Eine durchgängige ERP-Software liefert bei dem Stahlwasserbauspezialisten DSD Noell einen stets aktuellen Überblick über die Projektabwicklung. Zudem steuert das System die Fertigung und die Logistik.
ERP-Schützenhilfe: Bei der Instandsetzung der Donauschleuse „Eisernes Tor“ in Rumänien führt DSD Noell als Unterlieferant einige der anspruchsvollsten Teilarbeiten aus - darunter die Erneuerung der hydraulischen Antriebe und der elektrischen Steuerung.
(Bild: DSD Noell GmbH)
Die ausführungsreife Planung, Konstruktion und Inbetriebnahme von Stahlwasserbauausrüstungen für Schleusen, Wehranlagen, Staudämme, Wasserkraftanlagen, Schiffshebewerke, bewegliche Brücken und Fähranleger sind das angestammte Metier der Würzburger DSD Noell GmbH. Die 50 Mitarbeiter starke und überwiegend eigenständig agierende Stahlwasserbausparte gehört nach wechselnden Firmenzugehörigkeiten seit 2004 zur DSD Steel Group GmbH. Nach der Herauslösung aus einem früheren Konzernverbund stand die dort eingesetzte ERP-Lösung nicht mehr zur Verfügung. War diese Software aufgrund ihrer kaufmännischen Ausprägung für die Steuerung von Stahlwasserbaugroßprojekten schon nur sehr eingeschränkt einsetzbar, waren es die danach genutzten Insellösungen auf Excel-Basis noch viel weniger. Deshalb initiierten die Verantwortlichen ein ERP-Auswahlverfahren über das Beratungshaus Trovarit. Das Ziel: Ein integriertes System mit technischem Fokus sollte den jeweils aktuellen Stand der Auftragsabwicklung transparent abbilden. Mit der zusätzlichen logistischen Herausforderung, dass die Mainfranken sämtliche Teile fremdfertigen lassen. Die Entscheidung fiel auf das Multiprojektmanagement-System AMS.ERP, das speziell auf die Anforderungen der Losgröße 1+ zugeschnitten ist.
Gesucht: ERP-System mit technischem Fokus
Zwei zentrale Kriterien machen bei DSD Noell den technischen Fokus aus: zum einen die Durchgängigkeit in der Projektabwicklung über die Kernbereiche Konstruktion, Beschaffung, externe Fertigung und Versand hinweg, zum anderen die Berücksichtigung der Besonderheiten bei der Herstellung von Unikaten. Mit Unterstützung des ERP-Auswahlberatungshauses Trovarit gelangten sieben Systeme in eine Vorauswahl, aus der letztlich zwei potenziell geeignete hervorgingen. AMS.ERP machte schließlich das Rennen, weil es die Key User hinsichtlich Gesamtfunktionalität, Prozessabdeckung und Oberflächen-Design am meisten überzeugte. Mit Prozessdurchgängigkeit ist auch gemeint, dass die Übergabe der Stücklisten- und Zeichnungsinformationen an den Einkauf nicht mehr manuell auf Papier erfolgen sollte, sondern dass sie gleich den richtigen Bauteilen zugeordnet digital ins System gebracht werden sollten. Auf dieser Basis sollte die Software erstmals verlässliche Auskunft darüber geben, was bereits an Material bestellt worden war und was noch bestellt werden muss. Gerade vor dem Hintergrund der in der Einzelfertigung üblichen technischen Anpassungen im Projektverlauf ist dies laut dem ERP-Projektleiter Reinhold Seubert von höchster Relevanz, weil klar sein muss, ob Änderungen und Nachbesserungen überhaupt noch möglich sind oder ob eine Neubestellung erforderlich ist. „Alle diese Informationen waren ohne ERP-System nur sehr schwer zu erlangen, weil die nichtintegrierten Arbeitsweisen die Nachvollziehbarkeit in den Projekten verhinderten“, erinnert er sich.
