Hands-on statt Hype KI anwenden: Gelungene Premiere für VDI-Kongress smartAI

Quelle: VDI Wissensforum 4 min Lesedauer

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Rund 180 Teilnehmer kamen im November zum ersten VDI-Kongress smartAI nach Heilbronn, um Praxiserfahrungen auszutauschen und die Potenziale industrieller KI-Anwendungen auszuloten.

Carsten Maschmeyer in seiner Grußbotschaft: „AI – or Bye-bye“.(Bild:  VDI Wissensforum)
Carsten Maschmeyer in seiner Grußbotschaft: „AI – or Bye-bye“.
(Bild: VDI Wissensforum)

Ankündigungen zu KI-Projekten gibt es genug – nun geht es darum, in die konkreten Anwendungen zu kommen. Denn die Chancen, die sich in Verbindung mit dem in Deutschland und Europa vorhandenen Ingenieur-Know-how eröffnen, sind enorm: Auf diesen kurzen Nenner lassen sich die Keynotes, Fachvorträge und Stimmen des ersten VDI-Kongresses smartAI bringen. Rund 180 Experten und Entscheider kamen zum ausgebuchten Kongress am 26. und 27. November 2025 im Innovation Park Artificial Intelligence Heilbronn (IPAI) zusammen, um Praxiserfahrungen auszutauschen, Potenziale von industriellen KI-Anwendungen auszuloten und sich branchenübergreifend zu vernetzen. Mit dem smartAI Council, das sich im Rahmen der Veranstaltung konstituierte, wird der VDI diese Entwicklung weiter aktiv begleiten. 

„AI – or Bye-bye“

Die Frage nach dem „Ob“ stellt sich bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz längst nicht mehr, machte Carsten Maschmeyer in seiner Video-Grußbotschaft zu Beginn des Kongresses deutlich. Stattdessen gehe es darum, die geeignetsten Anwendungen zu identifizieren, mit denen sich Vorsprünge hinsichtlich Produktivität und Innovationstempo erreichen lassen: „AI – or Bye-bye“, so lautet Maschmeyers eingängiges Credo.

„KI anwenden und skalieren“

VDI-Direktor Adrian Willig: „Deutschland kann KI – wir müssen sie jetzt konsequent anwenden und skalieren.“(Bild:  VDI Wissensforum)
VDI-Direktor Adrian Willig: „Deutschland kann KI – wir müssen sie jetzt konsequent anwenden und skalieren.“
(Bild: VDI Wissensforum)

VDI-Direktor Adrian Willig betonte in seiner Eröffnungsrede ebenfalls die Notwendigkeit, in die Anwendung zu kommen: „Entscheidend ist, was Ingenieure in Unternehmen wirklich umsetzen. Wertschöpfung entsteht nicht in Präsentationen, sondern in der Praxis.“ Von zentraler Bedeutung seien Best-Practice-Beispiele, gegenseitiger Austausch und Enablement für Künstliche Intelligenz. Adrian Willig ging weiter auf die Bedeutung von Schlüsseltechnologien für den heimischen Standort und langfristig wirkende Entscheidungen ein. Vor diesem Hintergrund hat der VDI die Initiative Zukunft Deutschland 2050 ins Leben gerufen. Sein Fazit: „Deutschland kann KI. Wir müssen sie jetzt konsequent anwenden und skalieren.“

smartAI Council gegründet

KI-Leuchtturm IPAI Heilbronn: Robin Hermann (Stackit, Schwarz Gruppe) über den Weg zum souveränen KI-Standort – von Datenhoheit bis zur eigenen Cloud.(Bild:  VDI Wissensforum)
KI-Leuchtturm IPAI Heilbronn: Robin Hermann (Stackit, Schwarz Gruppe) über den Weg zum souveränen KI-Standort – von Datenhoheit bis zur eigenen Cloud.
(Bild: VDI Wissensforum)

Impulse auf diesem Weg will das smartAI Council geben. Das Experten-Gremium konstituierte sich im Rahmen des Kongresses und entwickelte zugleich eine Agenda für seine Arbeit. Zu den wesentlichen Handlungsfeldern gehören die Entmystifizierung von AI, die Vermittlung von neuem Wissen und zusätzlichen Qualifikationen sowie die Vernetzung führender Köpfe und Leuchtturmprojekte. Erfolgreiche KI benötigt neue Räume fürs Experimentieren, so das smartAI Council – verbunden mit dem Mut, auch Fehler zuzulassen.

