15.09.2021 – Kategorie: Digitalisierung

Workforce-Management: Produktion und Personalwirtschaft im Zusammenspiel

Workforce-ManagementQuelle: ESB Professional/Shutterstock
Workforce-Management-Lösungen für die Industrie bieten nicht nur einen Mehrwert für die Zeit- und Personalwirtschaft. Über die Vernetzung mit Manufacturing Execution Systems (MES) stellen diese auch ganzheitliche Lösungsansätze für die Optimierung und Produktivitätssteigerung in…

Workforce-Management in der Praxis: In den Produktions- und Lagerhallen der Industrie finden seit einigen Jahren große Umbrüche statt. Denn die digitale Transformation erreicht immer mehr Bereiche der Wirtschaft und sorgt mit innovativen und intuitiven IT-Konzepten für eine Effektivitätssteigerung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Workforce-Management: Nicht nur ERP und MES arbeiten zusammen

Im Zentrum stehen dabei eine datenbasierte Produktionssteuerung und eine ganzheitliche Vernetzung für einen reibungs- und fehlerlosen Daten- und Informationsfluss. Übergeordnete Enterprise-Resource-Planning-Systeme (ERP) dienen der unternehmensweiten Verwaltung und Organisation von Kundendaten, Aufträgen, Rechnungen und vielem mehr.

In der Produktion haben sich zudem Manufacturing Execution Systems (MES) als optimale Lösung erwiesen, wenn es um das Planen, Überwachen, Steuern, Optimieren und Auswerten von sämtlichen produktionsnahen Prozessen geht. ERP und MES greifen dabei unmittelbar ineinander und schaffen wertvolle Synergien. Aber die Digitalisierung und die damit einhergehenden Umbrüche haben nicht nur Auswirkungen auf die Fertigung und die generelle Administration. Unter dem Schlagwort New Work finden Umwälzungen auf Seiten der Mitarbeiter, der Arbeitszeitmodelle und auch im Bereich der Work-Life-Balance statt.

Die Vorteile von Remote Work

Aus dem Homeoffice beziehungsweise remote zu arbeiten ist für einige Branchen beziehungsweise Berufsgruppen schon länger keine Neuheit mehr. Das gewohnte Bild ist aber noch immer, dass Angestellte ihrer Tätigkeit am Firmenstandort oder einem anderen festen Arbeitsplatz nachgehen. Zunehmend erhalten gerade im Bereich der Büroarbeit flexible Arbeitsmodelle Einzug, die ortsunabhängiges Arbeiten ermöglichen. Grundlage dafür sind auch hier die Digitalisierung sowie leistungsstarke und sichere Internetverbindungen. Denn über professionelle Virtual Private Networks (VPN) können Mitarbeiter weltweit und datenschutzkonform auf firmeninterne Netzwerke und Daten zugreifen.

In Absprache mit den Führungskräften können auf diese Weise ein Homeoffice-Tag oder ortsunabhängiges Arbeiten vereinbart werden. Entweder als einmaliges Ereignis, zum Beispiel, um notwendige Arbeiten durch Handwerker im privaten Umfeld zu ermöglichen oder einen Arzttermin wahrzunehmen und dennoch arbeiten zu können. Die andere Möglichkeit ist, regelmäßig an einem Tag in der Woche remote zu arbeiten, was vor allem für Teilzeitkräfte oder Mitarbeiter mit längeren Anfahrtswegen von Interesse ist.

Remote-Arbeit setzt aber immer das Vorhandensein der notwendigen Technik sowie eine gute Vertrauensbasis zwischen Unternehmen und Mitarbeitenden voraus. Die Fernarbeit muss im Unternehmen diskutiert und durchgeplant werden, wobei es aber in der Regel stets zu positiven Rückmeldungen oder zu produktivitätssteigernden Effekten kommt.

Mehr Flexibilität für Angestellte in der Industrie

Für Fachkräfte, die in der Logistik oder der Produktion tätig sind, ist das Konzept des ortsunabhängigen Arbeitens natürlich nicht so einfach umzusetzen. Handwerker oder Maschinenführende können die Arbeit nicht einfach mit nach Hause nehmen. Jedoch gibt es andere Möglichkeiten, um auch diesen Mitarbeitenden mehr Freiheiten und Flexibilität anzubieten. Denn eine gesunde Work-Life-Balance und ein grundsätzliches Mitspracherecht bei der Schichtplanung sind Benefits, die bei jedem Angestellten gut ankommen.

