Industrierobotik: Die Zeichen stehen auf Wachstum

Verantwortlicher Redakteur:in: Rainer Trummer 5 min Lesedauer

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Kenji Yamaguchi, Präsident und CEO von Fanuc ist überzeugt davon, dass die Automatisierung eine Antwort ist, wenn Fertigungsunternehmen nach Wegen suchen, ihre Position zu festigen und zukünftiges Wachstum zu sichern.

(Quelle:  Fanuc)
(Quelle: Fanuc)

Trotz aller Krisen sind die Aussichten für die Industrierobotik positiv.

Welche Auswirkungen hatten die jüngsten wirtschaftlichen und geopolitischen Krisen auf die Bereitschaft der Hersteller, in Automatisierung zu investieren?

Yamaguchi: Jede bedeutende Kapitalinvestition wird durch wirtschaftlichen Druck wie Inflation, Rezession, politische Umwälzungen und Energiepreiserhöhungen beeinträchtigt, und die Automatisierung ist da keine Ausnahme. Die Robotik-Branche stand schon früher vor Herausforderungen bei der Nachfrage, aber insgesamt ist der positive Trend zur Automatisierung in der Fertigung intakt, und sie wächst trotz der anhaltenden Schwierigkeiten weiter.

Trends in der Fertigung und Industrierobotik

Haben Sie als Reaktion auf diesen beispiellosen Druck irgendwelche Trends in der Fertigung bemerkt, die Sie vor, sagen wir, fünf Jahren nicht gesehen haben?

Yamaguchi: Als Folge der anhaltenden Lieferkettenprobleme seit ­Covid-19 gab es bei einigen Herstellern eine Bewegung zur Lokalisierung der Produktion. Der Hauptgrund für das Offshoring der Produktion, also die Produktionsverlagerung ins Ausland, waren zunächst die niedrigen Lohnkosten. Da die Produktion jedoch in weiter entwickelte Länder zurückverlagert wird, wo die Löhne höher sind und Arbeitskräfte schwerer zu rekrutieren sind, wenden sich die Unternehmen stattdessen der Automatisierung zu, um ihre Reshoring-Bemühungen (Unter­nehmen, die die Produktion in ihre Heimatländer zurückbringen) zu unterstützen. ­
Dies ist ein Trend, den wir derzeit bei Kunden in den USA und Europa beobachten.

Welcher ist international der wichtigste Markt für Fanuc?

Yamaguchi: Die USA, Europa, ­China und Asien sind wichtige Märkte für uns. Während China umsatzmäßig besonders bedeutend sein mag, ist der europäische Markt unverzichtbar, da es sich um den technologisch fortschrittlichsten Markt der Welt handelt.

Wie haben sich die Anforderungen des europäischen Marktes auf das globale Angebot von Fanuc ausgewirkt?

Yamaguchi: Die enge Zusammenarbeit mit unseren europäischen Kunden hat uns geholfen, technologisch sehr fortschrittliche Produkte zu entwickeln. Die Anforderungen unserer europäischen Kunden sind auch der Treiber für eines unserer wichtigsten Unterscheidungsmerkmale: die hohe Zuverlässigkeit. Unsere Produkte sind Investitionsgüter, und unsere Kunden in Europa erwarten eine lange Nutzungsdauer. Um diese Erwartungen zu erfüllen und langfristige Beziehungen aufrechtzuerhalten, entwickeln wir unsere Produkte so, dass sie zuverlässig, vorhersehbar und leicht zu reparieren sind. Dies ist für unsere europäischen Kunden von entscheidender Bedeutung, kommt aber letztendlich allen Fanuc-Kunden auf der ganzen Welt zugute.

(Kenji Yamaguchi ist Präsident und CEO von Fanuc. Bild: Fanuc)
(Kenji Yamaguchi ist Präsident und CEO von Fanuc. Bild: Fanuc)

Roboter für alle Bedürfnisse

In welchen Branchen kommen die ­Roboter Ihres Unternehmens am häufigsten zum Einsatz?

Yamaguchi: Auf der ganzen Welt sehen wir, dass unsere Roboter in vielen spannenden Branchen eingesetzt werden. Neben traditionellen Branchen wie der Zerspanungs- und Automobilindustrie kommen sie zunehmend auch in den Bereichen Logistik, Lebensmittel, Luft- und Raumfahrt, Bauwesen und EV-Anwendungen (Elektrofahrzeuge) zum Einsatz.

Wie hat Fanuc auf den Trend zu kollaborativen Robotern (Cobots) reagiert?

