Wartung und Instandhaltung Fernzugriff: Wie Mahle von der neuen Lösung profitiert

Von Mehdi Cheikh Rouhou, Sales Development Manager Automotive, und Alexander Freimüller, Senior Promotor for Industrial Communication, bei Siemens Digital Industries 6 min Lesedauer

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Als Teil einer langfristigen Digitalisierungsstrategie, die zu einer effizienteren Wartung und Inbetriebnahme der Anlagen beitragen soll, führt Mahle derzeit eine neue Lösung für den Fernzugriff von Siemens ein. Sie beschert nicht nur bessere Zahlen, sondern auch eine neue Art des Arbeitens.

Mahle unterhält unter anderem einen Produktionsstandort in Mühlacker.(Bild: Siemens Digital Industries)
Mahle unterhält unter anderem einen Produktionsstandort in Mühlacker.
(Bild: Siemens Digital Industries)

Die Idee zu dieser Fernzugriffslösung entstand am Standort von Mahle in Mühlacker, dem größten deutschen Produktionsstandort des Geschäftsbereichs Thermomanagement. Das Team in Mühlacker wollte die bestehende, allerdings inzwischen veraltete Fernzugriffslösung durch einen standardisierten Ansatz ersetzen, der den neuesten Anforderungen an Cybersecurity und Zutrittskontrolle entspricht. Yann Kovacs, Global Service Delivery Manager für IT bei Mahle, erläutert: „Ursprünglich war das Projekt eher als Proof of Concept gedacht, und wir erwarteten, dass wir es erst nach einiger Zeit einführen würden. Aber dann kam die Corona.“ 

Der Zugriff wird mit Simea Remote Connect verwaltet. Das Standardwerkzeug hilft Mahle auch, die neue Lösung sehr kostengünstig einzusetzen.
(Bild: Siemens Digital Industries)

Die Einschränkungen in der Pandemie führten dazu, dass die Mitarbeiter für Service, Wartung und Inbetriebnahme plötzlich nicht mehr reisen konnten. Aber als Hersteller benötigte Mahle dringend eine Lösung, um den reibungslosen Betrieb einschließlich der Inbetriebnahme neuer Anlagen zu gewährleisten. Die Pandemie hatte das Team in Mühlacker in eine völlig neue Lage gebracht, berichtet Yann Kovacs: „Plötzlich bekam das Projekt viel mehr Aufmerksamkeit, und wir hatten mehrere Anfragen von anderen Standorten, um auch die dortigen Maschinen zu verbinden.“ Innerhalb weniger Wochen wurde aus diesem lokalen Projekt eine globale Angelegenheit, und glücklicherweise war die Lösung bereits voll funktionsfähig. „Wir arbeiteten natürlich noch an der Dokumentation, aber aus technischer Sicht war alles fertig und funktionierte.“  

Vernetzung von Know-how und Mitarbeitern

Ein wesentlicher Bestandteil für den Erfolg des Projekts war laut Yann Kovacs die gute Zusammenarbeit zwischen IT und Operational Technology (OT), zwischen den verschiedenen Standorten, aber auch zwischen dem Projektteam bei Mahle und dem Technologielieferanten Siemens: „Während wir die erste Lösung mit Blick auf den Standort Mühlacker entwickelt haben, haben wir sie als Standardservice für alle unsere Werke konzipiert. Wir hatten das IT- und Automatisierungsteam in Mühlacker an Bord, also hatten wir sowohl die IT- als auch die Business-Perspektive im Team. Und wir hatten mit Siemens einen sehr kompetenten Partner an der Seite.“  Seitdem wurden 135 Maschinen an die neue Lösung angebunden und 160 Nutzer sind auf den vier Servern in Europa, Amerika und dem asiatisch-pazifischen Raum registriert. „Und die Rückmeldungen, die wir von diesen Nutzern erhalten, sind sehr positiv. Die Lösung ist einfach einzurichten, einfach zu bedienen und funktioniert einwandfrei – was will man mehr“, bestätigt Yann Kovacs.  

Eine Standardlösung für den globalen Einsatz

Die neue Lösung ist äußerst einfach zu implementieren: Jede Maschine ist mit einer Scalance SC600 Industrial Security Appliance ausgestattet, die sowohl die Maschine als auch das Netzwerk sicher isoliert. Diese Netzwerksegmentierung, Teil des Industrial-Security-Konzepts „Defense-in-Depth“ von Siemens, schützt das Automatisierungsnetzwerk vor Cyberbedrohungen und ermöglicht gleichzeitig eine zuverlässige Datenübertragung von und zur IT-Ebene. Die Security Appliances verbinden sich mit der Verwaltungsplattform Sinema Remote Connect für die Überwachung von Verbindungen und die Benutzerverwaltung.  

Auf der Fertigungsebene aktiviert der Bediener den Fernzugriff über einen Schlüsselschalter. Die schlanke, industrietaugliche Lösung hat nicht nur ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, wie Yann Kovacs bestätigt, sondern ist auch sehr anpassungsfähig: „Derzeit betreibt Mahle weltweit fast 150 Produktionsstandorte. Alle diese Standorte haben ihre eigenen Systeme und ihre eigene Geschichte, und mit der Lösung von Siemens können wir praktisch jede Maschine an die neuen Server anschließen. Durch diese Server verfügen wir über ein Standardwerkzeug zur Verwaltung des Systems, mit dem wir diese Lösung kostengünstig umsetzen können“, ergänzt Sascha Schönfeld, Leiter Digitalisierung Fertigung bei Mahle.  