Während Industrie 4.0 also für die Digitalisierung der Produktion steht, ist New Work das Konzept für die Modernisierung der Arbeitswelt. Denn hier geschieht die Verbesserung der Produktivität durch die Steigerung der Flexibilität und dem Angebot individueller Arbeitsmodelle. Die perfekte Organisation, Dokumentation und Verwaltung ermöglichen Workforce-Management-Lösungen.

Zwar ist das Arbeiten in den Blue-Collar-Berufen immer an einen Standort, also an die Anwesenheit der Fachkräfte gebunden, aber dennoch lassen sich individuelle Wünsche berücksichtigten. Auch wenn in der Produktion und Logistik Zeit- und Liefertermin-basiert gearbeitet wird, können die geplanten Einsätze und Schichten der Mitarbeiter beispielsweise durch den Einsatz einer Tauschbörse flexibler gestaltet werden.

Workforce-Management
Smarte und innovative Personalwirtschaft und Einsatzplanungen. Bild: Gorodenkoff/Shutterstock

Workforce-Management: Individuell und persönlich

Angestellte haben so die Möglichkeit, einzelne Schichten in einem speziellen System anzubieten und untereinander zu tauschen, sodass individuelle Planungen möglich sind. Natürlich geschieht dies unter Berücksichtigung der zuvor konfigurierten Vorgaben, denn es muss stets sichergestellt werden, dass die benötigten Fachkräfte vor Ort sind.

Wird zum Beispiel eine Fachkraft mit besonderen Qualifikationen für die Bearbeitung eines Auftrags in der Produktion gebraucht, kann diese Schicht auch nur an einen ähnlich qualifizierten anderen Mitarbeitenden abgegeben werden. Die Diensttauschbörse greift über Schnittstellen unter anderem auf die Produktions- und Feinplanung zu, um von dort Informationen über anstehende Aufträge und Fertigungen einzubeziehen. Gleichzeitig werden Daten aus anderen Workforce-Management-Modulen abgerufen – individuelle Präferenzen der einzelnen Fachkräfte finden sich in den jeweiligen Datensätzen. Gleiches gilt für Qualifikationen, Urlaubstage oder andere Abwesenheiten sowie weitere relevante Informationen.

Diese Vernetzung und der stetige Datentransfer sowie die leistungsstarke Funktionsweise eines Gesamtsystems, welches MES, Workforce-Management-Lösungen und idealerweise auch noch ein digitales Zutritts- und Sicherheitskonzept enthält, ermöglicht, dass die Anforderungen der Unternehmen und individuelle Wünsche und Anpassungen von Seiten der Mitarbeiter optimal erfüllt werden können.

Ein individuelles und stetig wachsendes System

Die effizienzsteigernden Effekte von Workforce-Management-Lösungen für die Industrie reichen aber noch weiter, dabei bildet die Grundlage eines solchen Systems die Einführung einer professionellen Zeitwirtschaft. Darüber hinaus ermöglicht der modulare und skalierbare Aufbau solcher IT-Konzepte eine stetige Anpassung und Erweiterung. Unternehmen erhalten damit ein individuelles System, welches konkret auf die individuellen Anforderungen angepasst ist.

Die Vielzahl hochspezialisierter Module eines Manufacturing Execution Systems sind auch bei einer Workforce-Management-Software zu finden, die es Unternehmen erlaubt, bedarfs- und zukunftsorientiert zu planen. Dabei werden die branchenspezifischen Besonderheiten einbezogen und Anforderungen, die sich durch die Unternehmensgröße und verschiedene Standorte ergeben, optimal im System abgebildet.

Workforce-Management-Lösungen haben also einen offensichtlichen Mehrwert für die Industrie und die Logistikbranche und lassen sich zudem direkt mit Software aus dem Bereich der Produktionssteuerung verbinden Hierbei ermöglicht die Digitalisierung die Implementierung eines produktivitäts- und effektivitätssteigernden Gesamtkonzeptes. Denn Unternehmen können das Fertigungsmanagement prozess- und zeitoptimiert durchführen und so die Effizienz und Wirtschaftlichkeit signifikant verbessern. Zudem profitieren Angestellte von größtmöglicher Flexibilität und individuellen Arbeitszeitmodellen, was sich positiv auf die Motivation der Mitarbeitenden und das Gefühl der Betriebszugehörigkeit auswirkt.

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Bild: GFOS mbH

Die Autorin Katharina Röhrig ist Geschäftsführerin der GFOS mbH und Expertin für Digitalisierung und smarte IT-Lösungen.


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