Heute gilt es, aus Technologie und anderen Aspekten einen ganzheitlichen Ansatz zu bilden. Welche Aspekte 2022 dabei besonders im Fokus stehen, darüber hier mehr.
(Quelle: nirutft-Adobe Stock)
Bei der Analyse der Trends für die Zukunft wird häufig die Technologie in den Vordergrund gestellt. Das ist definitiv zu kurz gedacht. Vielmehr braucht es einen ganzheitlichen Ansatz, der auch organisatorische, gesellschaftliche, ökonomische und ökologische Aspekte berücksichtigt. Folgende drei Themenfelder zu den IT-Trends 2022 für die Fertigungs-IT von morgen sieht der Fertigungs-IT-Spezialist MPDV besonders im Fokus.
1. IT-Trends 2022: Cloud, Edge und SaaS
Ja, Cloud-Computing beziehungsweise Software as a Service (SaaS) ist erst einmal eine Technologie. Aber damit nicht genug – im Umfeld der Smart Factory wird Cloud-Computing nicht ohne Edge-Computing auskommen. Warum? Ganz einfach: Die Cloud erfüllt zwar viele Anforderungen hinsichtlich Skalierbarkeit, Verfügbarkeit und Standardisierung. Allerdings brauchen manche Prozesse in der Fertigung eine gewisse Echtzeitfähigkeit sowie die Verlässlichkeit, dass auch produziert werden kann, wenn die Netzwerkverbindung zur Cloud unterbrochen ist.
Dabei geht es einerseits um die Bereitstellung von Daten aus der Cloud im Shopfloor (etwa nächster Auftrag) und andererseits um das Zwischenspeichern erfasster Ist-Daten (beispielsweise Maschinenstatus, Mengen, Prozessdaten). Es muss sichergestellt werden, dass keine Daten verloren gehen und nur freigegebene Komponenten in den Prozess eingebracht werden.
Neben den technischen Möglichkeiten braucht es aber auch das Vertrauen der Nutzer. Das ERP-Umfeld ist hier schon weiter und immer mehr Unternehmen entscheiden sich für SaaS-Lösungen. Auch bei der Fertigungs-IT ist zu erwarten, dass der Anteil an SaaS sukzessive zunehmen wird, da einerseits die Bandbreite im Internet immer größer und bezahlbarer wird und andererseits das Vertrauen in die Cloud wächst.
(Die Smart Factory braucht Cloud-Computing und Edge-Computing. Bild: MPDV/AdobeStock/Photon_Photo)
2. Wissensmanagement & Selbstregelung
„Wissen ist Macht“ gilt auch in der Smart Factory. Denn nur wer weiß, was aktuell passiert und warum, hat die Macht, adäquat auf Störungen zu reagieren und frühzeitig gegenzusteuern.
Heutzutage findet Wissensmanagement häufig nur in den Köpfen der erfahrenen Werker und Maschinenbediener statt. Sie allein wissen, dass bestimmte Ereignisse unweigerlich andere Ereignisse nach sich ziehen. Und nur Sie sind dafür sensibilisiert, dass ein bestimmtes Geräusch in der Fabrikhalle auf eine bestimmte Maschinenstörung hindeutet.
Solche Zusammenhänge in strukturierte Erkenntnisse zu formulieren und in einem System zu hinterlegen, ist der erste Schritt zum Wissensmanagement.
Künstlicher Intelligenz (KI) kann das Wissensmanagement schrittweise automatisieren – bis hin zu einem autonomen System mit eigener Handlungskompetenz. Natürlich braucht es dafür genaue Vorgaben und eine gehörige Portion Vertrauen. Beides lässt sich über die Zeit aufbauen und durch Freigabeabfragen sukzessive fördern. Auch im Falle des Wissensmanagements reicht die Technologie nicht aus.
Das Festlegen und Einhalten von Regeln ist eine Grundvoraussetzung. Damit die Mitarbeiter Vertrauen zur KI fassen, ist ein strukturiertes Changemanagement zielführend.
(Wissensmanagement ist der erste Schritt zur selbstregelnden Fabrik. Bild: MPDV/AdobeStock/Metamorworks)
3. Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit ist als eines der drei Handlungsfelder im Leitbild 2030 der Plattform Industrie 4.0 längst in den Köpfen der Fertigungsindustrie angekommen. Auch dieser Trend hat mehrere Facetten, die sich nicht ausschließlich auf die Umwelt im ökologischen Sinne beziehen. Nachhaltigkeit kann man auch ökonomisch und gesellschaftlich betrachten. Das Ziel ökonomischen Handelns sollte den meisten bereits klar sein: Spart man Energie und Ressourcen ein, schont das die Umwelt und den Geldbeutel. Und zur Ressourceneffizienz kann die heutige Fertigungs-IT einen großen Beitrag leisten.
