Unternehmen optimieren ihre Bestände vor allem, um Kunden zufriedenzustellen und gleichzeitig Bestandsinvestitionen zu minimieren. Die zentrale Frage dabei lautet: Wo sollte wieviel Bestand gehalten werden, damit die Lieferbereitschaft gegenüber den Kunden erfüllt, Unsicherheiten berücksichtigt und die Bestandskosten minimiert werden können?
(Quelle: Aleksandr Matveev/Adobe Stock)
Das Modul IBP for Inventory der Supply-Chain-Planungslösung SAP Integrated Business verspricht ein zuverlässiges Bestandsmanagement. Doch warum ist die Optimierung der Bestandsplanung so schwierig, dass dafür ein Planungstool notwendig ist? Grundsätzlich ist die Komplexität der Optimierung auf Ursachen zurückzuführen, die sowohl einen internen als auch externen Ursprung haben:
Unsicherheiten im Netzwerk und in der Planung: Auftretende Prognosefehler in der Bedarfsplanung, Bedarfsschwankungen beim Kunden und Beschaffungsunsicherheiten in der eigenen Logistikkette erschweren eine genaue Bedarfsplanung.
Herausfordernde Rahmenbedingungen wie komplexe Supply-Chains, umfassende und variable Stücklisten, fixe Losgrößen, Multi-Sourcing, fixierte Zeitfenster und Kunden mit verschiedenen Kundenservicegraden verlangen nach einer dynamischen Lösung für die Bestandsplanung.
Exakte Bestandsplanung
SAP IBP ist eine Cloud-basierte Lösung, die eine Echtzeitplanung der Prozesse entlang der gesamten Supply Chain abbildet. Verschiedene Module von SAP IBP unterstützen mit innovativen Planungsalgorithmen und einer intuitiven Benutzeroberfläche Planungsprozesse in allen Geschäftsbereichen. Module können einzeln implementiert und verwendet werden. Die Planung der Ziel- und Sicherheitsbestände ermöglicht die Lösung IBP for Inventory.
IBP for Inventory berechnet Sicherheitsbestände und Gesamtbestandsziele auf Basis einer mehrstufigen Bestandsoptimierung über das gesamte Netzwerk und alle Stücklistenstufen. Das ist insbesondere für die Unternehmen relevant, die ein komplexes Netzwerk haben und die Bestände nicht nur lokal, sondern im gesamten Netzwerk optimieren und die Bestandskosten reduzieren wollen. Bei der Planung mit IBP for Inventory wird ein dynamischer, statistischer Ansatz gekoppelt mit Szenario-Analysen für den Aufbau einer optimalen Supply-Chain-Netzwerk- und Lagerbestandsplanung verwendet. Dieser Ansatz erlaubt eine Multistage-Bestandsoptimierung über alle Bereiche der Supply Chain und damit eine Verbesserung des Service-Levels und der Lieferfähigkeit. Dabei kommen auch What-if-Analysen zum Einsatz, bei denen Auswirkungen von geänderten Absatzmengen und Service-Levels gegenübergestellt werden können.
Als Ergebnis werden die Unsicherheiten an optimaler Stelle durch Bestände kompensiert und der Bull-Whip-Effekt oder Peitscheneffekt reduziert. Das funktioniert folgendermaßen:
Auf Basis von historischen Verkaufszahlen und Bedarfsprognosen werden Bedarfsunsicherheiten an allen Kundenbedarfslokationen berechnet, als Ergebnis der Berechnung werden Variationskoeffizienten ermittelt.
Die eigentliche Bestandsoptimierung wird auf Basis der ermittelten Werte durch den Optimierungsalgorithmus berechnet, aber auch auf Basis weiterer Parameter wie beispielsweise Lieferbereitschaftsgrad, Wiederbeschaffungszeit, aktueller Konsensbedarf und weiteren.
Im letzten Schritt verwendet das IBP for Inventory den empfohlenen Sicherheitsbestand sowie Angaben zum minimalen Lagerbestand, Kosten pro Bestandseinheit etc., um weitere Bestandskennzahlen wie Meldebestand, Lagerreichweiten, monetäre Kennzahlen etc. zu berechnen.
(SAP IBP unterstützt die Echtzeit-Planung der Prozesse entlang der Supply Chain. Bild: Consilio)
Benutzerfreundliche Bedienung
Sämtliche Kennzahlen und Daten, wie auch die unter 1 genannte Bedarfshistorie als Basis für die Bestandsplanung können sowohl in der browserbasierten Benutzeroberfläche von SAP Fiori als auch im IBP Excel-Addin angezeigt und flexibel analysiert werden.
Die Berechnung erfolgt per Job, dabei können einzelne Jobs entweder aus Fiori oder direkt aus dem Excel mit Add-In for IBP gestartet werden. Nach der erfolgten Berechnung können die Ergebniskennzahlen flexibel in einzelnen Excel-Sheets angezeigt werden. Ein Beispiel ist die Bedarfsprognose (Reiter Global IO Input & Output Parameters).
(Die Berechnungslogik im Modul IBP for Inventory. Bild: Consilio)
Durch den Optimierungsalgorithmus werden Kennzahlen wie empfohlener Sicherheitsbestand pro Distribution Center und Woche, der durchschnittliche Servicegrad etc. ermittelt. Der Anwender kann sich die Ergebnisse grafisch darstellen lassen und im nächsten Schritt manuelle Anpassungen vornehmen. Planer können sich die Planungssichten selbst flexibel zusammenstellen und Daten nach eigenem Bedarf aggregieren oder disaggregieren.
Stand: 16.12.2025
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Eine detaillierte Darstellung der Input- und Output-Parameter zeigt einen Bestandsplan, der mögliche Risiken berücksichtigt, eine detaillierte und genaue Analyse erlaubt und somit eine netzwerkweite Bestandsreduktion ermöglicht. Die automatisierte Berechnung lässt ein manuelles Eingreifen zu und trägt zu einer hohen Flexibilität der Bestandsoptimierung bei. Die individuell einstellbaren Berechnungsparameter machen das IBP for Inventory zu einem auf das Unternehmen zugeschnittenes Werkzeug – ganz ohne Eigenentwicklungen.
Der Autor Sebastian Held ist Consultant SCM & IBP bei der Consilio GmbH.