Kreislaufwirtschaft in der Fertigungsindustrie – 3 Trends für 2021

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Kreislaufwirtschaft in der Fertigungsindustrie – 3 Trends für 2021

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Ressourcen schonen, Abfall und Emissionen reduzieren: Auch die Fertigungsindustrie denkt Nachhaltig. Drei Trends für 2021.
Colin Elkins

Quelle: IFS

Nachhaltigkeit und ein stärkeres Umweltbewusstsein erfahren auch in der Fertigungsindustrie neue Aufmerksamkeit. Viele Hersteller überdenken ihre Methoden und streben eine neue Strategie für Produktentwicklung und -fertigung an, bei der Ressourcen möglichst effizient eingesetzt werden. Der Übergang von der Linearwirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft spielt dabei eine entscheidende Rolle. Damit sollen Ressourcen geschont, die Abfallproduktion minimiert und Emissionen reduziert werden. Colin Elkins, Vice President Manufacturing bei IFS, stellt drei Trends basierend auf dem Modell der Kreislaufwirtschaft vor, die die Fertigungsindustrie im kommenden Jahr beschäftigen werden.

Unternehmen müssen ihre Geschäftsprozesse überdenken und Produktionsstätten umrüsten

Ein Geschäftsmodell auf Basis der Kreislaufwirtschaft erhöht den Druck auf produzierende Unternehmen, ihre Geschäftsprozesse zu überdenken – nicht nur im Hinblick auf Qualität und Profitabilität, sondern auch beim Energie- und Ressourcenbedarf ihrer Lieferketten sowie der Erzeugung von Abfallstoffen. Klar ist: Eine nachhaltige Geschäftsstrategie lohnt sich für Hersteller aus finanzieller Sicht. Ein Beispiel ist DyeCoo, ein niederländischer Textilproduzent, der einen Färbeprozess komplett ohne Wasserbedarf entwickelt hat. Dazu nutzt DyeCoo ein hochverdichtetes, recyclingfähiges Kohlendioxid und kann bei einem signifikant reduzierten Energiebedarf doppelt so schnell produzieren- und das, ohne dabei Gewässer zu belasten.

Abseits von Prozessen betrifft das neue Nachhaltigkeitsbewusstsein auch die Produktionsstätten selbst. Fabriken werden um- oder aufgerüstet, um den Bedarf an fossilen Brennstoffen zu minimieren, das anfallende Abfallvolumen zu reduzieren und Emissionen zu senken. Wie etwa der britische Hersteller Macphie of Glenbervie, der mit zwei Windturbinen und einer Biomasse-Anlage seinen Energiebedarf zur Hälfte aus nachhaltigen Quellen decken kann.

Im kommenden Jahr werden noch mehr Unternehmen diesem Trend folgen und neue Geschäftsprozesse entwickeln, durch die sie Ressourcen schonen und Abfälle auf ein Minimum reduzieren können. Technologieanbieter müssen ihnen dafür Software-Lösungen bereitstellen, die mit dem Modell der Kreislaufwirtschaft kompatibel sind oder diese Prozesse erst ermöglichen.

Von linear produzierten Produkten zu kreislauffähigen Gütern

Die Etablierung entsprechender Fertigungsstätten ist jedoch nur der Anfang. Ebenso müssen Unternehmen ihre Produkte überdenken und überarbeiten. Dabei geht es nicht nur um Servitization – das Angebot von Services und Dienstleistungen neben dem reinen Verkauf von Produkten – sondern vielmehr um die Transformation von linear produzierten Produkten zu kreislauffähigen Gütern.

Fertigungsunternehmen wissen bereits, dass die Adoption eines Servitization-Geschäftsmodells nachhaltige Produkte erfordert. In der linearen Wirtschaft würden Unternehmen Gewinn mit Ersatzteilen und mit klassischen Aftermarket-Services machen. Mit einem Servitization-Geschäftsmodell hingegen profitieren Unternehmen davon, wenn ihre Produkte langfristig im Einsatz sind und sie über einen längeren Zeitraum hinweg Dienstleistungen wie Wartung und Reparatur anbieten können.

