SAP PEO: So sieht die neue Lösung in der Praxis aus

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Die SAP-Lösung Production Engineering and Operations (PEO) richtet sich an Industrien, die im weitesten Sinn in der diskreten Fertigung tätig sind. Sie vernetzt Konstrukteure, Planer, Fertigungssteuerer, Arbeitsvorbereiter und Werker unter einer Plattform mit der gleichen Datenbasis.
SAP PEO: So sieht die neue Lösung in der Praxis aus

Quelle: asharkyu/shutterstock

Nimmt man die Geschäftsprozesse von fertigenden Unternehmen genauer unter die Lupe, sticht einem die Vielzahl an heterogenen Systemlandschaften ins Auge, die aus diversen PLM-, QM-, MES- und ERP-Software-Lösungen besteht.

Darunter leidet die Effizienz der Produktion deutlich. Grund: Engineering- und Order-Change-Prozesse verursachen aufgrund der unzureichenden Integration und der damit einhergehenden komplexen bidirektionalen Systemschnittstellen hohe Prozess- und Qualitätskosten. Insbesondere wenn man eine zunehmende Produktvielfalt durch Engineer-to- Order (ETO), Make-to-­Order (MTO), Configure-to-Order (CTO) und Assemble-to-­Order (ATO) ins Kalkül zieht, die typisch für den Sondermaschinenbau und seine komplexen Produkte mit einer vergleichsweise langen Durchlaufzeit ist. Das stellt vor allem Anwender vor die schwierige Aufgabe, ein solides Change-Management zu etablieren, das den eigenen und den Ansprüchen des Kunden entspricht.

Game Changer S/4HANA

Die Antwort von SAP auf diese Problematik heißt „Production Engineering“ und „Production Operations“ – kurz PEO. Mit diesem Modul, das vollständig in S/4HANA integriert ist, lässt sich die Produktionslandschaft homogenisieren, denn aus technischer Sicht ist SAP PEO zwischen der Produktentwicklung (R&D) und dem Aftersales-Service – also in der Fertigung – angesiedelt. Im Kern besteht die Lösung aus den zwei großen Bereichen PE und PO, die etliche Sub-Module und -Funktionen enthalten.

Bislang bot das Kernsystem von SAP keine vernünftige Schnittstelle für die Datenübergabe in SAP PP, weswegen Anwender mit Listen ohne 3D-Modelle hantieren mussten. S/4HANA hingegen ist mit der neuen TDMI-Schnittstelle (Team Data Management ­Interface) ausgestattet. SAP PEO versteht dadurch alle gängigen CAD- und PLM-Systeme etwa von Siemens (Teamcenter), Solidworks oder PTC (Windchill).

Auf diese Weise lassen sich beispielsweise Engineering-Stücklisten mit 3D-Modellen und zusätzlich mit PMI-Daten (Produkt Manufacturing Information) wie Toleranzangaben oder Schweißpunkten anreichern und in das SAP-Kernsystem transferieren. Das ermöglicht sehr granular aufgelöste komplexe Arbeitsabläufe, die mit 3D-Stücklisten verknüpft sind. Ein integriertes QM-Modul stellt außerdem eine fertigungsbegleitende Prüfung zur Verfügung.

SAP PEO unter die Lupe genommen

Doch wie sieht SAP PEO in der Praxis aus? Ein Standard-Prozess beginnt damit, dass aus dem PLM-System eine geänderte oder neue Stückliste für ein Produkt übergeben wird. Das Modul kann dabei sowohl mit Konstruktionsstücklisten (EBOM), als auch mit allen Arten von Fertigungsstücklisten (MBOM) agieren. Diese werden im SAP PEO einem Change Record zugeordnet, auf dessen Basis sich eine „Impact-Analyse“ (Wirkungsanalyse) durchführen lässt. Speziell die App ­„Impact-Analysis“ schließt somit eine Lücke, die man bisher in vielen SAP-Projekten identifiziert hat. Sie unterstützt so die Fertigung bei der schnellen und effizienten Bestimmung aller Fertigungsobjekte, die potenziell von einer Änderung betroffen sind – etwa ­Arbeitspläne, Stücklisten, Fertigungsaufträge, oder Bestellungen.

Änderungen an MBOMs – etwa Arbeitsplänen oder Fertigungsaufträgen – lassen sich direkt aus der „Change Record“-App heraus planen und durchführen. Damit fungiert sie als zentrales Tool zur Analyse, Planung und Ausführung der Änderungen.

Mit dem „Visual Enterprise Manufacturing Planner“ (VEMP) bietet PEO außerdem ein neues Werkzeug für das MBOM-Management an, dass die Übergabe der Konstruktionsstruktur an die Fertigungsstruktur mit Hilfe eines interaktiven 3D-Modells ermöglicht.

