. Ziel ist die Etablierung eines Daten-Ökosystems, das den vertrauensvollen, auf offenen Standards basierenden Datenaustausch zwischen Unternehmen ermöglicht sowie den Firmen digitale Souveränität bietet.

(Quelle:  metamorworks/AdobeStock)
(Quelle: metamorworks/AdobeStock)

Manufacturing-X im Fokus: Selten stand das Thema Produktion so im politischen und öffentlichen Interesse wie derzeit. Kein Wunder. Denn Produktion und verarbeitende Industrie spielen eine Schlüsselrolle, wenn es um die großen Transformationsthemen unserer Zeit geht: Energie- und Ressourceneffizienz, Klimaschutz, Digitalisierung sowie der Weg hin zu klimaneutraler Produktion und Kreislaufwirtschaft. Und die große Weltpolitik hat die Produktion und Technologien fest im Blick, deren strategische Relevanz bestimmt mittlerweile maßgeblich die internationale Agenda.

Im Zentrum von Manufacturing-X: der Maschinenbau

Der Maschinen- und Anlagenbau steht dabei als Anbieter und Anwender von Technologien im Zentrum der Entwicklung. Er ist Enabler-Industrie und steht für Innovation, Exportorientierung und Mittelstand. Die Unternehmen beschäftigen insgesamt rund drei Millionen Menschen in den 27 EU-Staaten, davon mehr als 1,2 Millionen allein in Deutschland. Damit ist der Maschinen- und Anlagenbau unter den Investitionsgüterindustrien der größte Arbeitgeber, sowohl in der EU-27 als auch in Deutschland. Er steht in der Europäischen Union für ein Umsatzvolumen von geschätzt 770 Milliarden Euro.

Industrie 4.0 als Wegbereiter

Für die Weiterentwicklung und internationale Positionierung dieser starken Industrie ist die Digitalisierung ein entscheidendes Thema. Denn nur die intelligente Vernetzung von Produktion und Produkten ermöglicht neue digitale Geschäftsmodelle und Mehrwerte. Zugleich werden Industrie-4.0-Technologien maßgeblich dafür sein, ob die EU ihre Ziele wie etwa strategische Souveränität, Klimaneutralität und Kreislaufwirtschaft erreichen wird. Mit den jüngsten Initiativen wie dem Green Deal Industrial Plan und dem Net Zero Industry Act wird am Beispiel „Net-Zero-Technologien“ noch einmal deutlich, wie wichtig eine leistungsfähige Produktion für das Gelingen des Green Deals und eine resiliente Industrie ist.

Datenraum Manufacturing-X

Das bringt uns zum Datenökosystem ­Manufacturing-X: Ziel ist ein Handlungsraum für eine souveräne und innovative Industrie, der endlich eine Skalierung der Datenökonomie ermöglicht – ohne die üblichen Nachteile einer Plattformökonomie wie Zentralisierung, Souveränitätsverluste oder Lock-in-Effekte. Vielmehr soll ein föderatives, demokratisches und interoperables Datenökosystem geschaffen werden. Der Ansatz ist, dass Unternehmen einerseits Basisdienste für nicht-wettbewerbliche Angebote wie etwa Interoperabilität oder Security zu niedrigen Kosten nutzen können, andererseits aber auch ihre Kundenschnittstelle erhalten können und sich durch eigene Innovationen im Wettbewerb differenzieren können – etwa in Form von Apps und spezifischen Serviceangeboten. Die Unternehmen, kleine wie große, können ihr Domainwissen in digitalen Mehrwertdiensten entfalten.

Gemeinsam mit den Unternehmen

Dabei wird auf erprobte Standards gesetzt, die bereits in enger Zusammenarbeit mit den Unternehmen entwickelt wurden, beispielsweise die Asset Administration Shell, die OPC-UA-Standards (im Umfeld von umati) oder die sogenannten „Dataspace Connectors“, die – ähnlich wie genormte Stecker zum Stromnetz– den Zugang zum dezentralen Ökosystem ermöglichen. Das alles findet im Rahmen einer Governance-Struktur statt, die Teilhabe und Mitbestimmung ermöglich und Vertrauen schafft.

Souveränität und Sicherheit der Daten im Fokus

Aus politischer Sicht ist dabei wichtig, dass eine dezentrale Alternative zu großen Hyper­scalern geschaffen wird, die zu den Stärken der europäischen Industrie passt und das Know-how der Unternehmen schützt. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen können künftig im Rahmen von Manufacturing-X ihre Daten leichter austauschen und gleichberechtigt mit Dritten teilen. Dabei bleiben die Souveränität und Sicherheit der Daten gewahrt. Auch die Umsetzung der zunehmenden regulatorischen Anforderungen, zum Beispiel die des Data Acts oder die des digitalen Produktpasses, wird durch standardisierte und rechtssichere Ansätze erleichtert. Damit lässt sich nicht nur der digitale Wandel voranbringen, sondern auch die Basis schaffen für innovative Lösungen in Bereichen wie Condition Monitoring, Carbon Footprint Management, Kreislaufwirtschaft oder Lieferkettenmanagement – alles wichtige Elemente, die zur Umsetzung der EU-Ziele notwendig sind. Europas Stärke ist das Wissen und die Exzellenz tausender Unternehmen im B2B-Feld einer intelligent vernetzten Produktion. Diese Stärke wird mit dem Aufbau föderativer Datenökosysteme in eine souveräne Zukunft überführt.

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Manufacturing-X: Konzeptstudie gibt Impulse

Eine Konzeptstudie von VDMA, ZVEI und Fraunhofer Gesellschaft zeigt den Bauplan auf, wie ein Manufacturing-X-­Datenökosystem aussehen könnte und wie sich Mehrwerte für Unternehmen, Gesellschaft und den Wirtschaftsstandort Europa schaffen lassen. Die Studie gibt einen wichtigen Impuls für den zukünftigen industriellen Datenraum Manu­facturing-X und ist ein Meilenstein für dessen Konzeption. Denn die Architektur von Manufacturing-X wird maßgeblich darüber entscheiden, welche Mehrwerte der Datenaustausch den Unter­nehmen in Europa bringen wird, um weltweit wettbewerbsfähig zu sein und den digitalen und grünen Wandel zu einem europäischen Erfolg zu machen.

Vertiefung gemeinsam mit allen Partnern

Im nächsten Schritt wird die Bauplanstudie zu Manufacturing-X in enger Zusammenarbeit mit Partnern der produzierenden Industrie verfeinert. Das Feedback und die Erfahrungen aus diesen „Deep Dives“ werden genutzt, um die endgültige Implementierung von Manufacturing-X weiter zu optimieren und sicherzustellen, dass sie den spezifischen Bedürfnissen der Branche gerecht wird.
Eine spannende Entwicklung liegt vor uns – mit viel Potenzial für die Unternehmen, ihre Kunden und den Produktionsstandort Europa. Deutschlands Erfolgspfad und führende Position bei den Industrie-4.0-Technologien wird mit Manufacturing-X weiter beschritten. Die vom VDMA mitgetragene Plattform Industrie 4.0 und das Förderprogramm Manufacturing-X des BMWK sowie die Aktivitäten der EU geben uns entscheidende Chancen­potenziale.

Der Autor Hartmut Rauen ist stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer.

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