Yamaguchi: Cobots sind eine spannende Innovation und ein Bereich, in dem wir uns eines schnellen Wachstums erfreuen. Unsere Cobots genießen auf dem Markt ein hohes Ansehen aufgrund ihres breiten Anwendungsspektrums, ihrer einfachen Bedienung und ihrer hohen Zuverlässigkeit. Unsere CRX-Cobot-Serie ist beispielsweise mit einer achtjährigen wartungsfreien Funktionalität ausgestattet. Sie sind einfach zu bedienen, selbst für Anfänger, was entscheidend ist, wenn wir eine noch stärkere Einführung der Industrierobotik und der Automatisierung in allen Facetten der Fertigung fördern wollen.

Sehen Sie eine steigende Nachfrage nach Cobots, die in naher Zukunft sogar Industrieroboter übertreffen könnte?

Yamaguchi: Zwar sind Cobots einfach zu bedienen und sehr zuverlässig, sie sind aber nicht überall dort die Lösung, wo eine Automatisierung erforderlich ist. Eine der Einschränkungen eines Cobots ist das Gewicht, das er handhaben kann. Unser stärkster Cobot hat eine Nutzlast von 35 Kilogramm, während unser größter Roboter 2,3 Tonnen handhaben kann. Mit zunehmender Nutzlast wird die benötigte Technik komplizierter, und je schwerer das zu handhabende Produkt ist, desto größer ist natürlich auch das Sicherheitsrisiko.

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Als einfach zu bedienende, kollaborative, meist unbewachte Automatisierungs­lösung sind Cobots in vielen Anwendungen ideal. Da sie jedoch nicht für schwere Aufgaben geeignet sind, wird es immer einen Platz für Industrieroboter geben. Aus diesem Grund gehen wir davon aus, dass das Volumen der von uns installierten Industrieroboter weiterhin höher bleiben wird als das der Cobots.

Industrierobotik: KI für den perfekten Service

Rechnen Sie auch mit einer steigenden Nachfrage nach Servicerobotern?

Yamaguchi: Fanuc ist auf Industrieroboter spezialisiert, und wir haben keine Pläne, uns auf Service- oder medizinische Roboter auszudehnen. Unser Fokus liegt fest darauf, unsere starke Position in der Fabrikautomation zu behaupten.

Wie wichtig ist künstliche Intelligenz in den Automatisierungslösungen von Fanuc?

Yamaguchi: Ein Schwerpunkt liegt bei unseren industriellen Automatisierungslösungen und bei unserem Cobot-Sortiment auf dem Einsatz von KI- und IoT-Technologie zur Unterstützung bei komplizierteren Aufgaben. Indem wir uns auf diese Weise auf KI verlassen, können wir sicherstellen, dass unsere Systeme für unsere Kunden einfach zu bedienen sind, was einer unserer Kernwerte bei der Industrierobotik ist.

Seit der Pandemie ist fast jede Branche von globalen Herausforderungen in der Lieferkette betroffen. Wie hat sich dies auf Ihr Unternehmen ausgewirkt und was tun Sie, um Störungen für Ihre Kunden zu minimieren?

Yamaguchi: Ein Erbe der Pandemie, mit dem wir immer noch zu kämpfen haben, ist sicherlich die Unterbrechung unserer Lieferketten. In dieser Hinsicht sind wir nicht allein. Wir sind uns der Auswirkungen bewusst, welche die derzeit langen Vorlaufzeiten auf unsere Kunden haben, und als Unternehmen arbeiten wir hart daran, elektrische und mechanische Teile zu beschaffen, um sicherzustellen, dass wir unsere Produkte weiterhin wie vereinbart an Kunden liefern können. Dies hat für uns hohe Priorität, und wir haben eine Reihe von Strategien, um Störungen zu minimieren, wo wir können, zum Beispiel dem Kauf von Teilen zu einem höheren Preis, um unsere Produktion am Laufen zu halten. Oder gelegentliche Änderungen unseres Designs, um Teile zu verwenden, die schneller erhältlich sind.

Wie optimistisch sehen Sie die Zukunft der industriellen Automatisierung in einer Zeit, in der weltweit noch immer viel ­Unsicherheit herrscht?

Yamaguchi: Auch wenn die globale Wirtschaftslage derzeit ungewiss sein mag, bleibt die Nachfrage nach industrieller Automatisierung von Fanuc in allen Fertigungssektoren und in allen Gebieten hoch. Unterstützt durch Innovationen wie Cobots und KI-Technologie bieten die heutigen Industrieroboter ein hohes Maß an Zuverlässigkeit in Kombination mit Benutzerfreundlichkeit. Automatisierung ist der bewährte Weg zum Fertigungserfolg, um die Produktivitätsraten zu steigern, eine konsistente Produktion zu gewährleisten, Arbeitskräftemangel abzumildern und die Betriebskosten zu senken.

Herr Yamaguchi, vielen Dank für das Gespräch.

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