Das Wartungsende für SAP ME und SAP MII kommt 2030. Fertigungsunternehmen können und sollten sich aber bereits jetzt auf die Ablösung und ihr künftiges Cloud-MES vorbereiten. Denn die digitale Transformation bleibt der entscheidende Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit und für nachhaltiges Wirtschaften.
Die digitale Transformation ist der entscheidende Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltiges Wirtschaften.
(Bild: Manyapha/AdobeStock)
Traditionelle MES-Systeme stoßen seit Jahren bei Flexibilität und Skalierbarkeit an ihre Grenzen. Der Druck wächst, Produktionsprozesse zu modernisieren und effizienter zu gestalten. Das spüren Produktionsleitung und Management in vielen Unternehmen. Gefragt sind höhere Produktivität, schnellere Reaktionszeiten, bessere Datenanalysen – und das alles gebündelt in kosteneffizienten IT-Lösungen.
Damit rückt die Migration zu einem integrierten Cloud-MES mit verbesserten Analytics-Möglichkeiten in den Fokus. Mit SAP Digital Manufacturing (SAP DM) könnte dieser Wechsel zur Chance werden: Die SaaS-Lösung verspricht eine gesteigerte Fertigungsleistung, unter anderem durch:
nahtlose Integration mit bestehenden Anlagen und SAP S/4HANA
intuitive, nutzerfreundliche Bedienung
umfangreiche, vorkonfigurierte Funktionen, zum Beispiel für Analytics mit KI-Unterstützung
modulare Microservices, die für Flexibilität sorgen
den Production Process Designer, der Anwendern erlaubt, Prozesse ohne Programmierkenntnisse zu entwerfen und zu erweitern
In ersten Projekten bestätigen die Anwender den Mehrwert des neuen Cloud-MES. Vor dem produktiven Einsatz stehen aber die Phasen Assessment und Implementierung. In Workshops zeigte sich unter anderem, dass eine schrittweise Transformation und Ablöse von SAP ME/MII zu empfehlen ist. Dabei wurden die vier Erkenntnisse aus der Transformationspraxis gewonnen.
1. Lösungsauswahl und Assessment bleiben wichtig
Ein ausführliches Assessment und eine detaillierte Analyse der Prozesse und Systemlandschaft sind unabdingbar, denn SAP DM ersetzt nicht pauschal SAP Manufacturing Execution (ME) und SAP Manufacturing Integration and Intelligence (MII). Wenn beispielsweise bislang SAP MII nur als Integrationsplattform und Schnittstelle zu anderen Systemen im Einsatz war, dann sind in der Regel Plattformen wie SAP Business Technology (BTP) und Komponenten der SAP Integration Suite geeignete Alternativen.
Hat das Unternehmen SAP ME im Einsatz, lohnt sich ein erster Blick auf SAP DM (ähnliche Terminologie, Lösungsansätze, Funktionsweise) und das SAP-Gesamtportfolio, bevor ein intensives MES-Auswahlverfahren in Betracht gezogen wird.
Zunächst wird eine Use-Case-Analyse benötigt, die spezifische Anwendungsfälle eines Unternehmens identifiziert. Nur das garantiert, dass es von den typischen und individuellen Vorteilen einer Transformation profitieren kann.
Zur Analyse gehört auch eine ganzheitliche Betrachtung des Shopfloors, einschließlich der Use Cases der integrierten Logistik und Digital Supply Chain – und damit auch der benötigten 3rd-Party-Schnittstellen für die Interaktion mit weiteren Anwendungen und Systemen. Deren große Zahl wird erst deutlich, wenn man die gesamte vertikale (Topfloor-to-Shopfloor) und horizontale Integration (Design-to-Deliver) in den Blick nimmt.
