Der Markt für Fleet Manager, die bei automatisierten beziehungsweise autonomen Robotern zum Einsatz kommen, wächst stetig. Auch SAP bietet nun für seine Extended-Warehouse-Management-Software das Add-On Warehouse Robotics an. Christian Zerbes, Teamlead AGV bei der Flexus AG, erläutert im Interview die Vorteile des Add-On.
Über das AGV-Hub können alle Fahrzeuge, die über eine VDA5050-Schnittstelle verfügen, gekoppelt werden.
(Bild: Bartek/Adobe Stock)
SAP hat die Software Extended Warehouse Management (EWM) um das Add-On Warehouse Robotics erweitert. Herr Zerbes, können Sie erklären, welche Vorteile dieses Fleet Manager Add-On hat und ob sich der Umstieg lohnt?
Christian Zerbes: Das Add-on von SAP hat den großen Vorteil, dass es direkt in EWM integriert ist. Kunden benötigen hier also keine zusätzliche Software. Der Nachteil ist aber, dass das Add-On Warehouse Robotics nicht VDA5050 kompatibel ist, sondern nur mithilfe eines Frameworks über herstellerspezifische Schnittstellen kommuniziert. Zudem können mit dem Add-On nur Lageraufgaben im EWM wiedergegeben werden. Stand heute ist es beispielsweise nicht möglich, manuelle Fahraufträge aus der Produktion oder aus dem bisherigen Warehouse Management anzulegen. Aus unserer Sicht lohnt sich der Umstieg zurzeit also nicht, weil der Funktionsumfang nicht ausreicht, um gegen bestehende Flottenmanagement-Systeme anzukommen.
Fleet Manager von Flexus: Enormes Potenzial
Die Flexus AG hat mit dem AGV-Hub eine Lösung entwickelt, die genau hier mit enormem Potenzial ansetzt. Können Sie uns hierzu einen Einblick geben?
Zerbes: Grundsätzlich ist unser AGV-Hub auch ein SAP Add-On. Der größte Vorteil ist, dass wir herstellerunabhängig arbeiten und über die Standardschnittstelle VDA5050 viele Hersteller ohne großen Mehraufwand anbinden können. Durch die VDA5050-Kompatibilität werden Entwicklungskosten sowie -zeit eingespart. Darüber hinaus können wir mit dem AGV-Hub nicht nur Lageraufgaben im EWM bearbeiten, sondern auch alle anderen SAP-Module wie WM, MM oder PP bedienen sowie manuelle Fahraufträge anlegen. Zudem können diese Aufträge gesplittet und so von unterschiedlichen Ressourcen wie Staplern, Routenzügen und AGVs hy-brid bearbeitet werden. Weitere klassische Aufgaben wie das Batterie- und Verkehrsmanagement und eine Übersicht über alle Fahrzeuge im Lager in einer 2D-Karte sind natürlich auch integriert.
Nun stellt sich die Frage, wieso das AGV-Hub von Flexus nur auf der SAP Business Technology Platform lauffähig ist?
Zerbes: Hierzu haben wir uns bewusst entschieden, um im Kontext von SAP zu bleiben. So können unsere Kunden zusätzlich zu anderen Add-Ons von SAP auch das AGV-Hub integrieren.
Das klingt einleuchtend. Welche Arten von Fahrzeugen können gesteuert werden und welchen Einfluss hat die Fleet Manager Anbindung via VDA5050 darauf?
Zerbes: Wir können alle Fahrzeuge herstellerunabhängig an unser AGV-Hub koppeln, die über eine VDA5050-Schnittstelle verfügen. Hierzu zählen beispielsweise Unterfahrzeuge, Gabelfahrzeuge oder Fahrzeuge mit einem oder mehreren Behältern. Zudem ist es möglich, AGVs, die nicht VDA5050 kompatibel sind, über Vendor-Konnektoren anzubinden. Bisher haben wir dies bei den autonomen Transportfahrzeugen von MiR und Agilox umgesetzt.
Dies ist eine gute Nachricht für alle, die von der Norm abweichende Fahrzeuge benötigen. Die Synchronisation bei der Nutzung verschiedener Fahrzeugtypen ist ja nach wie vor eine Herausforderung. Wie funktioniert hier das hybride Flottenmanagement mit manuellen Fahrzeugen?
Zerbes: Das AGV-Hub basiert auf unserem FlexGuide TLS für SAP ERP und S/4HANA. Die Fahraufträge werden entsprechend der Kriterien angelegt und – wenn notwendig – auch hybride Fahrten erstellt. Über das TLS werden die Aufträge dann an die verschiedenen Ressourcen verteilt, wodurch für einen Fahrauftrag Stapler, AGVs und Routenzüge unterwegs sein können, die verschiedene Bereiche im Lager abdecken.
