Als Teil der Materna-cbs-Familie ist Trebing + Himstedt Systempartner für die digitale Transformation.
(Quelle: Michal Chmurski/Shutterstock)
Das Unternehmen hat sich auf die gesamten Wertschöpfungskette spezialisiert – von Geschäftsprozessen über Produktion bis zu Logistik und digitalen Service-Angeboten. Wir sprachen mit dem Managing Director Steffen Himstedt, auch über die digitale Supply Chain.
Steffen Himstedt: Das Jahr 2023 war definitiv ein spannendes Jahr, keine Frage. Bestehende Krisen und neue Krisen verunsichern den Markt, und natürlich spüren wir das. Doch die digitale Transformation der Wertschöpfungskette ist kein saisonales Geschäft, auf das man kurzfristig reagiert. Vielmehr stellen sich unsere Kunden durch die Digitalisierung resilienter und zukunftssicherer auf, da gibt es jede Menge zu tun. Darüber hinaus richten wir uns mit unserer neuen Mutter cbs auch selbst verstärkt auf die Wertschöpfungskette aus, auch da gibt es reichlich zu tun.
Trebing + Himstedt ist seit eineinhalb Jahren Teil von cbs. Wie hat sich die Übernahme auf Ihr Unternehmen ausgewirkt?
Himstedt: Zunächst einmal hat es sich positiv auf unsere Kunden ausgewirkt, und wir haben sehr viel Zustimmung für den Schritt bekommen. Die Herausforderungen, die vor uns stehen, lassen sich nicht im Manufacturing allein lösen, vielmehr bedarf es einer vernetzten und flexiblen Lösung für die komplette Wertschöpfungskette. Durch die neue Konstellation können wir endlich die gesamte Kette aus einer Hand beraten und umsetzen, also die Digitale Supply Chain mit Fokus auf Manufacturing. Da ergeben sich tolle neue Möglichkeiten.
Welche Vorteile bringt die Akquisition durch cbs für die Kunden von Trebing + Himstedt?
Himstedt: Unsere Vision ist die digitale Supply Chain, die effizient, flexibel und nachhaltig zugleich ist. Durch ihre Agilität ist der Kunde zukünftig besser gerüstet, um auf Veränderungen reagieren zu können. Das macht Unternehmen resilienter und zukunftssicherer. Wenn Architektur und Prozess vernetzt aufeinander abgestimmt sind, können Kunden datenbasiert ihre Prozesse optimieren. Transparente Echtzeit-Ist-Daten werden zukünftig helfen, die Planung KI-gestützt zu optimieren. Oder auch bei kurzfristigen Auftragsumplanungen wird das Lager das richtige Material in der richtigen Menge an der richtigen Linie bereitstellen können. Das wiederum optimiert die Durchlaufzeiten, um nur einige Beispiele zu nennen.
(Steffen Himstedt ist Managing Director bei Trebing + Himstedt. Bild: Trebing + Himstedt)
Zukunft der Produktion
Wie sieht für Sie die Zukunft der Produktion aus?
Himstedt: Vorhersagen sind immer schwierig, dennoch habe ich ein recht klares Bild vor Augen. Als erstes, es wird keine menschenleeren Fabriken geben – die sogenannten ‚Dark Factories‘ gibt es nur in der Theorie. Wir werden eine Kollaboration aus Werkern und Robotern in allen Formen sehen – gegebenenfalls auch Humanoide und AI-Apps. Die Fabrik und die Digitale Supply Chain insgesamt wird durchgängig digital vernetzt sein und sich automatisiert optimieren. Die Eigenschaften von Produktionssystemen werden weitgehend per Software definiert sein. Künstliche Intelligenz wird in vielen Prozessen, zum Beispiel bei der Planung oder der Logistikoptimierung, den Alltag bestimmen.
Welche Rolle spielen dabei Manufacturing-Lösungen aus der Cloud?
