Digitalisierung Automatisierung in der Industrie: Das sind die Trends 2024

Ein Gastbeitrag von Anders Beck 4 min Lesedauer

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2023 war ein Jahr mit vielen neuen Innovationen. Das Aufkommen von Technologien mit künstlicher Intelligenz, wie der generativen KI, erregte viel Aufmerksamkeit. Der Einsatz generativer KI in Unternehmen steht jedoch noch ganz am Anfang. Wie Unternehmen die Technologie für eine Automatisierung in der Industrie am besten nutzen können, muss noch geklärt werden.

Der Cobot UR10e (rechts an der Decke) unterstützt das Logistikunternehmen DCL Logistics.(Bild:  Universal Robots)
Der Cobot UR10e (rechts an der Decke) unterstützt das Logistikunternehmen DCL Logistics.
(Bild: Universal Robots)

Die digitale Transformation ist ein fortlaufender Prozess und wir können davon ausgehen, dass technologische Innovationen Wirtschaft und Gesellschaft auch 2024 prägen werden. Aber wie werden sie sich auf die Robotik und Automatisierung auswirken und was kann die Fertigungsindustrie in diesem Jahr erwarten? Von KI über Kollaboration und IT/OT-Konvergenz bis zur Logistik: Diese vier Trends werden die Automatisierung in diesem Jahr bestimmen.

1. KI beschleunigt die Entwicklung von Robotik und Automatisierung in der Industrie

Mit künstlicher Intelligenz wird die Entwicklung von Software deutlich kostengünstiger, schneller und effektiver. Software ist eine Schlüsselkomponente der Automatisierung, und mit KI werden Softwareentwickler in der Lage sein, maßgeschneiderte und optimierte Lösungen für verschiedene Aufgaben und Herausforderungen zu schaffen. KI wird somit zukünftig die Produktion revolutionieren. Expertise im Bereich Automatisierung wird dennoch eine knappe und wertvolle Ressource im gesamten Prozess bleiben.

Die Cobot-Serie von Universal Robots besteht aus fünf Modellen mit unterschiedlichen Traglasten: UR3e, UR5e, UR10e UR16e, UR20 und UR30 (von links nach rechts).(Bild:  Universal Robots)
Die Cobot-Serie von Universal Robots besteht aus fünf Modellen mit unterschiedlichen Traglasten: UR3e, UR5e, UR10e UR16e, UR20 und UR30 (von links nach rechts).
(Bild: Universal Robots)

Es war interessant und vielleicht überraschend zu sehen, wie KI bisher schon den Arbeitsalltag in Büros veränderte. Zukünftig wird sie auch verstärkt Auswirkungen auf die Arbeitsabläufe in Produktionen haben und ich freue mich darauf, dass 2024 mehr Hersteller von den Vorteilen des maschinellen Lernens profitieren werden. Schließlich ist die Technologie bereits vorhanden. Wir bei Universal Robots haben zum Beispiel viele Partner, die Anwendungen mit KI entwickeln, damit unsere Roboter komplexere und vielfältigere Aufgaben erfüllen können. KI ermöglicht Robotern zum Beispiel eine menschenähnliche Wahrnehmung oder den Umgang mit Varianten. Zudem schaffen es Roboter dank KI, Teile präzise zu bewegen, sich an veränderte Umgebungen anzupassen und aus ihren eigenen Erfahrungen zu lernen. Mit der Zeit werden diese Fähigkeiten zu einer noch nie dagewesenen Flexibilität, Qualität und Zuverlässigkeit in der Fertigung führen.

2. Gemeinsame Nutzung von Automatisierungslösungen

Bisher ermöglicht Robotik-Software eine digitale Verbindung zwischen Anwendern und ihren mechanischen Hilfsmitteln, die über eine rein physische Interaktion hinausgeht. Neue Softwareentwicklungen erweitern diese Dimension der Zusammenarbeit: Sie verbinden die Menschen, die Roboter nutzen, miteinander. In diesem Jahr werden neue Software-Entwicklungen die gemeinsame Nutzung und Wiederverwendbarkeit von Automatisierungslösungen deutlich vereinfachen. Das Rad muss nicht jedes Mal neu erfunden werden. Stattdessen lassen sich vorhandene Softwarekomponenten, Schnittstellen und Algorithmen anwendungsübergreifend nutzen. Dieses Prinzip liegt zum Beispiel unserem „UR+ Partner-Ökosystem“ zugrunde, das Innovationen rationalisieren und die Zeit bis zur Markteinführung verkürzen soll. Mit Spannung schaue ich darauf, wie sich dies 2024 entwickeln wird.

