Gasfedern, Dämpfer und Verstellsysteme – die Produkte der Suspa GmbH verrichten ihre Dienste eher im Hintergrund: Sie sorgen dafür, dass die Heckklappe der Mercedes-E-Klasse sich automatisch schließt, der Heckspoiler beim Porsche 911 Turbo elegant ausfährt, Waschmaschinen leise schleudern und Kühlschranktüren nur leise schmatzend zugleiten.

MES Kennzahlen: Potenzial im Shop-Floor

Doch auch die Anforderungen der Kunden steigen stetig. Gefordert wird die zeitnahe und flexible Bearbeitung von Aufträgen und noch größere Liefertreue bei geringeren Kosten. „Ein Eckpfeiler unserer Geschäftsstrategie ist deshalb, die Qualität der Betriebsabläufe in allen Bereichen durch eine moderne und konsolidierte IT-Landschaft kontinuierlich zu verbessern“, erklärt Jürgen Nothof, Leiter Global IT bei Suspa.
Durch die unternehmensweite Standardisierung und Harmonisierung der betriebswirtschaftlichen Prozesse in einem zentralen ERP-System von SAP ist man auf diesem Weg ein großes Stück vorwärtsgekommen. Doch insbesondere in der Fertigung wollen die Verantwortlichen durch eine optimierte Nutzung und Auslastung von Anlagen und schnellere Durchlaufzeiten die Produktivität nachhaltig steigern und Kosten dauerhaft senken.

Pro Jahr stellt Suspa 70 Millionen Teile für 50 Produkte in 1.500 Varianten für Autos, Maschinen, Möbel sowie Medizintechnik und Elektrogeräte her – und die Variantenvielfalt wächst.

MES Kennzahlen: Aktuelle Sicht auf den Shop-Floor

„Dazu brauchen wir eine aktuelle Sicht auf das Produktionsgeschehen und – möglichst in Echtzeit – exakte Kennzahlen zu Fertig-, Gut- und Ausschussmengen, Stillstand-, Stör- und Rüstzeiten oder zur Maschineneffektivität (Overall Equipment Effectiveness, OEE)“, erklärt Jürgen Nothof. Deshalb erfasst man die Daten aus produktionsnahen Systemen seit kurzem mit dem Manufacturing-Execution-System (MES) von der Firma Orbis, die auch mit der Implementierung beauftragt ist.
Ausschlaggebend für die Wahl der Lösung war, dass sie komplett auf SAP-Technologie basiert und sich nahtlos ins ERP integriert. Diese Anforderung erfüllte Orbis und ebenso ist die Akzeptanz bei den Endanwendern hoch. Denn auch die zeitgemäßen Bedienoberflächen gefallen, die auf dem Multi-Process-Viewer basieren, einer Komponente der Multi-Process Suite (Orbis MPS). Zudem stellt das MES Kennzahlen (Key Performance Indicator, KPI) nach dem VDMA-Einheitsblatt 66412 standardisiert bereit.

Echtzeitsicht auf die Fertigung

Die Produktionskennzahlen werden nun elektronisch erfasst und sofort automatisch weiterverarbeitet. Somit erhalten Produktionsmitarbeiter, Maschinenbediener und Produktions- sowie Werksleiter eine Echtzeitsicht auf das Fertigungsgeschehen.
Da die Daten zu dem Zeitpunkt verfügbar sind, an dem sie entstehen, und nicht erst Stunden oder Tage später, können Einsatz und Auslastung von Maschinen und Personal besser geplant werden. Anhand der KPIs aus der Produktion lässt sich außerdem nachvollziehen, ob die in den SAP-Arbeitsplänen berechneten Zeiten, etwa für das Auf- und Abrüsten oder für den Personaleinsatz, korrekt sind.

In Sulzbach-Rosenberg sind 25 Maschinen ans MES angeschlossen. Die Produktions­standorte in Altdorf, Tschechien und China sollen bald folgen.