Reinhold Seubert war dank des intensiven Austauschs mit den branchenerfahrenen AMS-Beratern schnell in der Lage, eigenständig nützliche Zusatzfunktionen zu aktivieren und Workflows zu gestalten. Die Nutzung dieser flexiblen Optionen von AMS.ERP führte allerdings nicht zu einer Abkehr vom Software-Standard. Im Gegenteil: „Bis auf einige Schnittstellenoptimierungen und kleinere Erweiterungen befinden wir uns sehr nahe am Standard“, sagt der Verantwortliche und ergänzt, dass bislang sämtliche Release-Wechsel ohne Unterbrechung des Tagesgeschäfts durchgeführt werden konnten. Der AMS-Standard passt demnach sehr gut für die Abbildung der Hauptprozesskette bei DSD Noell, die mit der Übergabe der CAD-Konstruktionsdaten beginnt. Die AMS-eigene Generic-Schnittstelle sorgt für den sauberen Import der Stücklistenpositionen aus dem PDM-System AutoCAD Vault in AMS.ERP. Da die Software die Artikel automatisch kumuliert, lassen sich direkt aus der CAD-Zeichnung heraus die Materialanforderungen generieren. Nach deren automatischen Weitergabe an den Einkauf folgt die Erstellung der Fremdarbeitsgänge und der Logistikzuordnungen. Dies ist ein wichtiger Punkt, weil nicht zwingend alle Teile einer Baugruppe zeitgleich zu den jeweiligen Fremdfertigern gehen. Stattdessen kann es sein, dass etwas hinzugekauft oder ein bestimmtes Teil von einem Dritten vorbearbeitet werden muss, bevor es zur Montage an den Endfertiger geht. „Bereits mit der Übergabe ins ERP-System wird klar festgelegt, bei welchen Teilen es sich um Kauf- und bei welchen es sich um Beistellteile handelt. Zudem werden die Arbeitsgänge bzw. die Arbeitspakete definiert“, beschreibt der ERP-Projektleiter den Vorgang.
Stand: 16.12.2025
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Zur Energieversorgung eines isländischen Aluminiumwerks plant, liefert und montiert DSD Noell zwei Druckrohrleitungen mit einer Gesamtlänge von 550 Metern und einem Gesamtgewicht von 4.600 Tonnen.
(Bild: DSD Noell GmbH)
Logistische Herausforderung gemeistert
In großen Stahlwasserbauprojekten sind Langläufer keine Seltenheit. Weil DSD Noell jedoch kein eigenes Lager besitzt, müssen Lagerflächen etliche Wochen im Vorhinein bei externen Dienstleistern bestellt werden. Außerdem ist bei der Auftragsannahme noch nicht abzusehen, wer das jeweilige Teil zu welchem Zeitpunkt fertigen kann. Trotzdem müssen sämtliche Bauteile zugeordnet, disponiert und logistisch abgewickelt werden. Diese Abwicklung erfolgt über AMS.ERP, das sämtliche Informationen zum aktuellen Materialbestand bereitstellt. Zusätzlich wurden Abruf-Dashboards generiert, die auf Basis der Arbeitsgangdaten definieren, welche Teile vom Lager zu welchem Fertiger gehen und welche direkt zur Baustelle geliefert werden. Die Teile, die zu einem Nachunternehmer versandt werden, laufen über Lieferscheine und Lieferantenbeistellungen, während solche Teile, die direkt zur Baustelle geliefert werden, über das ebenfalls ERP-interne Collierungs-Modul abgewickelt werden.
Bis auf einige Schnittstellenoptimierungen und kleinere Erweiterungen befinden wir uns sehr nahe am Standard.
Gerade in mehrmonatigen Großprojekten mit langen Bestellzyklen und sich ändernden technischen Anforderungen kommt es darauf an, auch kostenseitig stets den Überblick zu behalten. AMS.ERP bringt standardmäßig sämtliche Funktionalitäten für eine exakte mitlaufende Kalkulation mit. Unter Berücksichtigung aller Budget- und Solldaten haben die Verantwortlichen bei DSD Noell stets in Echtzeit Zugriff auf den Status ihrer laufenden Projekte. Wirtschaftliche Fehlentwicklungen in der Auftragsabwicklung, die sich im Rahmen der fertigungsbegleitenden Konstruktion ergeben können, werden auf diese Weise frühzeitig erkannt. Dank der breiten Datenbasis lassen sich die Projekte zudem genauestens nachkalkulieren. Um die in der Unikatherstellung üblichen technischen Anpassungen im Projektverlauf sauber abbilden zu können, bietet die Software die Funktionalität der wachsenden Stückliste. Darunter versteht man eine dynamische Produktstruktur, die sich analog zum Projektfortschritt mitentwickelt.
Guido Piech ist PR-Fachredakteur bei AMS.Solution.