3. IT- und OT verschmelzen für die gemeinsame Datennutzung bei der Automatisierung in der Industrie

Die Zukunft der Fertigung ist eng mit der IT/OT-Integration verknüpft, da Daten die Grundlage für Innovation und Effizienz bilden werden. Untersuchungen zeigen, dass die Fertigungsindustrie bei der Einführung von Cloud-basierten Softwarediensten eine Vorreiterrolle einnimmt, und wir sehen bereits, dass einige Kunden diese nutzen, um Qualität, Kosteneffizienz und Vorhersagbarkeit zu verbessern. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass 2024 datengesteuerte Logistik- und Fertigungssysteme auf dem Vormarsch sein werden.

In vielen Betrieben herrscht noch die Vorstellung, dass die Cloud lediglich eine Datensammel- und Backup-Funktion ist, wie wir sie auch als private Verbraucher kennen. Doch das eigentliche Potenzial und die Kraft liegen nicht in der Speicherung von Daten oder gar in der Verknüpfung von Maschinen. Stattdessen treten einschneidende Veränderungen ein, wenn Cloud-basierte Software-Services Menschen und Maschinen miteinander verbinden und so Herstellern helfen, komplexe Prozesse zu vereinfachen und intelligentere Entscheidungen zu treffen.

Die Vorteile dieser digitalen Entwicklung sind erheblich. Der Fernzugriff auf Fertigungsdaten ermöglicht schnelle Reaktionen auf Probleme und eine kontinuierliche Verbesserung der Automatisierung. Da dynamische Systeme heute unverzichtbar sind, bieten vertrauenswürdige Cloud-Technologien den neuesten Stand der Sicherheit und moderne Dienste. Unternehmen, die sich mit dem industriellen Internet der Dinge (IIOT) befassen, versprechen sich dadurch eine verbesserte Effizienz und geringere Ausfallzeiten durch die Visualisierung der Gesamtanlageneffektivität (Overall Equipment Effectiveness, OEE) und eine vorausschauende Wartung.

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In diesem Jahr können Hersteller von diesen Fortschritten profitieren, indem sie höhere Qualität, geringere Ausfallzeiten, bessere Vorhersagbarkeit und Kostenoptimierung erreichen. Diese Umstellung ist eine strategische Notwendigkeit, da sie den Wandel hin zu einer Produktion mit hohen Stückzahlen und hohem Mischungsverhältnis, stabilen Lieferketten, wettbewerbsfähiger Datennutzung und Nachhaltigkeitszielen unterstützt.

4. Logistik als Schwerpunktbereich der Robotik

Anfang 2023 untersuchte Interact Analysis die prognostizierten Wachstumsraten für Roboterlieferungen in verschiedenen Branchen. Die Logistik zeigte sich dabei als ein herausragender Wachstumsbereich. Interact Analysis prognostizierte hierbei eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate für kollaborierende Roboter (Cobots) von 46 Prozent für den Zeitraum von 2023 bis 2027.

Wie im verarbeitenden Gewerbe sehen sich auch viele Logistikunternehmen einem erheblichen Arbeitskräftemangel gegenüber, wobei der Druck durch Globalisierung, E-Commerce und komplexe Multikanal-Lieferketten zunimmt. Immer mehr Logistik-, Lager- und Vertriebszentren werden sich in diesem Jahr der Automatisierung zuwenden, um ihre Dienstleistungen schneller und mit größerer Genauigkeit zu erbringen.

Ein Beispiel: Ein Logistikunternehmen, mit dem wir zusammengearbeitet haben, hat sein Fulfillment-Center mit kollaborierenden Robotern ausgestattet, was zu einer Steigerung der Effizienz und Genauigkeit der Aufträge um 500 Prozent führte. Das Automatisierungssystem, das täglich tausende von Aufträgen verarbeiten kann, zeichnete sich besonders in Spitzenzeiten aus, beispielsweise am Black Friday, bei dem ein Roboter an einem Tag bis zu 4.400 Aufträge mit nur wenigen Mitarbeitern bewältigten konnte. Roboter – und die intelligente Nutzung von Daten – sind im Begriff, Logistikunternehmen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg zu revolutionieren, vom Paketeingang bis zur Ausgangslogistik. Das Entwicklungstempo der Robotik ist nach wie vor beeindruckend. Auch hier sehe ich den Fortschritten in diesem Jahr mit großer Vorfreude entgegen.

Automatisierung in der IndustrieAnders Beck
Vice President für Strategie und Innovation bei Universal Robots

Bildquelle: Universal Robots