Prozessorientierung in der Fertigungs-IT: Unterstützung und Führung über das MES

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print

Prozessorientierung in der Fertigungs-IT: Unterstützung und Führung über das MES

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print
Performancegetriebene Prozess- und Projektstrukturen sind die präferierten Organisationsformen vieler Industriebetriebe. Doch was heißt das für die Praxis und für die eingesetzte Fertigungs-IT? Von Simone Cronjäger
Prozessorientierung

Quelle: Monkey Business Images/Shutterstock

Während sich moderne Unternehmen immer stärker an ihren Prozessen ausrichten (Prozessorientierung), um flexibel am Markt agieren zu können, sind betriebswirtschaftliche Applikationen noch größtenteils nach Funktionen modularisiert. Dies deshalb, weil die Anpassung des Programmcodes nicht mit der Veränderung von Unternehmensprozessen Schritt halten kann.

Prozessorientierung in der EDV

Um den Unternehmen trotzdem die Möglichkeit zu geben, ihre Abläufe zu verändern, werden die Anwendungen mit Funktionalität aufgeblasen. Das Ergebnis: Ob Business-Software oder Shopfloor-IT – ein Großteil aller betrieblichen EDV-Systeme gleichen einer enormen Ansammlung von Funktionen mit Masken, Pull-Down-Menüs und Funktionsleisten, durch die sich der Benutzer seinen persönlichen „Trampelpfad“ erst schaffen muss.

Die Entscheidung darüber, mit welchen Funktionen sich das Tagewerk am effizientesten erledigen lässt, ist bereits bei standardisierten Abläufen eine Herausforderung. Denn in der Regel werden nur 20 Prozent des zur Verfügung stehenden Umfangs einer Standardsoftware benötigt. Berücksichtigt man nun die Veränderungen in der Arbeitswelt, gewinnt die Suche nach den richtigen Funktionen an zusätzlicher Komplexität.

Anwender sind zudem angehalten, ihre Arbeit standortungebunden zu erledigen – und das natürlich schnell, zuverlässig und in hoher Qualität. In der Konsequenz nimmt die geforderte Ablaufgeschwindigkeit kontinuierlich zu, während die eingesetzten Softwareprodukte in der mobilen Anwendung wenig Usability bieten. Diese Kombination trägt kaum zur gewünschten Prozesssicherheit und -effizienz bei.

Damit nicht genug: Viele Menschen erfahren in ihren Arbeitsgebieten und Kompetenzbereichen einen kontinuierlichen Wandel. Sei es durch projektbasiertes Arbeiten, wechselnde Kundenprojekte oder zyklische Job-Rotation – die Aufgaben und die damit einhergehende Softwareunterstützung ändert sich in modernen Arbeitsorganisationen deutlich häufiger als noch vor ein paar Jahren.

Prozessorientierung: Comfort by Design

Der Königsweg aus diesem unproduktiven Datenmanagement liegt für den Shopfloor-Spezialisten Carl Zeiss MES Solutions im prozessorientierten Software-Design. Diese Philosophie drückt sich nicht nur dadurch aus, dass sämtliche Produkt- und Prozessdaten entlang der operativen Wertschöpfungskette durchgängig erfasst und ausgewertet werden können. Sie manifestiert sich auch darin, dass sich alle Benutzermasken arbeitsprozessorientiert individuell anpassen lassen.

Egal, ob Einkäufer, Produktions- und Qualitätsverantwortlicher, Maschinenführer oder Service-Mitarbeiter: Der designorientierte Technologieansatz im MES stellt die richtigen Funktionen in der richtigen Form zur richtigen Zeit bereit.

Über den Tellerrand schauen

So weit, so gut. Doch für ein effizientes Prozessbild über die gesamte Wertschöpfung sind nicht nur saubere Einzelabläufe entscheidend – etwa die Abarbeitung klar definierter In-Prozess-Kontrollen. Es gilt, über den Tellerrand von Arbeitsschritten und Abteilungen hinauszusehen und deren Verflechtung mit vor- und nachgelagerten Tätigkeiten zu berücksichtigen. Betrachtet man etwa die Aufgaben im Qualitäts- und Produktionsmanagement, lässt sich diese Klarheit nicht erkennen.

ProzessorientierungQuelle: Zeiss MES Solutions
Prozessorientierung und Dynamisierung in der Montage: Je unerfahrener der Werker, umso stärker erfährt er Unterstützung und Führung über das MES.

Abhängig von der Komplexität eines Produkts, den Vorgaben eines neuen Kunden oder den gesetzlichen Vorschriften bestimmter Märkte ist es durchaus möglich, dass sich die Arbeitsroutinen rund um dieselbe Grundtätigkeit maßgeblich voneinander unterscheiden. In diesem Fall benötigt der MES-Anwender zum einen eine deutlich größere Funktionsvielfalt, die sich nichtsdestotrotz an den aktuell benötigten Prozessen orientiert. Zum anderen sind die definierten Abläufe mit den Arbeitsroutinen weiterer Wertschöpfungsteilnehmer vernetzt – etwa die Prüfplanung mit der Kennzahlenanalyse und dem Controlling.

Bausatz an Funktionsnetzen

Die Kopplung von Prozessorientierung und Kontextsensitivität im Oberflächenaufbau erfahren Anwender des MES Zeiss Guardus unter anderem durch die Funktionsnetze. Diese standardisierten und zugleich dynamischen Funktionscluster stehen für jedes MES-Modul als alternative Oberfläche zur Verfügung und richten sich an den jeweiligen Aufgabenstellungen der Anwender aus – sei es situations- und produktbezogen oder kundenspezifisch. Im Vordergrund stehen vor allem die vielschichtig vernetzen und hochflexiblen Management-Bereiche, denn gerade hier treten die beschriebenen Prozessvarianzen häufig zu Tage.