Reparaturfähigkeit ist daher ein weiteres Schlüsselelement für die Kreislaufwirtschaft. Schon heute wird produkterhaltender Service bereits in der Entwicklungsphase eines Produkts eingeplant. Beispielsweise in einer Laptop-Serie der Marke Dell: Austauschbare Akkus, standardisierte Verschlüsse sowie der Verzicht auf Quecksilber und Kleber machen diese Geräte zu 97 Prozent recycelbar. Das hat noch einen weiteren Vorteil: Die Unternehmen können die recycelten Materialien kostensparend für die Produktion neuer Geräte nutzen.

Im Jahr 2021 werden die Aspekte reparaturfreundliches Design, Recyclingfähigkeit und Langlebigkeit zu den wichtigsten Entwicklungstreibern in der Fertigungsindustrie zählen. Dabei sollten Unternehmen der Versuchung einer reinen Schaufensterpolitik im Sinne eines „Greenwashings“ widerstehen – ein solcher Versuch würde vom Markt schnell abgestraft.

Remanufacturing wird in der Kreislaufwirtschaft enorm an Bedeutung gewinnen

Dies führt zu einem Thema, das in den kommenden Jahren ein enormes Wachstum verzeichnen wird: Remanufacturing, die Aufarbeitung gebrauchter Geräte. Remanufacturing ist eine wichtige Grundlage für die Kreislaufwirtschaft. Allein in Europa generiert diese Industrie einen Umsatz von 30 Milliarden Euro und beschäftigt rund 190.000 Menschen. Allerdings liegt der Anteil von wiederaufbereiteten Produkten derzeit gerade einmal bei 1,9 Prozent.

Um dieses Potential zu nutzen und von aufgewerteten Erzeugnissen profitieren zu können, müssen Fertigungsunternehmen Service-fokussierte Prozesse etablieren. Denn das Upcycling gebrauchter Güter erfordert ihre Nachverfolgbarkeit. Dazu müssen Informationen verfügbar sein, welches Produkt wann verkauft wurde, welche Komponenten es beinhaltet und worin potenzielle Schwachstellen liegen. Wenn diese Daten vorliegen, sind Unternehmen mühelos in der Lage, einzelne Teile durch recycelte Komponenten auszutauschen.

Als treibende Kraft hinter Remanufacturing spielt Recycling in der Kreislaufwirtschaft eine besonders wichtige Rolle. Die größten Hürden im industriellen Umfeld sind bisher die Sortierung und Sammlung von Materialien sowie ein fehlendes System zur Kontrolle rückgeführter Produkte für die Wiederverwertung oder Reparatur. Spezialisierte Unternehmen sind jedoch zunehmend in der Lage, Rohstoffe aus Alt- oder Restbeständen zu gewinnen und wieder in den Materialkreislauf einzuspeisen.

Fazit: Positive Effekte für Umweltschutz und Geschäftserfolg

Im kommenden Jahr und darüber hinaus wird sich die Fertigungsindustrie zunehmend damit beschäftigen, wie sie ihr neues Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit in die Praxis umsetzen kann. Die Ansätze für eine verbesserte Prozess- und Produktionseffizienz ebenso wie für Recycling und Remanufacturing sind vielfältig. Neben dem positiven Effekt von mehr Umweltschutz haben sie auch ganz konkrete Geschäftsvorteile – mehr Effizienz, eine verbesserte Unternehmensreputation, höhere Attraktivität für Investoren, stärkere Mitarbeiterbindung und eine größere Resilienz gegenüber neuen, agilen Herausforderern im Markt. Unternehmen, die heute ihre Geschäftsprozesse nach dem Kreislaufprinzip umstellen und in höhere Nachhaltigkeit investieren, sichern sich so ihre Zukunftsfähigkeit.

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