KI-basierte Planung KI in der Produktionsplanung: Mehr als nur eine Chance für die Effizienz

Das Gespräch führten Digital Manufacturing Magazin und Markus Günther 4 min Lesedauer

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Künstliche Intelligenz (KI) ist nach wie vor ein großes Thema in der Industrie – und der Trend wird sich fortsetzen. Gerade für produzierende Unternehmen bietet KI große Chancen, ihre Effizienz zu steigern und sich zukunftssicher aufzustellen. Dipl.- Math. Markus Günther, Head of Sales Produktion des Aachener Softwareherstellers Inform, erläutert im Interview, welche Potenziale KI in der Produktionsplanung bietet, und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.

Für produzierende Unternehmen bietet KI große Chancen, ihre Effizienz zu steigern und sich zukunftssicher aufzustellen.(Bild:  Limitless Visions/AdobeStock)
Für produzierende Unternehmen bietet KI große Chancen, ihre Effizienz zu steigern und sich zukunftssicher aufzustellen.
(Bild: Limitless Visions/AdobeStock)

Was sind aus die aktuellen Herausforderungen für Unternehmen in der Produktionsplanung?

Markus Günther: Früher war die Produktionsplanung noch einfacher, da es weniger Produktvarianten und Modelle gab, was die Planung überschaubar machte und weniger Flexibilität erforderte. Solche Bedingungen sind heute jedoch kaum mehr denkbar, denn die ganzen Prozesse sind um Längen komplexer geworden. Die Anforderungen des Marktes nach immer kürzeren Lieferzeiten und individuellen Produkten, führen zu hoher Variantenvielfalt und dementsprechend zu komplexen Planungsprozessen. Von unvorhersehbaren Störungen wie Maschinen- oder Personalausfällen, Lieferverzögerungen und Eilaufträgen ganz zu schweigen. Planer müssen trotz dieser komplexen und dynamischen Bedingungen schnell die richtigen Entscheidungen treffen, um Lieferverzögerungen zu vermeiden. Dies führt zu einem komplexen Netz aus Verflechtungen und Abhängigkeiten, das sorgfältig gemanagt werden muss.

KI hilft große Datenmengen zu verarbeiten

Wie kann KI dazu beitragen, diese Herausforderungen zu bewältigen?

Günther: KI-basierte Optimierungssysteme sind in der Lage, riesige Datenmengen in Sekundenschnelle zu verarbeiten und verschiedene Produktionspläne unter Berücksichtigung realer Rahmenbedingungen wie Maschinenverfügbarkeit, Personal und Materialbeständen zu berechnen. Daraus errechnen sie eine optimale Produktionsreihenfolge und berücksichtigen dabei zukünftige Bedarfe, Prioritäten, Abhängigkeiten und Restriktionen auf kurz-, mittel- und langfristige Sicht.

Stücklisten mit tausenden von Teilen und die feine Vernetzung aller Aufträge und Abhängigkeiten sind für einen Planer schlicht nicht mehr zu überblicken. Zeitdruck und Komplexität spielen natürlich auch eine Rolle. Aber KI ist genau dafür gemacht. Und anders als der Mensch priorisiert sie Fertigungsreihenfolgen auch unter Zeitdruck nicht intuitiv, etwa mit Blick auf Eilaufträge oder lokale Prioritäten, sondern unter Berücksichtigung des gesamten Auftragsnetzes. Das ermöglicht eine präzisere und effizientere Produktionsplanung, schnellere Anpassungen an Veränderungen und insgesamt eine optimale Auslastung aller Ressourcen.

Welche Voraussetzungen müssen für den Einsatz von KI erfüllt sein, und wie kann so ein Projekt erfolgreich gestartet werden?

