Wissensnetzwerke in der Industrie Intelligente Instandhaltung mit Systemwissen

Von Mario Matuschek 4 min Lesedauer

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Wenn Fachkräfte fehlen und Wissen verloren geht, wird Instandhaltung zur strategischen Aufgabe. Digitale Systeme machen Erfahrungswissen greifbar und nutzbar. So vernetzt intelligente Instandhaltung Know-how als Rückgrat der Industrie.

Der Weg zu einer zukunftsweisenden Instandhaltung beginnt mit der Auflösung von Datensilos und der systemübergreifenden Vernetzung vorhandenen Wissens.(Bild: © yakub/stock.adobe.com)
Der Weg zu einer zukunftsweisenden Instandhaltung beginnt mit der Auflösung von Datensilos und der systemübergreifenden Vernetzung vorhandenen Wissens.
(Bild: © yakub/stock.adobe.com)

Die Sicherstellung des reibungslosen Betriebs industrieller Systeme stellt heute eine der zentralen Herausforderungen dar und wird zunehmend anspruchsvoller. Der sogenannte Silver Exodus, also das altersbedingte Ausscheiden der Babyboomer-Generation, lässt wertvolles Erfahrungswissen versiegen. Gleichzeitig gestaltet sich die Nachbesetzung offener Stellen immer schwieriger: Laut einer DIHK-Umfrage sehen sich bereits 43 Prozent der Unternehmen vom Fachkräftemangel betroffen. Hinzu kommt, dass verteilte Informationsquellen längst nicht mehr ausreichen, um moderne, hochgradig vernetzte Anlagen effizient zu steuern und zu warten.
 
Eines steht fest: Der Weg zur intelligenten Instandhaltung ist kein Sprint, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Entscheidend ist der Aufbau einer tragfähigen Informationsbasis und deren gezielte, smarte Nutzung. Wie dies in der Praxis gelingen kann, zeigen die folgenden drei Schritte.

Schritt 1: Informationsbasis der Instandhaltung konsolidieren

Der Weg zu einer zukunftsweisenden Instandhaltung beginnt mit der Auflösung von Datensilos und der systemübergreifenden Vernetzung vorhandenen Wissens. Denn relevantes Know-how ist häufig über verschiedenste Plattformen verteilt:  von Wikis über lokale Dateisysteme bis hin zu SAP, SharePoint oder Fachanwendungen. Anstatt Daten aufwendig zu migrieren oder neues Wissen in weiteren Insellösungen zu speichern, setzen moderne Plattformen – etwa der „Insight Workplace“ von Mindbreeze – auf eine intelligente, kontextbasierte Vernetzung bestehender Informationsquellen.
 
Dank Technologien wie Indexierung und semantischer Analyse entsteht eine einheitliche Zugriffsebene über sämtliche angebundene Datenquellen. Dadurch wird das gesamte vorhandene Wissen, von technischen Handbüchern über Wartungshistorien bis zu Expertenkontakten, zentral zugänglich, ohne dass die Informationen ihren ursprünglichen Speicherort verlassen müssen.

Schritt 2: Informationen verstehen und gezielt zugänglich machen

Ist die Informationsbasis geschaffen, folgt die nächste Phase: ihre nachhaltige Erschließung und Nutzung. Hier kommen Technologien aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz (KI), wie Retrieval-Augmented Generation (RAG) zum Einsatz. Sie ermöglichen es, nicht nur einfache Stichwortsuchen durchzuführen, sondern auch die Nutzerabsicht zu erfassen und selbst bei unpräzisen Anfragen kontextbezogene, präzise Antworten zu liefern.
 
Ein zentrales Kriterium dabei ist die Verlässlichkeit der Resultate. Professionelle Systeme wie jenes von Mindbreeze verknüpfen KI-generierte Antworten direkt mit den zugrunde liegenden Quelldokumenten. Das sorgt für maximale Transparenz und Nachvollziehbarkeit – essentiell in Unternehmensumgebungen, in denen Korrektheit und Informationssicherheit oberste Priorität haben. Fehlt eine valide Datenbasis, signalisiert das System dies klar und beugt gezielt dem Entstehen sogenannter „Halluzinationen“ vor. Die Bedienung erfolgt zudem intuitiv, indem über Chat-ähnliche Interfaces, die auf Knopfdruck Zusammenfassungen oder präzise Auszüge liefern.

