Skalierbare Logistik Baukastenprinzip für mehr Flexibilität bei der Digitalisierung

Ein Gastbeitrag von Dipl.-Ing. Michael Flaig 5 min Lesedauer

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Produktion und Logistik stehen heute vor neuen Herausforderungen, denn Produkte sollen immer schneller und zugleich in hoher Qualität geliefert werden. Dies können Unternehmen durch Digitalisierung und Automatisierung ihrer Logistikzentren und Produktionsstätten erreichen. Allerdings können sie mit digitalisierten Lösungen nicht unbedingt auf kurzfristige Veränderungen im Markt reagieren. Mit skalierbaren 
Lösungen und einem Baukastenprinzip lassen sich Aufwand und Kosten für die Anpassung der Logistik an neue Maßstäbe begrenzen.

(Bild:  Gerd Altmann/Pixabay)
(Bild: Gerd Altmann/Pixabay)

Die Ansprüche der Kunden heutzutage steigen. Da ist eine schnelle Reaktionsbereitschaft von Händlern und Unternehmen gefragt. Zu den veränderten Wünschen zählt auch der Anspruch an individualisierte Produkte, wodurch die Nachfrage nach Standardprodukten zusehends schwindet. Produktion und Logistik stehen daher vor neuen Tatsachen. Erschwert wird die Situation durch den Fachkräftemangel in diesen Bereichen und dadurch, dass im Hochlohnland Deutschland ein hoher Kostendruck herrscht. Der Schlüssel, um dem Marktdruck und den gestiegenen Erwartungen entgegenzukommen, liegt daher in einer Anhebung des Digitalisierungs- und Automatisierungsgrads der Unternehmen.

Flexibel bleiben dank Digitalisierung

Die Digitalisierung und Automatisierung von Produktion und Logistik bringt zahlreiche Vorteile mit sich: Die Effizienz kann gesteigert und eine hohe Qualität der Waren gewährleistet werden. Da die Komplexität der Prozesse in Produktion und Logistik steigt, bedarf es jedoch einer gewissen Standardisierung. Dadurch kann die Automatisierung manueller Tätigkeiten gelingen, was einen wichtigen Schritt gegen den Fachkräftemangel darstellt.

Die zunehmende Digitalisierung birgt jedoch eine Gefahr, nämlich den Mangel an Flexibilität. Wenn Unternehmen viel Geld in die neue Infrastruktur stecken, wird oft nicht sehr langfristig gedacht. Verändern sich die Maßstäbe, ist man deshalb nur zu einer langfristigen Reaktion in der Lage. Ausschlaggebend ist also nicht nur die Digitalisierung selbst, sondern auch die Wahl der passenden Prozesse und der dafür benötigten Technik.

Die Antwort darauf sind skalierbare Digitalisierungslösungen, zum Beispiel mit einem Baukastenprinzip. Durch diese gelingt es, die Automatisierung mit einer möglichst großen Flexibilität zu vereinen. So können Unternehmen einerseits von den Vorteilen der standardisierten Arbeitsweisen profitieren, andererseits sind sie weniger starr und können im Falle von Veränderungen, wie es das Sortiment betreffend oder bei Ausbringungsmengen häufig der Fall ist, schnell und kurzfristig handeln.

Beim Eintritt in einen neuen Markt können Unternehmen ihr Wachstum anfangs meist nur ungefähr kalkulieren. Durch skalierbare Lösungen, die schon anfangs das potenzielle Wachstum mit einbeziehen, entsteht der Vorteil, dass die Unternehmen schnell, zeitnah und ohne Reibungsverluste handeln können. Bei der Einführung einer skalierbaren Logistiklösung ist es jedoch essenziell, dass zuvor eine Vision für die zukünftige Entwicklung und die Möglichkeiten beim Ausbau entwickelt wird.

Lösung in flexibel gestalteten Schritten nach dem Baukastenprinzip erweitern

Der modulare Aufbau einer Digitalisierungs- und Automatisierungslösung ist ausschlaggebend für deren Skalierbarkeit. Lösungen dieser Art lassen sich in flexibel gestalteten Schritten modular erweitern und sie verlangen nach kleinen Ausbaustufen, die wenn nötig nach dem Baukastenprinzip dazu- oder abgeschaltet werden. Dies ersetzt eine starre Vorgehensweise, wie beispielsweise die Verdoppelung oder Halbierung der Liefermengen.