Günther: Damit eine KI-gestützte Produktionsplanung ihr volles Potenzial entfalten kann, spielen natürlich in erster Linie die Datenverfügbarkeit und deren Qualität eine wichtige Rolle. Was Unternehmen jedoch noch häufig unterschätzen, ist, dass sie oft bereits über 95 Prozent der erforderlichen Daten verfügen und sofort loslegen können. Darüber hinaus ist es wichtig, alle am Produktionsprozess beteiligten Abteilungen, die die Prozesse und Probleme kennen, von Anfang an in die Einführung einzubeziehen. Schließlich müssen Einkauf, Konstruktion oder Vertrieb Hand in Hand mit der Produktion arbeiten.

KI in der ProduktionsplanungMarkus Günther
Head of Sales Produktion beim Aachener Optimierungsspezialisten Inform

Bildquelle: Inform

KI in der Produktionsplanung: Integration lohnt sich

Was sind die Mehrwerte einer KI-basierten Planung in der Produktion?

Günther: Während herkömmliche ERP-Systeme und die altbekannten Excel-Listen bereits eine grundlegende Ordnung bieten, ermöglicht die Integration von KI in der Produktionsplanung weitaus tiefgreifendere Verbesserungen. Für Unternehmen bedeutet das in Summe weniger Lieferengpässe, weniger Ressourcenverschwendung, weniger Fehlteile, geringere Kosten und nicht zuletzt zufriedenere Kunden. Dank KI lassen sich zentrale Kennzahlen wie Lieferzeiten, Liefertreue, Produktivität und Kapitalbindung signifikant verbessern. Auch die Erfahrungen unserer Kunden zeigen: Die Einführung intelligenter Systeme macht nicht nur das Management glücklich und die Unternehmen wettbewerbsfähiger - auch die Mitarbeitenden und Führungskräfte in der Produktion profitieren von der Unterstützung durch KI.

Welche Rolle wird KI zukünftig für die Produktionsplanung spielen?

Günther: In Zukunft wird KI die Produktionsplanung nicht nur effizienter und flexibler gestalten, sondern auch die Art und Weise, wie wir mit KI-basierten Systemen interagieren, grundlegend verändern. Ähnlich wie Sprachassistenten im privaten Alltag bereits heute vielfältige Aufgaben übernehmen, wie das Einschalten des Radios per Sprachbefehl, wird erwartet, dass eine solche Sprachsteuerung mittels KI auch in der Produktionsplanung umfassenden Einzug finden wird. Mitarbeitende werden dann in der Lage sein, Anfragen und Aufträge direkt per Sprachbefehl an intelligente Produktionsplanungssysteme zu übermitteln, um beispielsweise den aktuellen Auftragsstatus abzufragen oder um zu erfahren, welche Aufträge Gefahr laufen, nicht rechtzeitig fertiggestellt zu werden.

Langfristig flexibel bleiben

Eignet sich KI in der Produktionsplanung also nur als reiner Showeffekt oder bietet sie langfristige Mehrwerte?

Günther: Wie die Beispiele zeigen, ist der Einsatz von KI weit mehr als nur ein Showeffekt. Auch wenn KI oft mit aktuellen Entwicklungen wie ChatGPT assoziiert wird, reicht ihr Potenzial weit über diese Bereiche hinaus. Dabei ist es völlig berechtigt, dass die neue Technologie und die damit verbundenen Veränderungen zunächst auf Respekt und Skepsis stoßen. Wichtig an der Stelle ist auch, dass der Mensch weiterhin eine zentrale Rolle spielen wird. KI kann viele Routineaufgaben automatisieren und Entscheidungsprozesse unterstützen, was Arbeitsplätze aufwertet, jedoch bleibt die menschliche Expertise unerlässlich. Die digitale Transformation schreitet unaufhaltsam voran, daher ist es sinnvoll, die Potenziale der KI für die Produktionsplanung aber auch darüber hinaus zu nutzen und sich so ein Stück weit passgenauer und gleichzeitig flexibler für die Zukunft aufzustellen.

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