Die optimale Route dank Fleet Manager
Können Sie die Vorteile in Bezug auf Fahrzeugortung und auf die Optimierung von Routen näher erläutern?
Zerbes: Da AGVs Roboter sind, verfügen sie von vornherein über Sensoren, um sich im Raum orientieren zu können, wodurch die Live-Koordinaten leicht zu ermitteln sind. Bei manuellen Fahrzeugen hat man oft nur eine letzte bekannte Position, weiß aber meist, wohin zum Beispiel der Staplerfahrer navigieren möchte. Hier besteht die Möglichkeit, manuelle Fahrzeuge über Ortungstechnologien wie Laser oder Funk an das AGV-Hub anzubinden und so ein hybrides Verkehrsmanagement zu gewährleisten.
Christian Zerbes Teamlead AGV und SAP Senior Consultant bei der Flexus AG
Bildquelle: Flexus
Welche Vorteile bietet das AGV-Hub im Vergleich zu SAP Warehouse Robotics?
Zerbes: Fahraufträge können sowohl für manuelle als auch fahrerlose Fahrzeuge angelegt werden. Diese werden dann je nach Layout, Gewicht und mehr entsprechend verteilt. Neu ist, dass im FlexGuide TLS eine Optimierung von Fahraufträgen und Routen geschieht. So werden Leerfahrten effizient minimiert und Fälligkeiten eingehalten. Jene Algorithmen können beispielsweise auch für die Tourenberechnung von Routenzügen genutzt werden, um die Effizienz der gesamten Flotte zu erhöhen.
Stand: 16.12.2025
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Welchen Einfluss hat das FlexGuide TLS auf die Effizienzsteigerung und dynamische Optimierung der Fahraufträge?
Zerbes: Die Kosteneffizienz ist sehr wichtig, dennoch spielen auch Kriterien wie rechtzeitig abgearbeitete Aufträge und die Einhaltung von Qualitätsstandards eine große Rolle. Durch eine bessere Auslastung entstehen insgesamt weniger Fahrten, was wiederum Kosten einspart. Bei weniger Fahrten entstehen außerdem weniger Verkehrssituationen im Lager, die Probleme auslösen können wie längere Wartezeiten an Kreuzungen oder Staus an Lagereinheiten. Um geeignete Parameter für diese Prioritätensteuerung zu finden, können mit Simulationen unterschiedliche Szenarien durchgespielt werden. Anhand verschiedener KPIs kann man dann erkennen, wo sich zum Beispiel Leerfahrten oder Wartesituationen vermeiden lassen.
AGV auf dem Vormarsch
Wieso ist gerade der Markt für AGVs so stark am Wachsen?
Zerbes: Die Logistik muss immer effizienter werden, daher liegt die Lösung im Einsatz von AGVs. Denn dadurch lassen sich Personalkosten einsparen und ein Vollschichtbetrieb gewährleisten. Zudem wird es immer schwerer, Personal für logistische Tätigkeiten zu finden, wodurch AGVs als Ausweichlösung aufgrund des Fachkräftemangels dienen können. Außerdem können fahrerlose Transportfahrzeuge in Gefahrenbereichen des Lagers eingesetzt werden und so die Gesundheit der Mitarbeiter schonen.
Wie sehen die von Flexus speziell für dieses Szenario entwickelten Lösungen zukünftig aus?
Zerbes: Das AGV-Hub wird laufend weiterentwickelt. Eine Idee ist unter anderem, die Gebäudesteuerung ins Flexus AGV-Hub zu integrieren, um auch Brandschutz- und Signalanlagen hierüber steuern zu können. Zudem ist es unser Ziel, immer mehr Hersteller anzubinden und sie als Partner für gemeinsame Projekte zu gewinnen. Außerdem sollen immer mehr Simulationen angeboten werden, damit im besten Fall alle möglichen Szenarien im Lager abgedeckt sind.
Das Flexus AGV-Hub erleichtert also nicht nur die Prozesse im Lager, sondern spart neben Leerfahrten auch Kosten und schont im besten Fall die Mitarbeitenden. Dieses dynamisch wachsende Produkt geht auf jeden Fall über die Funktionen der SAP Warehouse Robotics hinaus und ist deshalb die perfekte Alternative für alle Unternehmen, die AGVs in ihrem Lager integrieren möchten.