Entscheidend ist es, von Anfang an auf die richtigen Methoden, Techniken und Prozesse zu setzen. Die Skalierbarkeit von Lösungen ist somit idealerweise nicht bloß auf Wachstum ausgelegt. Vielmehr sollten Logistik und Produktion beispielsweise bei veränderten Marktbedingungen die Mengen reduzieren, um Kosten einzusparen. Es empfiehlt sich für Unternehmen, in der Verknüpfung ihrer Prozesse möglichst flexibel zu bleiben, besonders in Bereichen, die Schwankungen ausgesetzt sind. Ansonsten können schon geringe Veränderungen an bestimmten Stellen den gesamten Ablauf stören, da sie die Einrichtung neuer Schnittstellen erfordern. Solche Ineffizienzen werden bei skalierbaren Lösungen umgangen, da den vorhandenen Prozessen nur Varianten hinzugefügt werden.

Fahrerlose Transportsysteme und universelle Arbeitsplätze

Fahrerlose Transportsysteme (FTS) sind ein gutes Beispiel für konkret skalierbare Lösungen in der Automatisierung. Im Gegensatz zu Förderbändern lassen sich diese mit geringem Aufwand innerhalb kurzer Zeit erweitern. Und auch ihre Anzahl lässt sich erhöhen. Ein großer Vorteil von FTS ist, dass sie keine zusätzliche Einarbeitung des Personals benötigen. Zudem steigt die Leistung der Kommissionierung bei diesem Automatisierungsgrad, denn die Waren werden beispielsweise zu den Mitarbeitern geliefert, anstatt sie aufwendig mit einem Picker im Lager aufzusammeln.

In den Produktionsstätten steigt ebenfalls der Digitalisierungsgrad. Die smarte Produktion stellt heute vermehrt universelle Arbeitsplätze für die einzelnen Montageschritte bereit. Bei solchen Arbeitsplätzen können diverse Schritte erledigt werden und sie sind insgesamt gut skalierbar. Wenn etwa die Nachfrage nach bestimmten Tätigkeiten zunimmt, müssen keine neuen Arbeitsplätze eingerichtet werden. Die Skalierbarkeit von Arbeitsstätten steigt also, je weniger spezifisch diese aufgebaut und ausgestattet sind.

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Die Flexibilität von Unternehmen vergrößert sich zum Beispiel auch durch die Nutzung von universellen Trägern. Diese Technik kann Verpackungen unterschiedlicher Art transportieren, anstatt dass Träger nur für Groß- oder Kleinteile verwendet werden. Bei universellen Trägern entstehen keine Veränderungen oder Nachteile, wenn sich die Größe, die Geometrie oder das Gewicht von Produkten verändert. Unternehmen können in ihrer Produktion also auch mit universellen Maschinen flexibel reagieren.

Baukastenprinzip: Mehr Effizienz dank skalierbarer Logistik

Unternehmen erreichen dank einer skalierbaren Logistik eine Effizienzsteigerung in der Auslastung ihrer Maschinen, da sie bei Bedarf den Einsatz hoch- oder herunterfahren können. Deshalb sind die Anlagen weder überfordert noch unterfordert, denn die Skalierbarkeit solcher Lösungen vermeidet Ausreißer in die Extreme. Die Durchlaufzeiten vermindern sich ebenfalls, da die Liege- und Wartezeiten zwischen den Prozessschritten möglichst gering sind.

Skalierbare und nicht-skalierbare Lösungen in der Automatisierung und Digitalisierung bieten viele Vor- und Nachteile. Wird nach einer Erweiterung oder Reduzierung von Logistik und Produktion verlangt, ist jedoch eine skalierbare Lösung nach dem Baukastenprinzip gefragt. In Kombination mit den dazu passenden Methoden, Techniken und Prozessen sowie einer langfristigen Planung lässt sich dies schnell und mit geringem Aufwand umsetzen. Wenn Unternehmen hingegen nicht-skalierbare Lösungen bei Veränderungen einsetzen, müssen sie diese von Anfang an neu planen. Damit ist ein erheblicher finanzieller und zeitlicher Aufwand wie auch ein Wettbewerbsnachteil verbunden. Die Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit steigen hingegen, wenn man die möglichen Ausbaustufen von Beginn an mit einbezieht und innovative Methoden an der richtigen Stelle einsetzt.

BaukastenprinzipDipl.-Ing. Michael Flaig
Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Operations bei der Protema Unternehmensberatung

Bildquelle: Protema Unternehmensberatung