Kugelzapfen gehören zu den sicherheitskritischen Pkw-Bauteilen, die mikrometergenau gefertigt werden müssen. Deshalb durchlaufen alle Bauteile der Reihe VST 50 von EMAG eine umfassende Messung.
Auf der rechten Seite des Kreuzschlittens befinden sich die Werkzeuge für die Bearbeitung des Halses. Auf der linken Seite sind die Werkzeuge für die Bearbeitung der Kugel angebracht.
(Bild: EMAG)
Ob im Bereich von Lenkung oder im Fahrwerk – Kugelgelenke sind in unseren Pkws unverzichtbar. Sie fungieren nicht nur als eine Art Drehpunkt zwischen verschiedenen Elementen, sondern sind zumeist auch ständig in Bewegung und dabei einer hohen physikalischen Belastung ausgesetzt. Vor diesem Hintergrund gehören die Kugelzapfen und Kugelhülsen zu den sicherheitskritischen Pkw-Bauteilen, die ausnahmslos mit einer hohen Oberflächenqualität und mikrometergenau die Produktion verlassen müssen – und das trotz hoher Stückzahlen und einem allgemeinen Kostendruck. Wie lässt sich diese Aufgabe besonders effizient und mit minimalen Span-zu-Span-Zeiten umsetzen? Mit einer neuen Maschine gibt EMAG darauf jetzt eine Antwort: Bei der VST 50 verlässt alle sieben Sekunden ein fertiger Kugelzapfen die Maschine, wobei jedes Bauteil eine außergewöhnlich umfassende Messung durchläuft.
Es ist eine neue Aufgabe für die süddeutschen Drehspezialisten – bislang gehörten Kugelzapfen nicht zu den typischen Automotive-Bauteilen, die eine Maschine durchliefen. Wie kam es also zu dieser Entwicklung? „Es geht um große Stückzahlen, spezielle Oberflächenanforderungen und niedrige Stückkosten. Diese Qualitäten stellen wir immer wieder für verschiedene Bauteile sicher“, erklärt Projektleiter und Entwicklungsingenieur Frank Haas von EMAG. „Insofern lag es auf der Hand, dass ein großer Kunde vor einiger Zeit mit dieser Aufgabe auf uns zukam. Die Frage war dabei vor allem, ob wir die Leistungswerte von vorhandenen Maschinen bei der Kugelzapfen-Produktion übertreffen können. Dies war der Startpunkt für die Entwicklung der VST 50.“
Der Grundaufbau der VST 50 beinhaltet zwei Werkstückspindeln (oben) und zwei Reitstöcke (unten).
(Bild: EMAG )
Das Ergebnis liegt nun bereits seit einiger Zeit vor: Die VST 50 verfügt einerseits über hochautomatisierte Prozesse, wobei unter anderem drei Roboter zum Einsatz kommen. Andererseits lässt sie sich mithilfe der EDNA Apps einfach bedienen, was im Übrigen auch diverse Messungen und die Roboter miteinschließt. Für die eigentliche Drehbearbeitung von Kugel und Hals des Kugelzapfens (nur um diese Bereiche geht es hier) gibt es zwei hängende Werkstückspindeln, die sich unabhängig voneinander verfahren lassen. Folglich wird immer eine Spindel be- und entladen, während die andere beim Bearbeitungsprozess im Einsatz ist. Der dazugehörige Werkzeug-Kreuzschlitten ist gewissermaßen zweigeteilt: Die Werkzeuge auf der linken Seite sind auf einer rotativen B-Achse montiert, die es ermöglicht, die Kugel präzise zu drehen und zu glätten. Zusätzlich kann der Kugeldurchmesser und die Kugelform mithilfe einer linearen U-Achse angepasst werden. Auf der rechten Seite sind spezielle Werkzeuge für die Halsbearbeitung angebracht.
Hochproduktive Beladung der Kugelzapfen
Für die Be- und Entladung dieser Konstruktion sorgen wiederum die drei Roboter, die sich parallel angeordnet vor der Maschine befinden, wobei jeder für einen anderen Teilprozess verantwortlich ist: Der linke Roboter übernimmt das Werkstückhandling zwischen der Übergabestation und der ersten Werkstückspindel. Der mittlere Roboter führt dieselbe Aufgabe an der zweiten Werkstückspindel aus, während der rechte Roboter das Werkstückhandling zwischen der Übergabestation und den äußeren Automationsbaugruppen übernimmt. Aber warum setzt man an dieser Stelle nicht auf einen Roboter, der diese drei Aufgaben abwechselnd ausführt? „Das wäre sicherlich möglich“, bestätigt Haas. „Allerdings würden wir so die extrem kurzen Taktzeiten nicht erreichen. Die verschiedenen Bewegungen werden teilweise zeitgleich ausgeführt. Unsere Lösung sorgt dafür, dass alle sieben Sekunden ein fertiges Werkstück die Maschine verlässt und die Span-zu-Span-Zeit unter zwei Sekunden beträgt.“
Umfassendes Ergebnis: Die Aufnahme des Lichtband-Mikrometers zeigt diverse Messwerte an.