Schritt 3: Wissen in Arbeitsprozesse integrieren - von der Suche zur Handlung

Der nächste logische Schritt in Richtung intelligenter Instandhaltung besteht darin, Wissen nicht nur bereitzustellen, sondern es wirksam in den Arbeitsalltag einzuführen. Informationen entfalten ihren vollen Wert erst dann, wenn sie genau dort verfügbar sind, wo sie im jeweiligen Prozess tatsächlich benötigt werden – kontextbezogen, punktgenau und ohne Umwege.
 
Genau hier setzen „Insight Journeys“ an: strukturierte Informationspfade, die reale Arbeitsprozesse digital begleiten. Diese können von der Störungserkennung bis zur Fehlerbehebung reichen. Entlang dieser „Datenreisen“ kommen kontextsensitive „Touchpoints“ zum Einsatz, also interaktive Berührungspunkte, die dynamisch die jeweils relevanten Inhalte ausspielen. Sie bieten etwa bei der Auswahl eines Bauteils sofort Zugriff auf zugehörige Handbücher, Wartungshistorien oder Ersatzteildaten, ohne den Arbeitsfluss zu unterbrechen. Diese Touchpoints sind der Schlüssel, um Wissen nicht nur verfügbar, sondern wirksam zu machen. Sie schaffen eine nahtlose Verbindung zwischen Information und Aktion und machen die Informationsbasis zu einem aktiven Bestandteil des täglichen Handelns.

Konkrete Anwendungsbeispiele

A. Interaktive Explosionszeichnungen, bei denen Techniker per Klick auf ein Bauteil sofort Zugriff auf relevante Informationen wie Handbücher, Wartungsverläufe oder Bestellnummern erhalten, inklusive direkter Bestellfunktion.

B. Proaktive Assistenz im Schichtbetrieb, bei der ein Mitarbeiter im Nachtdienst bei einer Störung unmittelbar die passenden Diagnosedaten erhält, um Ausfälle zu verhindern.

C. Dynamische Expertenidentifikation, bei der das System auf Basis der vernetzten Wissensbasis gezielt Kolleginnen und Kollegen mit passender Erfahrung vorschlägt.

Messbarer Mehrwert

Ein KI-basiertes Wissensmanagement erschließt wirtschaftlichen Nutzen, der sich klar beziffern lässt. Es bildet die Grundlage für intelligente Instandhaltungsprozesse, die nicht nur unternehmenskritisches Know-how bewahren – insbesondere angesichts des Fachkräftemangels –, sondern auch ungeplante Ausfallzeiten deutlich verringern. Gerade in Branchen, in denen jede Minute Stillstand hohe Kosten verursacht, zahlt sich das direkt in Form gesteigerter Produktivität und verbesserter Gesamtanlageneffektivität aus.

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Auf dem Bild ist der Autor Mario Matuschek zu sehen. Mario Matuschek ist AI Solution Manager bei Mindbreeze. Als Wirtschaftsinformatiker und KI-Experte bringt er umfassende Erfahrung aus Forschung, Produktentwicklung und Kundenberatung mit.
Autor Mario Matuschek ist AI Solution Manager bei Mindbreeze. Als Wirtschaftsinformatiker und KI-Experte bringt er umfassende Erfahrung aus Forschung, Produktentwicklung und Kundenberatung mit.
(Bild: Mindbreeze)

Die Fähigkeit, Informationen smart zu vernetzen, kontextbezogen auszuwerten und im richtigen Moment bereitzustellen, entwickelt sich zum strategischen Erfolgsfaktor. Sie unterstützt Fachkräfte gezielt, beschleunigt Entscheidungen und sichert die Betriebsfähigkeit nachhaltig selbst dann, wenn Erfahrungswissen fehlt oder schnell auf neue Situationen reagiert werden muss. Mit anderen Worten: Die digitale Transformation vom isolierten Datenspeicher zum proaktiven Wissenssystem erschließt nicht nur Effizienzpotenziale, sondern leistet einen wertvollen Beitrag zur langfristigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit.