Pilz: Warum Cyberangriffe eine ernste Bedrohung für alle sind

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Cyberkriminalität werden in vielen Fällen als eine zwar vorhandene, aber wenig greifbare Bedrohung wahrgenommen. Das es sehr schnell und massiv ganz real werden kann, zeigt sich bei Pilz: Mehrere Wochen war der Automatisierer nahezu abgeschnitten von der Außenwelt und bis heute sind noch nicht alle Folgen beseitigt. Was passiert ist.
Pilz: Warum Cyberangriffe eine ernste Bedrohung für alle sindQuelle: sdecoret/Shutterstock

„Uns passiert so was nicht“, das ist wahrscheinlich eine häufige Einstellung vieler Geschäftsführer und der Angestellten in den Unternehmen zum Thema Cyberangriffe. Dass es aber selbst vorbereitete Firmen treffen kann, zeigt das Beispiel Pilz – das weltweit tätige Unternehmen wurde Mitte Oktober durch einen Cyberangriff so schwer getroffen, dass fast die komplette IT für Wochen lahmgelegt war.

Weltweit waren Server- und Kommunikationssysteme des Automatisierungsunternehmens aus Ostfildern betroffen. Am 13. Oktober hatten die Monitoring-Systeme der Webserver von Pilz verdächtige Aktivitäten registriert und als Hackerangriff identifiziert. Um eine mögliche Ausbreitung des Angriffs sowohl im Unternehmen als auch nach außen zu verhindern, hat Pilz sofort nach dem Ausbruch des Angriffs sämtliche Netzwerke und Server des Unternehmens abgeschaltet.

Die Täter hatten jedoch bereits mit Hilfe eines Verschlüsselungstrojaners, sogenannte Ransomware, weltweit Server attackiert und einen Teil der Daten verschlüsselt.

Nach vier Wochen zieht das Unternehmen ein vorläufiges Fazit: Pilz habe den Cyberangriff gemeistert, Produktion und Kundenservice seien wieder in Gang. Insgesamt gehe das Familienunternehmen gestärkt aus dem Angriff hervor. Dabei weist das Unternehmen auf den Ernst der Bedrohungslage hin.

So hat Pilz die Ausbreitung der Cyberangriffe verhindern können

Schon innerhalb weniger Stunden nach dem Angriff hat Pilz die Behörden benachrichtigt und Anzeige erstattet. „Was diesen Angriff betrifft, sind wir bei den ermittelnden Behörden in den besten Händen, dürfen jedoch zum Vorfall selbst nur sehr wenig sagen. Damit sollen die laufenden Ermittlungen nicht gefährdet werden. Soviel jedoch kann gesagt werden: Es wurden weder Kunden- noch Lieferanten-Daten gestohlen, zudem konnten wir keine virale Ausbreitung des Angriffs feststellen. Das sind gute Nachrichten!“, kann Thomas Pilz, geschäftsführender Gesellschafter von Pilz, berichten.

In den ersten Tagen organisierte sich das Unternehmen mit Hilfe agiler Methoden über Whiteboards und sichere Messenger-Dienste, Arbeitsgruppen wurden gebildet und in Abstimmungsrunden gemeinsam Prioritäten festgelegt. Parallel zur Abwehr des Angriffs prüften Forensiker gewissenhaft, welche Bereiche des Netzwerkes betroffen waren und säuberten die Daten. Schritt für Schritt nimmt das Unternehmen seine IT-Infrastruktur wieder in Betrieb. Doch bis für alle Mitarbeiter sämtliche IT-Dienste wieder in gewohntem Umfang zur Verfügung stehen, wird wohl noch einige Zeit vergehen.

Nach dem Angriff: Die Kommunikation mit dem Kunden hat Priorität

„An erster Stelle steht die Betreuung und Belieferung unserer Kunden in der gewohnten Qualität,“ erklärt die geschäftsführende Gesellschafterin Susanne Kunschert. Mittlerweile läuft die Produktion an den europäischen Standorten wieder auf dem Niveau wie vor dem Angriff. Bis auf Weiteres arbeiten Produktion und Logistik in zusätzlichen Schichten und gewährleisten so die Lieferfähigkeit. Der Customer Support steht weltweit in direktem Kontakt zu den Kunden.

Das Unternehmen sieht in der aktuellen Situation zudem Chancen, das Unternehmen zu stärken – nicht nur mit Blick auf die IT: „Die letzten Wochen haben gezeigt: Die Technik mag ausfallen, doch der Zusammenhalt und das Miteinander der Menschen sowie der Wille, Probleme gemeinsam zu lösen, haben uns getragen. Wir sehen positiv in die Zukunft.“

Nach dem Cyberangriff: Erfahrung teilen und Bewusstsein schaffen

Kunschert weiter: „Die aktuelle Angriffswelle auf uns und viele andere Unternehmen macht deutlich, dass Cyberkriminalität immer mehr zur ernsten Bedrohung für Wohlstand und Frieden in unserem Land wird. Wir alle müssen uns dafür einsetzen, dass diese Form der organisierten Kriminalität noch mehr Beachtung findet und Unternehmen, Verbände, Behörden und Politik künftig noch stärker zusammenarbeiten, damit anderen Unternehmen und Einrichtungen unsere Erfahrungen erspart bleiben!“

Das Ziel der Cyberangriffe auf Pilz waren die IT-Systeme des Unternehmens für die sogenannte Bürokommunikation. Produkte und Lösungen jedoch, die das Automatisierungsunternehmen im Bereich Safety und Security anbietet, dienen sowohl dem Schutz von Mensch und Maschine (Maschinensicherheit) als auch dem Schutz von Maschinen und Anlagen vor unbefugtem Zugriff oder Manipulation (Industrial Security). Pilz, als Unternehmen der sicheren Automation, wird sein bestehendes Know-how im Bereich Safety und Security um die Erfahrungen aus dem aktuellen Cyberangriff erweitern und mit seinen Kunden teilen.

Weiterlesen: Was das neue Framework der Open Industry 4.0 Alliance kann

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