Der gesellschaftliche Aspekt der Nachhaltigkeit spielt zum Beispiel beim Fachkräftemangel oder beim demografischen Wandel eine signifikante Rolle. Aber was hat das mit der Fertigungs-IT zu tun? Ganz einfach: Durch entsprechende Funktionen kann die Fertigungs-IT dafür sorgen, dass auch ungelernte Werker ein komplexes Produkt herstellen können – zum Beispiel durch eine schrittweise Werkerführung in der Montage.
Bedienoberflächen können so weit angepasst werden, dass auch ältere Menschen damit arbeiten können. Anstatt der mangelnden Fachkräfte können dann verfügbare und arbeitswillige Menschen die anstehende Arbeit erledigen. So übernimmt die Fertigungs-IT Verantwortung für die Arbeitsumgebung und sorgt so für soziale und gesellschaftliche Nachhaltigkeit.
Stand: 16.12.2025
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Um noch einmal auf die ökologischen und ökonomischen Aspekte zurückzukommen: Nachhaltigkeit bedeutet, dass nur die Ressourcen eingesetzt werden, die unbedingt benötigt werden. Daraus folgt, dass die fertigen Produkte zu 100 Prozent perfekt sein müssen. Um unnötigen Ausschuss zu reduzieren, muss man zunächst einmal wissen, warum dieser entsteht. Dabei hilft die Fertigungs-IT, mit der jede Abweichung vom Soll erfasst und dokumentiert werden kann.
Und schließlich gibt es noch ein weiteres Thema, das zur Nachhaltigkeit passt: der Papierverbrauch in der Fertigung. Einer der größten Papierverbraucher sind gedruckte Fertigungspapiere. Eine moderne Fertigungs-IT kann diesen Papierverbrauch auf ein Minimum reduzieren – zum Beispiel durch die Nutzung von industrietauglichen Touch-Screen PCs im Shopfloor und idealerweise in der Nähe des betreffenden Arbeitsplatzes. Neben dem Papierverbrauch selbst reduziert sich gleichzeitig der Aufwand für die Verteilung der Informationen im Shopfloor.
(In der Smart Factory bedeutet Nachhaltigkeit mehr als Umweltschutz und Geldsparen. Bild: MPDV/AdobeStock/Jittawit.21)
IT-Trends 2022 – Synergien nutzen und Sichtfeld erweitern
Da die Smart Factory stark vernetzt ist, verlaufen auch die Grenzen der drei genannten IT-Trends 2022 nicht scharf. Beispielsweise sorgen die Vorteile des Wissensmanagements für mehr Ressourceneffizienz und befeuern damit die Nachhaltigkeit. Gleichzeitig braucht das Wissensmanagement eine geeignete Plattform, um Daten zu speichern – hier greift man üblicherweise auf eine Cloud-Lösung zurück.
Aber auch Cloud-Computing kann nachhaltig sein, denn durch die Auslagerung der Fertigungs-IT an einen Dienstleister kann der Energieverbrauch besser bestimmt werden. Zudem denkt man vielleicht genauer darüber nach, welche Daten wirklich benötigt werden und wie lange. Denn aus den sogenannten Eh-Da-Kosten im eigenen Rechenzentrum werden nun reale Kosten für einen Dienstleister. Ähnlich der Reduzierung von Gemeinkosten zugunsten auftragsspezifischer Aufwände lohnt es sich, Betriebskosten bestimmten IT-Systemen zuzuordnen.
Auch wenn die vorangehenden Ausführungen stellenweise an eine philosophische Abhandlung grenzen, so wird zumindest eines klar: Es reicht zukünftig nicht mehr aus, innovative Technologien einzusetzen. Vielmehr gilt es, den Blick über den Tellerrand zu wagen, um größere Zusammenhänge zu erkennen. Die Zeit, in der das Denken in Datensilos ausreichend war, ist vorbei. Wir müssen das große Ganze betrachten und dabei vor allem den Menschen einbeziehen. Denn egal wie intelligent die Fertigungs-IT werden wird, der Mensch wird immer eine zentrale Rolle spielen.
Der Autor Markus Diesner ist Senior Marketing Specialist Products bei MPDV.