Himstedt: Eine große. Cloudbasierte Lösungen erobern nicht nur alle Bereiche des Alltags, sondern auch die Fabriken. Somit liegt das Ende von On-Premise-Lösungen auf der Hand. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Umstieg in ein cloud-basiertes MES-System ist deshalb von großer Bedeutung, um nicht vom Wettbewerb abgehängt zu werden. Mit dessen Hilfe lassen sich nämlich Prozesse im Sinne von Industrie 4.0 über Unternehmensgrenzen hinweg orchestrieren, ausführen und überwachen. Dadurch lässt sich eine flexible, kennzahlenbasierte und transparente Produktionssteuerung, eine effiziente Werkerführung sowie eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der Produkte (digitale Supply Chain) realisieren.
Wie sieht für produzierende Unternehmen der ideale Weg von On-Premise-Lösungen in die Cloud aus?
Stand: 16.12.2025
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Himstedt: Zunächst sollte ein Migrationskonzept erarbeitet werden. Als methodische Unterstützung bietet sich ein Migrations-Canvas an, welches die wichtigsten Bereiche berücksichtigt: Strategie, Betriebskonzept, technische Kernelemente sowie Organisation. So lassen sich alle relevanten Aspekte für die Migration systematisch erfassen, kritische Themen identifizieren und das weitere Vorgehen festlegen.
Welche Unterstützung können die Kunden dabei von Trebing + Himstedt erwarten?
Himstedt: Wir unterstützen unsere Kunden von der Strategie bis zur Umsetzung mit einem ganzen Set an Tools und Methoden, um den Umstieg möglichst schnell und zu geringen Kosten realisieren zu können. Zudem haben wir eine modulare Learning Journey konzipiert, um die Mitarbeiter auf die Cloud-Systeme zu schulen. Um den Austausch der Anwenderinnen und Anwender untereinander zu fördern, haben wir außerdem eine Community aufgebaut, bei der sich die Kunden auf direktem Wege über die Erfahrungen in Hinblick auf MES-Systeme und Migration austauschen können. Daraus ergeben sich großartige Synergien!
Kombination aus Edge- und Cloud-Computing
Welche Rolle spielt das Edge-Computing für eine smarte Produktion? Wie kann hier ein reibungsloses Zusammenspiel mit der Cloud aussehen?
Himstedt: Edge-Computing ist eine Technologie, die es ermöglicht, Daten in der Nähe der Quelle zu verarbeiten, anstatt sie an eine zentrale Cloud zu senden. Dies kann die Latenz verringern, Bandbreite einsparen und die Sicherheit erhöhen. Eine optimale Lösung für die smarte Produktion ist oft eine Kombination aus Edge- und Cloud-Computing, die sich je nach Anwendungsszenario anpassen lässt. So kann zum Beispiel für Echtzeitanwendungen ein Teil der Datenanalyse und -verarbeitung am Edge erfolgen, während ein anderer Teil in die Cloud übertragen wird, um von höherer Rechenleistung und Speicherkapazität zu profitieren. Um ein reibungsloses Zusammenspiel zu gewährleisten, sind Standards, Protokolle und Schnittstellen erforderlich, die eine nahtlose Kommunikation und Datenübertragung ermöglichen. Außerdem sind intelligente Algorithmen und Plattformen notwendig, die eine dynamische Verteilung der Ressourcen und Aufgaben zwischen Edge- und Cloud-Computing ermöglichen.
Welche Erwartungen haben Sie an das Jahr 2024?
Himstedt: Ich erwarte 2024 keine große Beruhigung der ‚Weltmeere‘, vermutlich auch 2025 noch nicht, doch gerade das macht es so spannend. Wie können wir gemeinsam mit cbs helfen, die Wertschöpfungsketten der produzierenden europäischen Weltmarktführer resilienter zu machen? Wie können Cloud und KI helfen, sich zukunftssicherer aufzustellen? Vor allem im Bereich KI erwarte ich 2024 konkrete Anwendungsfälle für die Produktion. Es bleibt also spannend, da bin ich mir sicher.
Die Fragen stellte Rainer Trummer, Chefredakteur Digital Manufacturing.