Einen bereits bestehenden KI-Leuchtturm lernten die Teilnehmenden mit dem Tagungsort IPAI kennen. Heilbronn hat sich auf den Weg gemacht, einer der führenden KI-Standorte in Deutschland zu werden. Robin Hermann (Stackit, Schwarz Gruppe), stellte in seiner Keynote die damit verbundene Strategie vor und betonte insbesondere die Bedeutung von Souveränität, sowohl was Daten als auch Technologien angeht. Dies erstreckt sich bis hin zur Schaffung eigener Cloud-Kapazitäten, um Abhängigkeiten zu vermeiden.

Chancen für die heimische Industrie

Prof. Hans Uszkoreit (DFKI): Große Chancen für die heimische Industrie durch KI – der Mensch bleibt unersetzbar.(Bild:  VDI Wissensforum)
Prof. Hans Uszkoreit (DFKI): Große Chancen für die heimische Industrie durch KI – der Mensch bleibt unersetzbar.
(Bild: VDI Wissensforum)

Mit gängigen KI-Mythen, Ängsten und Erwartungen beschäftigte sich Prof. Dr. Hans Uszkoreit, Scientific Director am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), in seiner vielbeachteten Keynote. Er zeigte auf, wie Kl-Werkzeuge unterschiedlichste Tätigkeitsbereiche in den kommenden Jahren verändern werden. Repetitive Aufgaben lassen sich zunehmend automatisieren, dennoch bleibe der Faktor Mensch bei kreativen Aufgaben, bei der Kommunikation oder etwa beim Verhandeln unersetzbar: „Wir haben große Chancen in der Adaption und im Einsatz der Kl in der Industrie, insbesondere in der verarbeitenden Industrie. Trumpfkarten sind dabei unsere ingenieurwissenschaftliche Tradition und unser starker Mittelstand. Hier kann der VDI eine wichtige Rolle spielen.“

Wie wichtig die Technologie- und Prozesskompetenz der Ingenieurinnen und Ingenieure für zielführende KI-Projekte ist, machte ebenso Dr. Sven J. Körner (Aleph Alpha) deutlich: „Ohne die kompetenten Ingenieure, die dem KI-System zeigen, was richtig und notwendig ist, bleibt jede Lösung lediglich Stückwerk.“ Sein Fazit: Gut gemeint sei oft das Gegenteil von gut gemacht.

„Human Engineering ist gefragt“

Nicole Büttner (Merantix Momentum): „Die Technologie ist da, jetzt müssen wir die Mitarbeitenden bei der KI-Adoption mitnehmen.“(Bild:  VDI Wissensforum)
Nicole Büttner (Merantix Momentum): „Die Technologie ist da, jetzt müssen wir die Mitarbeitenden bei der KI-Adoption mitnehmen.“
(Bild: VDI Wissensforum)

Zum richtigen Tun gehört es nicht zuletzt, die Mitarbeitenden mitzunehmen, unterstrich Nicole Büttner (Merantix Momentum): „Die Technologie ist da – nun geht es darum, in die Adoption in den Unternehmen zu kommen.“ Mitarbeitende dürften nicht das Gefühl bekommen, den Ast absägen zu müssen, auf dem sie selbst sitzen: „Fix the friction“, so nannte Nicole Büttner diese Herausforderung an Arbeitgeber: „Diese aufregende, oft auch unbequeme Schwelle erfordert viel Human Engineering in den Unternehmen.“

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Zahlreiche weitere Größen aus Industrie, Tech und Mittelstand gaben in ihren Fachvorträgen Einblicke in aktuelle Anwendungen und Entwicklungsprojekte. Branchenübergreifend vernetzte der Kongress zentrale Anwendungsfelder wie Robotik, Produktion, Automotive, Medizintechnik und Defense. Zwei Podiumsdiskussionen beschäftigten sich zudem mit Themen wie Innovation und Umsetzungstempo sowie dem Umbruch der Arbeitswelt.

KI-Geschäftsideen auf der Startup-Stage

Zu den weiteren Highlights zählte die Start-up-Stage, auf der sich neue Geschäftsideen dem Fachpublikum und der Jury stellten. Die Start-ups zeigten, wie KI echten Mehrwert schafft, von der industriellen Fertigung über Automotive und Logistik bis zur Medizintechnik. Das Preisgeld von 5.000 Euro ging an HEBIO, ein junges Unternehmen aus Bayern, das ein innovatives Doppelzinkensystem zur Automatisierung von Verladevorgängen und zur Optimierung der Intralogistik entwickelt hat.

Weitere Sessions mit Workshop-Charakter und der Promptoton, wo sich die Teilnehmenden in Laboratmosphäre selbst ausprobieren konnten, rundeten den zweitägigen Kongress ab. Weitere Gelegenheiten zum Netzwerken bot eine Abendveranstaltung mit einem Auftritt des Comedians Christian Schulte-Loh.