So führen etwa die Informationswege zum finalen Prüfplan einmal über den Control-Plan, ein anderes Mal über die CAD-Zeichnung und beim dritten Kunden über den Varianten-Prüfplan. Die Folge: Je nach Ablauf liefert das MES-Funktionsnetz „Prüfplanung“ die notwendigen Funktionsbündel inklusive komfortabler User-Gateways zu Drittanwendungen in einer intuitiven Bedienoberfläche.

Ablauforientierung trifft Prozesssteuerung

Das Prinzip der Ablauforientierung lässt sich nicht nur bei der Auswahl, Anordnung und Kombination von Funktionen auf einer Oberfläche anwenden. Weitergedacht dient es auch der konkreten Lenkung und Abarbeitung von Arbeitsschritten. Besonders deutlich wird dieser Mehrwert in der Montage. Hier kann ein MES mithilfe aktiver Werkerführung für Prozesssicherheit, Effizienz und/oder Gesetzeskonformität sorgen. Letzterer Aspekt ist vor allem in dokumentationssensiblen Branchen wie der Medizintechnik sowie der Luft- und Raumfahrt bedeutsam.

Damit jeder Handlungsablauf in der Montage schnell und zuverlässig vonstattengeht, leitet das MES seine Anwender Schritt für Schritt durch alle Aufgaben und stellt die dafür notwendigen Informationen proaktiv auf individuellen Arbeitsmasken zur Verfügung. Dazu gehören Montageanleitungen für jeden Arbeitsschritt sowie begleitende Dokumente, Stücklisten und Bilder. Hinzu kommt die punktgenaue Bereitstellung der zugehörenden Prüfungen und Funktionen zur historienfesten Qualitäts- und Produktionsdatenerfassung.

Im Durchlauf der einzelnen Arbeitsschritte werden sowohl der Verbau einer Baugruppe strukturiert dokumentiert als auch die Prüf- und Testergebnisse detailliert hinterlegt. Ziel ist der gesetzeskonforme Aufbau einer elektronischen Geräteakte sowie die lückenlose Rückverfolgbarkeit.

Neben der aktiven Prozesssteuerung reduziert das datenbankgestützte Management aller begleitenden Montageunter­lagen den Verwaltungsaufwand erheblich. Das Erstellen, Freigeben und Verteilen der digitalen Dokument- und Sprachversionen geschieht buchstäblich auf Knopfdruck. Veraltete oder fehlende Papierdossiers gehören so der Vergangenheit an.

Ablauforientierung trifft Dynamisierung

Einen zusätzlichen Performance- und Qualitätsgewinn erfahren Unternehmen, die die Methoden der Ablauforientierung und -steuerung mit den betriebswirtschaftlichen Potenzialen der Prozessdynamisierung verschränken. Damit sind Betriebe in der Lage, den notwendigen Leistungsgrad in den Montageprozessen mit Prozess­sicherheit in Einklang zu bringen.

Zeiss nennt diese Technik „dynamische Werkerführung“. Im Zuge dessen sorgt das MES-Modul zur Mitarbeiterqualifikation für die tagesaktuelle Übersicht aller geforderten Leistungsmerkmale pro Arbeitsplatz, Prozess oder Rolle sowie für eine genaue Zuordnung zu den betreffenden Mitarbeitern. Auf diesem Fundament zeigen sich nun sämtliche relevanten Zusammenhänge zwischen Mitarbeiter, Aufgabe, Kompetenzprofil und notwendiger Werkerführung. Das bedeutet: Je nach Qualifikation sowie der Häufigkeit der ausgeführten Tätigkeiten dynamisiert das MES-Modul die bestätigungspflichtigen Schritte.

Neue Mitarbeiter erlernen die Arbeit prozesssicher und effizient innerhalb eines streng geführten Ablaufs, während erfahrene Kollegen nur noch die nachweispflichtigen Arbeitsschritte rückmelden müssen. Kommt es zu Produktänderungen oder -varianten, greift die hinterlegte Dynamisierungslogik automatisch in den Schärfegrad der Werkerführung ein. jbi

Simone Cronjäger ist Geschäftsführerin von Carl Zeiss MES Solutions.

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
E-Mail
Share on print
Drucken

Ihre Meinung zum Artikel

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Andere Leser haben sich auch für die folgenden Artikel interessiert

Werbung
Werbung

Redaktionsbrief

Tragen Sie sich zu unserem Redaktions-Newsletter ein, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Wir wollen immer besser werden!

Deshalb fragen wir SIE, was Sie wollen!

Nehmen Sie an unserer Umfrage teil, und helfen Sie uns noch besser zu werden!

zur Umfrage
Werbung
Werbung

Aktuelle Ausgabe

Topthema: Solide Datenbasis für die vernetzte Fertigung

Smart-Factory-Plattform COLMINA

Mehr erfahren

Tragen Sie sich jetzt kostenlos und unverbindlich ein, um keinen Artikel mehr zu verpassen!

    * Jederzeit kündbar

    Entdecken Sie weitere Magazine

    Schön, dass Sie sich auch für weitere Fachmagazine unseres Verlages interessieren.

    Unsere Fachtitel beleuchten viele Aspekte der Digitalen Transformation entlang der Wertschöpfungskette und sprechen damit unterschiedliche Leserzielgruppen an.