(Bild: EMAG)
Rasantes Tempo und Präzision – vor diesem Hintergrund erklärt sich auch, warum die angesprochenen Roboter zusätzlich beim Werkzeugwechsel zum Einsatz kommen, wobei der Hersteller den gesamten Prozess gewissermaßen zweigeteilt hat. Da ist zum einen die Aufgabe des Bedieners: Er sieht auf dem zentralen Bedienpanel immer eine Vorhersage zum Werkzeugwechsel. Wenn er ein Werkzeug austauschen will, drückt er einfach eine Taste und das Werkzeugmagazin schwenkt für den Tausch nach außen. Wichtig dabei: Der Produktionsprozess wird währenddessen nicht unterbrochen. Nach dem Austausch schwenkt das Magazin zurück in seine Ausgangsposition. Der händische Prozess ist somit abgeschlossen und es folgt ein automatisierter Prozess im zweiten Schritt. Dazu legt der linke Roboter zunächst seinen Werkstückgreifer ab und nimmt einen Werkzeuggreifer auf. Anschließend entnimmt er das verschlissene Werkzeug aus dem Innenraum der Maschine und tauscht es gegen ein neues aus, das er aus dem angesprochenen Magazin entnimmt. Um die Prozessfähigkeit weiter zu steigern, ist jedes Werkzeug mit einem RFID-Chip codiert, damit die Werkzeugdaten entsprechend übertragen werden können. Der gesamte Werkzeugwechsel vollzieht sich dabei in weniger als 90 Sekunden.
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Qualitätskontrolle der Kugelzapfen: Lichtband-Mikrometer liefert viele Messwerte
Bleibt zuletzt ein Blick auf das Thema Prozesssicherheit als zentraler wirtschaftlicher Faktor bei einem Bauteil, das ohne jede Fehlertoleranz die Produktion verlassen muss. Hier setzt der Hersteller auf eine 100-Prozent-Lösung: Jedes Bauteil durchläuft ein Lichtband-Mikrometer, das die benötigten Messwerte in Sekundenbruchteilen ermittelt, wobei das Ergebnis sehr umfassend ist. Es werden der finale Kugel- und Halsdurchmesser bestimmt und zugleich etwaige Späne detektiert. Dazu kommt eine hochauflösende Prozesskamera, die sich unmittelbar vor den Ladeluken befindet. Ihr Live-Bild erscheint nach Knopfdruck auf dem Panel. Der Bediener kann somit einfach überprüfen, ob beispielsweise die Spänebildung eine Störung im Prozess verursacht.
Insgesamt ist diese Lösung sehr variabel, denn sie eignet sich grundsätzlich sowohl für kurze Kugelzapfen (Kugeldurchmesser 16 bis 40 Millimeter, Bauteillänge 50 bis 150 Millimeter) als auch für lange Kugelzapfen (Kugeldurchmesser 22 bis 35 Millimeter, Bauteillänge 150 bis 455 Millimeter). Zudem können Kugelhülsen mit ihr bearbeitet werden – und das alles mit dem angesprochenen enormen Tempo. Nach einer Schätzung des Unternehmens ist die VST 50 rund doppelt so schnell wie andere Produktionslösungen für dieses Bauteil, was natürlich auch für sinkende Stückkosten sorgt. So verlässt mit einem rasanten Tempo ein perfektes und vermessenes Bauteil die Maschine. Dabei ermöglichen die EDNA Apps immer eine weitgehend intuitive Bedienung. „Wir heben die Produktion des Kugelzapfens auf ein neues Niveau“, fasst Frank Haas das Ergebnis zusammen. „Vor diesem Hintergrund sind wir überzeugt davon, dass diese Maschine sehr positiv im Markt aufgenommen wird – übrigens auch von anderen Branchen, denn Kugelgelenke kommen ja nicht nur im Auto vor.“