Produktion: Was Data Hubs alternativ zum ERP leisten können

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Produktion: Was Data Hubs alternativ zum ERP leisten können

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In vielen produzierenden Unternehmen dient heute ein ERP-System als zentrale Schnittstelle. Weil diese jedoch nicht dafür gedacht sind, in der Mitte der Systemlandschaft zu stehen, gibt es häufig Probleme bei Performance und Innovationsfähigkeit. Eine alternative Lösung stellt das neue Konzept der “Data Hubs” dar. Was es damit auf sich hat und wie ein Data Hub u. a. zu größerer Ausfallsicherheit und Datenverfügbarkeit beitragen kann, erklärt Christopher Möhle, COO der Berliner Technologieagentur Turbine Kreuzberg.

Quelle: Panchenko Vladimir/Shutterstock.com

Für reibungslose Abläufe in der Produktion müssen an jeder Stelle die jeweils dort benötigten Informationen verfügbar sein und präzise weiterverarbeitet werden können – egal, ob es sich um Entitäten wie Einzelteile, Werkzeuge, Bestellungen, fertige Produkte oder Akteure wie Zulieferer, Mitarbeiter oder Kunden handelt. Hierfür ist ein effizientes und fehlerfrei funktionierendes Datenmanagement unerlässlich.

Wie lässt sich das am besten in der Praxis umsetzen? Zunächst der Ist-Zustand in deutschen Unternehmen: Hier dominieren seit Jahrzehnten die sogenannten Enterprise-Resource-Planning-, kurz ERP-Systeme. Ursprünglich im Laufe der 80er Jahre entwickelt, um die Bereiche Produktion, Einkauf und Verkauf miteinander zu verbinden, wurden ERP-Systeme über die Zeit um immer mehr Teilbereiche erweitert, sodass sie heute bei den meisten Unternehmen als Schaltzentrale in der Mitte der gesamten Systemlandschaft stehen. Je komplexer jedoch die Anforderungen des Datenaustauschs in modernen Unternehmen werden, desto deutlicher stellt sich heraus, dass ERP-Produkte für alles gemacht sind, außer Integrationsknotenpunkt für andere Systeme zu sein.

Warum ERP-Systeme nicht ins Zentrum der Systemlandschaft gehören

Dies wird schnell ersichtlich beim Blick auf die übliche interne Vernetzung eines mittelständischen Unternehmens. Während im Zentrum der Architektur das ERP-System steht, sind sämtliche Communication-, Commerce- und Customer Relations- als auch Execution-Systeme über Schnittstellen mit dem ERP-System verbunden. Bei der Informationsvermittlung zwischen all diesen Knotenpunkten steht dem ERP-System nun oftmals seine langsame Datenbank im Wege sowie die Tatsache, dass es eingehende und ausgehende Daten jeweils transformieren muss, anstatt die Datenströme grundlegend zu harmonisieren. Hinzu kommt die generell schlechte Integrationsfähigkeit mit der Konsequenz, dass beim Austauschen einzelner Systeme immer auch der Datenweg über das ERP in sämtliche andere Systeme mitbeachtet werden muss.

Ein neues Paradigma: die Data Hubs

Wie es stattdessen besser gehen kann, zeigt das Konzept der sogenannten “Data Hubs”. Den Kern dieser Systemstruktur bildet ein System, das wie eine Wirbelsäule in die Mitte der Systemschichten eingefügt wird. Dieser Hub bündelt die komplette Datenstrukturhoheit mitsamt den Zustandsänderungen aller Datensätze, dem Rollenmanagement und Schnittstellen, während sich alle Systeme über eine granulare Schnittstelle mit ihm verbinden können. Anstatt also einer linearen und verzweigten Kommunikation beim ERP-System mit diversen Abhängigkeitsketten zu folgen, gibt der Hub eine einheitliche Standard-Datenstruktur vor, mit der eine flexible Datenvermittlung zwischen allen Systemen möglich wird. Hiervon profitieren letztlich alle Systeme des Unternehmens, da sie zum einen schneller und effizienter miteinander kommunizieren und zum anderen jeweils problemlos ausgetauscht und erweitert werden können, ohne zusätzliche Risiken und Kosten für die gesamte Landschaft zu verursachen. Die Aufwände für etwaige Integrationen sind schlicht erheblich niedriger.

Neue Datenverknüpfungen für eine intelligente Produktionsplanung

Welche Vorteile bedeutet das für die Produktion? Zunächst entstehen durch das zentrale Datensystem vor allem neue Möglichkeiten für Verknüpfungen, die bisher nur schwer möglich waren. Ein Beispiel: Nehmen wir an, ein internationaler Autohersteller nutzt ein Data Hub zur Abbildung der gesamten Organisation. Dadurch, dass die zuvor bereits vorhandenen Daten nun zentral, harmonisiert und nicht redundant im Hub abliegen, könnte das Unternehmen u. a. der Frage nachgehen, in welcher Region der Welt die meisten Kund:innen in einem bestimmten Monat ein bestimmtes Automodell gekauft haben und welche Einzelteile für dieses Modell notwendig sind. Diese Informationen lassen sich im Hub ganz einfach zusammenstellen und an das Sourcing-System geben, sodass dort vorausschauend für bestimmte Monate bestimmte Einzelteile in einer höheren Anzahl gekauft werden.

Auf diese Weise lässt sich also strategisches Einkaufen für die Produktion intelligent und automatisiert auf ein ganz neues Level heben. Der Hub stellt einen zentralen Datenpool dar, auf den alle Systeme unmittelbar Zugriff haben und der stets auf dem aktuellen Stand ist, ohne dass jemals Dubletten entstehen könnten. So lassen sich sämtliche Datensätze des Unternehmens individuell miteinander in Verbindungen bringen, wodurch Korrelationen schneller erkannt werden. Bei Bedarf ließe sich sogar ein Meteorologie-Service als weiteres System über die API anbinden und Wetterdaten mit den entsprechenden Auswirkungen auf das Kund:innenverhalten mit in die vorausschauende Produktionsplanung integrieren. Ein eher milder Herbst bedeutet dann zum Beispiel, dass sich trotz der Jahreszeit eine höhere Zahl an Kund:innen noch für den Kauf eines Cabriolets entscheidet. Der wertschöpfenden Nutzung von Daten sind keine Grenzen mehr gesetzt.

Ein Data Hub für ein datengetriebenes Zeitalter

Ohne Daten kann heute kein Unternehmen mehr wirtschaftlich und wirklich wertschöpfend produzieren und arbeiten. Erst wenn jedoch alte und monolithische Strukturen beim unternehmensinternen Datenmanagement überwunden und eine wirklich neutrale und flexible Datenschicht hergestellt ist, können Unternehmen und ihre Produktionsabteilungen frei und selbstbestimmt entscheiden, wie sie diese Daten nutzen wollen.

Autor: Christopher Möhle, COO bei Turbine Kreuzberg

Lesen Sie auch: Studie: Digitale Plattformen in der Fertigungsindustrie

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