Jede Störung sofort erkennen mit MES Kennzahlen

Die IT-gestützten Prozesse sorgen da­rüber hinaus für einen durchgängigen Informationsfluss von der Fertigungshalle bis hin zu Werksleitung und Geschäftsführung. Die KPIs aus dem Shop-Floor lassen sich komfortabel per Knopfdruck abrufen und werden auf einer webbasierten Cockpit-Oberfläche grafisch übersichtlich visualisiert.
Durch Ampelfunktionen erkennt der Nutzer sofort, ob seine Maschine bei der Bearbeitung eines Auftrags über, im oder unter Plan liegt, ebenfalls angezeigt werden Störzeiten sowie Gut- und Ausschussmengen. Ausnahmesituationen lassen sich auf diese Weise sofort erkennen, und es kann ohne Verzögerung darauf reagiert werden.
Das MES erfasst auch die Ursachen für Störungen, Stillstände oder zu hohe Rüstzeiten. Fertigungssteuerer oder -ingenieure können diese detailliert auswerten und mit historischen Daten vergleichen. „So lässt sich zum Beispiel herausfinden, ob eine Anlage bestimmte Störungsmuster aufweist. Daraus können wir dann gezielt Maßnahmen zur Verbesserung der Laufzeit und der Qualitätsrate ableiten“, kommentiert Jürgen Nothof.
Die Produktions- und Werksleitung kann in der MES-Lösung die Analyseergebnisse, aggregiert auf Werksebene, abrufen, während die Geschäftsleitung die Auswertungen in aufbereiteter Form von den Mitarbeitern des Werk-Controllings erhält.

MES Kennzahlen: Vorausschauende Instandhaltung

Auch Instandhaltungsmaßnahmen können nun zeitnah und vorausschauend durchgeführt werden, was teure Stillstandzeiten reduziert. Sobald eine Störmeldung vorliegt, egal ob sie aus der Maschinensteuerung kommt oder per Handeingabe am Terminal erfolgt, wird in der MES-Lösung die SAP-Instandhaltungsmeldung angelegt, die direkt in die SAP-Software fließt.
Dort wird ein Instandhaltungsauftrag erzeugt und dem Auftragsvorrat im MES hinzugefügt, wo er flexibel und nach Bedarf bearbeitet werden kann. Die für die Reparatur relevanten Informationen, etwa zur Arbeitsstation, Seriennummer oder zu Handbüchern, sind übersichtlich in einem Cockpit zusammengefasst. Hat ein Instandhaltungstechniker eine Aufgabe erledigt, erfasst er seine Arbeitszeit und den Materialverbrauch in der MES-Anwendung, die die Daten sofort an SAP übergibt, wo sie umgehend verbucht werden.

Jürgen Nothof, Leiter Global IT bei Suspa, über MES Kennzahlen

Ungeplante Ausfälle vermeiden dank MES Kennzahlen

Geplante Wartungsintervalle lassen sich in der MES-Lösung ebenfalls lückenlos überwachen, sodass Techniker optimal eingeplant und Ersatzteile termingerecht beschafft werden können. Durch die proaktive Instandhaltung sinkt das Risiko eines ungeplanten Ausfalls oder Defekts, und kostspielige Reparaturen lassen sich vermeiden.
Da die MES-Lösung auch den Abschluss eines Fertigungsauftrags teilweise automatisiert an das ERP zurückmeldet, erhält das Unternehmen eine klare Sicht auf den aktuellen Materialbestand in der Produktion. Materialengpässe können somit schnell identifiziert und Gegenmaßnahmen zeitnah eingeleitet werden.

Von Sulzbach bis China

Alle 25 Maschinen des Suspa-Werks in Sulzbach-Rosenberg sind an das MES angeschlossen. Anlagen, die „Rennerteile“ herstellen, sind vollautomatisch angebunden, die anderen manuell. Zurzeit wird die Lösung am Stammsitz in Altdorf eingeführt; sie arbeitet bereits mit der ersten Maschine produktiv. Ab 2016 sollen das neue tschechische Werk in Bor und später auch der Produktionsstandort in China an die MES-Lösung angebunden werden. Mittelfristig ist geplant, auch die SAP-Software für das Qualitätsmanagement einzuführen und Daten aus den Messsystemen direkt in das MES zu übertragen.
„Mit dem MES bringen wir mehr Licht in die Werkshallen, gestalten Produktionsprozesse effizienter und flexibler und erhöhen die Liefertreue gegenüber unseren Kunden“, fasst Jürgen Nothof zusammen. „Zudem können wir Kennzahlen aus der Produktion jetzt auch nahtlos mit betriebswirtschaftlichen Daten und Vorgängen in SAP verknüpfen.“ Mit dieser vertikalen Integration hat Suspa auch die Grundlage für eine intelligente Fabrik nach dem Industrie-4.0-Konzept geschaffen. (jbi)

Dr. Andreas Schaffry ist Fachjournalist aus Weyarn.

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