Lösung für Fernzugriff gehört zum Arbeitsalltag

Jede Maschine ist mit einer Scalance S Industrial Security Appliance ausgestattet, die sowohl die Maschine als auch das Netzwerk sicher isoliert.
(Bild: Siemens Digital Industries)

Innerhalb weniger Monate nach der schnellen Einführung während der Pandemie musste sich die neue Lösung bewähren. Zwei Linien standen zur Inbetriebnahme bereit. Da es keine Möglichkeit gab, zu den jeweiligen Standorten in Asien und Nordamerika zu reisen, musste das Team in Stuttgart die Kollegen aus der Ferne unterstützen – und das funktionierte mit dem neuen System sehr gut, wie Sascha Schönfeld berichtet: „Ehrlich gesagt, war das der einzige Weg, wie wir dieses Ziel während der Corona-Zeit erreichen konnten.“  

Seitdem gehört die neue Lösung für alle Standorte, die sie bereits implementiert haben, zum Arbeitsalltag. In den meisten Fällen müssen sowohl das interne als auch das externe Support-Team nicht mehr reisen, um Probleme zu beheben. „Das spart natürlich Reisekosten und reduziert den CO2-Fußabdruck unseres Betriebs – doch der Hauptvorteil ist, dass die Servicezeiten drastisch verkürzt werden“, berichtet Schönfeld. In der Vergangenheit musste das Bedienpersonal vor Ort teilweise bis zu zwei Tage auf das Eintreffen eines Servicetechnikers warten – eine Verzögerung, die im schlimmsten Fall zu mehrtägigen Ausfallzeiten und erheblichen Produktionsausfällen führen konnte. Jetzt müssen die Bediener nur noch den Servicepartner kontaktieren, den Zugang zur Maschine freischalten und schon erhalten sie innerhalb einer halben Stunde den benötigten Support.  

Und selbst wenn das Problem eine Anreise erfordert, zum Beispiel wegen eines mechanischen Defekts, kann sich der Servicetechniker besser auf den Einsatz am Ort des Geschehens vorbereiten (damit zum Beispiel alle Ersatzteile zur Verfügung stehen). Die Lösung hilft auch, Zeit auf lokaler Ebene zu sparen. Die Wartungsteams vor Ort können jetzt viele Probleme von ihrem Büro aus beheben, wie Yann Kovacs erläutert: „Einige unserer Standorte sind ziemlich weitläufig, und es kann einige Zeit dauern, von A nach B zu gelangen. Die Einsparungen sind also erheblich, auch wenn sie schwer zu berechnen sind.“  

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Eine neue Art des Arbeitens

Zu konkreten Einsparungen ergänzt Sascha Schönfeld, dass Mahle zunächst berechnen wollte, wie viel effizienter die Wartung durch das neue System geworden ist. Man erkannte aber schnell, dass es nicht der richtige Weg war, nur die Effizienz zu messen, um den Nutzen der neuen Lösung zu bewerten: „Als wir uns die Zahlen ansahen, fanden wir heraus, dass die Menschen jetzt anders arbeiten als früher.“  

Laut Schönfeld senkt die Möglichkeit der Fernwartung die Hürde, Unterstützung in Anspruch zu nehmen: „Wenn unsere Wartungsteams vor Ort zum Beispiel etwas bemerken, setzen sie sich jetzt mit dem externen Service in Verbindung und bitten die Serviceleute, sich anzusehen, was ihrer Meinung nach mit der Maschine nicht stimmt.“ Im Laufe der Zeit werden diese kleineren Optimierungen zu einer besseren Gesamtproduktivität beitragen, indem sie die Maschinenleistung optimieren und Probleme beseitigen, bevor sie kritisch werden.  

Strategischer Vorteil für die Digitalisierung

Mit diesen offensichtlichen Vorteilen freuen sich Sascha Schönfeld und Yann Kovacs darauf, weitere Maschinen und Standorte in die neue Lösung zu integrieren. Der Einsatz von Scalance und Sinema Remote Connect ist bereits für alle an Mahle gelieferten Neumaschinen verpflichtend, und alle Standorte können die Integration ihrer bestehenden Anlagen beantragen.  „Wir haben jetzt eine bewährte Lösung mit bewährter Technologie und einem globalen Netzwerk von Ersatzteilen und Support, auf die wir uns verlassen können. Außerdem ist das System offen, so dass es mit vielen verschiedenen Netzwerken und Systemen zusammenarbeiten kann, aber dennoch effizient für die IT verwaltet werden kann“, sagt Yann Kovacs.  

Diese offene Lösung ist auch aus einem anderen Grund wichtig, berichtet Schönfeld: „Die Fertigungsindustrie erlebt derzeit einen Talentmangel auf allen Ebenen. Es gibt einfach nicht genug Spezialisten, um offene Stellen zu besetzen. Es gibt auch generell nicht genügend qualifiziertes Personal für die Fertigung. Die Frage ist also, wie können wir die Arbeit weiterhin erledigen? Dafür brauchen wir die Digitalisierung. Ein sicherer Fernzugriff ist eine praktische Lösung zur Unterstützung der Wartung. Der Fernzugriff erleichtert unseren Teams das Leben und hilft uns, als Unternehmen Zeit und Geld zu sparen – und unterstützt die digitale Transformation bei Mahle.“