2. Ballast sollte man loswerden
Neben dem Thema „Fit-to-DM“ ist auch „Fit-to-Standard“ wichtig: Im Rahmen der Analyse und Transformation besteht für Unternehmen die Chance, zum Standard zurückzugehen, das heißt, eine sukzessive Ablöse der Eigenentwicklungen und die Nutzung von SAP Best Practices. Dieses Vorgehen reduziert die Komplexität, macht das SAP-System benutzerfreundlicher sowie schneller, und es behält die Wartbarkeit sowie Update-Fähigkeit. Vor dieser Entscheidung müssen sich Unternehmen aber mit ihren bestehenden Prozessen auseinandersetzen: Inwiefern kann der SAP-Standard die individuellen Programmierungen ersetzen? Muss der Prozess neu designt werden? Die Erfahrung zeigt: Eine derartige Transformation ist der beste Zeitpunkt, um Prozesse zu konsolidieren und Komplexität abzubauen. Das hohe Maß an Change-Management resultiert in langfristigen Benefits.
3. Cloud-MES: Es gibt keinen Standardweg für die Migration
Das Vorgehen zur Ablöse von SAP ME und SAP MII ist individuell. Jedes Unternehmen braucht eine differenzierte Betrachtung und ein (externes) Assessment, auf dem eine individuelle Transformations-Roadmap basiert. Die gute Nachricht: Es gibt flexible und hybride Implementierungsstrategien. Vor dem vollständigen Wechsel auf SAP DM haben Unternehmen die Möglichkeit, einzelne Use Cases in die SAP BTP auszulagern. Dieser Ansatz bietet den Vorteil, dass Unternehmen wertvolle Erfahrungen sammeln und praktische Einblicke in die Nutzung und die Möglichkeiten der Plattform gewinnen können.
SAP DM hilft Unternehmen dabei, Produktion und Management ideal miteinander zu vernetzen.
(Bild: Malika/AdobeStock)
Indem sie schrittweise vorgehen, können Unternehmen potenzielle Herausforderungen frühzeitig erkennen und lösen, was zu einer reibungsloseren und effektiveren Migration führt. Sobald diese erste Hürde genommen ist, und das Unternehmen ein besseres Verständnis und Vertrauen in die neue Technologie entwickelt hat, kann der nächste Schritt erfolgen – die umfassende Ablösung der bisherigen Systeme durch SAP DM. In einer Einführungs-Roadmap hat es sich bewährt, zunächst einen Proof-of-Concept der neuen Lösung zu etablieren, um erste Funktionalitäten aus SAP ME oder SAP MII abzulösen. Auch aus strategischen Gründen kann ein schrittweiser Übergang in die Cloud sinnvoll sein, beginnend mit einzelnen Maschinen, Linien oder Werken. Diese methodische Herangehensweise minimiert Risiken und maximiert den Erfolg der Implementierung.
Stand: 16.12.2025
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4. Nach der Ablöse wird es neue technische Komponenten und fehlendes Wissen geben
Vielerorts ist SAP MII als langjährige Integrationsplattform mit breiter Funktionalität und verhältnismäßig einfacher Anwendungshürde im Einsatz. Der Austausch der Software kann die Nutzung von SAP BTP, Funktionen der SAP Integration Suite, SAP Analytics Cloud (SAC) und weiteren Komponenten erfordern. Auf das IT-Team im jeweiligen Unternehmen kommen also neue Technologien, Plattformen, Entwicklungsumgebungen und -sprachen zu. Dafür ist ein Wissensaufbau einzuplanen; die Einarbeitung braucht Zeit, Geduld und Know-how.
Weg zum Cloud-MES: Bewährtes Vorgehensmodell und Assessment
MHP bietet mit dem Elevate-Programm eine definierte Vorgehensweise, um die Transformation der SAP-ME- und SAP-MII-Lösungen bewerten zu können. Fit-to-Standard-Workshops in bis zu vier Wochen identifizieren relevante Kernfunktionen der bisherigen Implementierung. Anschließend ist klar, wie mit welchen Themen und Prozessen zukünftig umzugehen ist, und wie sich der Wechsel in die Cloud erfolgreich realisieren lässt. Der Vorteil ist, dass Mehrwerte für das eigene Unternehmen schnell sichtbar und Risiken bei der Migration von Beginn an minimiert werden.
Der Autor Tobias Forster ist Senior Consultant bei der MHP Management- und IT-Beratung. Autor Kai Roßnagel ist Senior Manager Digital Supply Chain Solutions bei der MHP Management- und IT-Beratung.