Additive Fertigungstechnologien fassen in den Produktionsabläufen großer und kleiner Unternehmen zunehmend Fuß. Rich Garrity, Chief Industrial Business Officer bei Stratasys, erklärt im Interview, worauf sich Fertigungsunternehmen in diesem Jahr einstellen sollten.
Mit additiver Fertigung lassen sich leichtgewichtigere Bauteile herstellen.
(Bild: Stratasys)
Welche Trends der additiven Fertigungstechnologien sollten Führungskräfte in der Fertigung kennen?
Rich Garrity: Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass die additive Fertigung nicht in Konkurrenz mit den traditionellen Verfahren steht. Vielmehr dient sie den Herstellern als zusätzliches Instrument, mit dem mehr Sicherheit in der Lieferkette und einen geringeren CO₂-Fußabdruck erreichen können. In letzter Zeit hat die Integration von künstlicher Intelligenz und Automatisierung die Effizienz von additiver Fertigung weiter gefördert.
Die Unternehmen sollten sich auch der bevorstehenden Branchenkonsolidierung bewusst sein. Dies wird eine schnellere Skalierbarkeit und eine größere Auswahl an Materialien ermöglichen.
Herausforderungen für additive Fertigungstechnologien
Welches sind die größten Herausforderungen, vor denen additive Fertigungstechnologien im kommenden Jahr stehen wird?
Garrity: Für das kommende Jahr rechne ich mit erheblichen finanziellen Herausforderungen für das Ökosystem der additiven Fertigung, insbesondere in der ersten Jahreshälfte. Wie bereits erwähnt, ergibt sich daraus wahrscheinlich eine gewisse Konsolidierung. Obwohl einige Unternehmen dem Sturm vielleicht nicht standhalten werden, ist der Prozess auf lange Sicht positiv für die Stabilität der Branche. Bei Stratasys befinden wir uns glücklicherweise in einer starken Position, da wir uns mit unserem robusten Portfolio für Hardware, Software und Materialien problemlos in die Produktionsabläufe der Hersteller integrieren können.
In welchen Branchen wird es Ihrer Meinung nach im Jahr 2024 zum größten Wachstum kommen?
Garrity: Obwohl verschiedene Branchen für ein erhebliches Wachstum gerüstet sind, werden meines Erachtens die Branchen für Fahrzeugbau sowie Luft- und Raumfahrt wohl das größte Wachstum aufweisen. Die Nachfrage nach leichteren Fahrzeugen nimmt weiterhin zu, und dafür ist die additive Fertigung natürlich bestens geeignet. Insbesondere auf dem Markt der Elektrofahrzeuge müssen Hersteller die Fahrzeuge möglichst leicht und effizient gestalten, damit die Lebensdauer der Batterien optimal ausgeschöpft werden kann. Hier erleben wir schon jetzt einen erheblichen Anstieg bei der Einführung von 3D-Druck. Wir können davon ausgehen, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.
Haben Sie konkrete Beispiele?
Garrity: In der Luft- und Raumfahrt haben mehrere Fluggesellschaften kürzlich ihre Ziele zur CO₂-Neutralität veröffentlicht und diese Verpflichtung auch auf das Fertigungsverfahren von Flugzeugen ausgeweitet. Die Einbindung additiver Fertigung in den Fertigungslauf wird einen Beitrag zur Einhaltung dieser Ziele leisten. Angesichts der geringen Produktionszahlen neuer Flugzeuge benötigen die Hersteller nur eine sehr geringe Anzahl von Teilen. Dafür ist die additive Fertigung die effizienteste und nachhaltigste Fertigungsoption.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Wie können sich Unternehmen für Industrie 4.0 rüsten?
Garrity: Industrie 4.0 wird auch weiterhin ein entscheidender Faktor bei der zukunftssicheren Gestaltung von Fertigungsbetrieben sein. Wegen der Neuausrichtung und Dezentralisierung der Produktion auf mehr lokale Werke, wird der Platz in den Fertigungshallen eine immer größere Rolle spielen. Wir konnten das bereits bei einigen Unternehmen in der Branche der additiven Fertigung beobachten. Sie haben Zentren für additive Fertigung eingerichtet, um die Einbindung der Technologie ins Prototyping und in die regulären Fertigungsverfahren auszuloten.
Rich Garrity Chief Industrial Business Unit Officer bei Stratasys, wo er die P&L-Verantwortung für das weltweite Wachstum des Industriegeschäfts des Unternehmens in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Automobil, Verteidigung und allgemeine Fertigung trägt.
Bildquelle: Stratasys
Wie werden sich additive Fertigungstechnologien wie 3D-Druck im Laufe des Jahres verändern?
Garrity: Die 3D-Drucktechnologien müssen die zunehmende Integration von Automatisierung und künstlicher Intelligenz in die Prozesse gewährleisten. Das zeichnet sich zwar schon jetzt in der Branche ab. Doch es ist von grundlegender Bedeutung, diesen Impuls in den kommenden Jahren beizubehalten. Mit der zunehmenden Intelligenz der verfügbaren Technologien baut die additive Fertigung ihr Potenzial für die Massenproduktion von Teilen für eine Vielzahl bestehender und neuer Branchen aus.
Wie additive Fertigungstechnologien sich erfolgreich durchsetzen können
Mit welchen Eigenschaften können 3D-Druckunternehmen im Jahr 2024 Erfolge verzeichnen?
Garrity: Für eine erfolgreiche Bilanz müssen 3D-Druckunternehmen sich auf Veränderungen einlassen und die Versprechen der additiven Fertigung erfüllen. Zerspanungstechnik und Prototyping sind zwar notwendig und werden auch in Zukunft einen Großteil des Angebots ausmachen. Doch der Schwerpunkt sollte sich etwas mehr auf das Ausloten des Potenzials in der Massenproduktion verlagern. Unternehmen mit einem soliden Angebot an Komplettlösungen, die bei der Entwicklung aktiv ihren Kunden zugehört haben, werden in der nächsten Phase der additiven Fertigung an vorderer Stelle dabei sein.
Stand: 16.12.2025
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