SAP PEO: Multiple Aktivitäten

Ein weiteres Highlight von SAP PEO ist die Nutzung von Vorgangsaktivitäten – ein Feature, dass sonst überwiegend aus MES-Softwarelösungen bekannt ist. Damit stellen die Fertigungsplaner einzelne Produktionsvorgänge eines Arbeitsplans in multiplen Aktivitäten dar, und können den Detaillierungsgrad so wesentlich erhöhen. Im Vergleich zu den bekannten Untervorgängen aus dem ERP haben sie dabei volle Funktionalität. Alle Aspekte eines Arbeitsablaufs wie Komponentenzuordnung, Arbeitsanweisungen, Prüfmerkmale, Fertigungshilfsmittel, Dokumente, Abnahmen, Qualifikationen und Maßnahmenbearbeiter lassen sich so Vorgangs­aktivitäten zuordnen.

Damit die Effizienz der Arbeitsplanpflege ob der Vielzahl neuer Möglichkeiten nicht leidet, hat SAP die Methodik des Drag & Drop eingeführt und so die Useability verbessert.

SAP PEO ergänzt PP

Die Integration von PEO in S/4HANA bedeutet nicht, dass damit das klassische SAP PP abgelöst wird, sondern man muss es vielmehr als Ergänzung betrachten. Alle PP-Funktionalitäten, beispielsweise Stücklisten- und Arbeitsplanauflösung oder Auftragseröffnung und -freigabe, stehen weiterhin zur Verfügung und agieren vollständig homogen mit den neuen Applikationen und Funktionen.

Die Vorgänge werden hauptsächlich zur Planung, Terminierung und Kalkulation verwendet, wohingegen die neu eingeführten Aktivitäten in der Shop Floor Execution zum Einsatz kommen. Eine Besonderheit stellt auch die Fertigung von serialisierten Baugruppen da. Hier bieten Order Management und Order Control als Module des PO erweiterte „Track & Trace“-Funktionalitäten im Rahmen der Serialisierung.

Die vielerseits bekannten Arbeitsvorratslisten, die in Industrieunternehmen oft mit Hilfe von Excel oder Z-Tools im SAP aufwändig erzeugt werden, lassen sich jetzt direkt in SAP PEO aufrufen. Dabei unterscheidet die neue Lösung zwischen personalisierten Work Queues für Werker oder Queues, die Arbeitsplatz- oder Ressourcen-­basiert sind. Rückstände, Defekte und Buy-offs kann man direkt über ein User ­Interface (Perform Operation Activity) initiieren, das für den Werker geschaffen wurde. Alle Informationen, die sich bei der Durchführung von Aktivitäten ansammeln, ­dokumentiert das Aktionsprotokoll – in Granularität der Seriennummer. Ebenso alle Rückstände, Defekte und Buy-offs. Das erhöht die Prozesssicherheit und vermeidet teure Nacharbeiten. Für die gesamten Funktionen bietet das System neben klassischen GUI-Transaktionen eine Vielzahl von benutzerfreundlichen Applikationen im SAP-Fiori-Launchpad an.

SAP PEO
SAP PEO: Die Lösung besteht aus den zwei großen Bereichen „Production Engineering“ und „Production Operations“ mit ihren Sub-Modulen und -Funktionen. Bild: Consilio

Gleiche Datenbasis für alle

Auf dieser Grundlage ist es möglich, End-to-End-Prozesse mit einer lückenlosen Traceability in Bezug auf Engineering Changes zu implementieren und zu etablieren. Damit erhalten Konstrukteure, Planer, Fertigungssteuer, Arbeitsvorbereiter und Werker eine Plattform, die auf die gleiche Datenbasis zugreift.

Fazit: Mit PEO gibt SAP produzierenden Unternehmen ein Werkzeug in die Hand, das Prozesse wie Auftragsmanagement und Produktionssteuerung (Production Order Management & Control), Arbeitsdurchführung (Operations) sowie Rückverfolgung und Qualitätssicherung (Tracking & Genealogy) umfasst und damit Arbeitsvorbereiter, Meister und Werker bei der Auftragsdurchführung unterstützt. Durch diese intelligente Vernetzung aller Prozessbeteiligten in der Fertigung, bietet die neue Funktion einen wichtigen Beitrag in Hinblick auf eine integrierte, effiziente und vor allem wirtschaftliche Prozesskette von der Produktentwicklung bis zur Produktion – auch bei Losgröße 1.

Der Autor Dominik Karosser ist Partner der Consilio GmbH.

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