06.07.2022 – Kategorie: Digitalisierung

KI-Trainer für den Mittelstand: So klappt die Einführung

Quelle: Sikov/AdobeStock

Künstliche Intelligenz bietet großes Potenzial für die Industrie, was aber gerade mittelständische Unternehmen häufig noch nicht nutzen. Das zeigt eine aktuelle Studie von Mittelstand-Digital des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). Der Förderschwerpunkt will das ändern – insbesondere durch den Einsatz von KI-Trainern.

KI-Trainer als Lösung: Künstliche Intelligenz kann Unternehmen in Produktion und Fertigung die Wettbewerbsfähigkeit sichern. Die Vorteile der Zukunftstechnologie reichen von Effizienzsteigerungen bis hin zur Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen und sogar digitale Geschäftsmodelle. Studien belegen das wirtschaftliche Potenzial von KI: Laut dem Forschungsbeirat der Plattform Industrie 4.0 wird KI im Jahr 2025 einen Wertbetrag von bis 488 Milliarden Euro für die deutsche Gesamtwirtschaft erzielen, was vorrangig auf Produktivitäts- und Qualitätssteigerungen zurückzuführen ist. Anders als häufig befürchtet, führt der Einsatz von KI nicht zum Verlust von Arbeitsplätzen – ganz im Gegenteil. Im deutschen Mittelstand wird im Zuge der Einführung von KI mit einem Beschäftigungsaufbau gerechnet, da für die neuen Technologien eine große Anzahl von Spezialisten benötigt werden.

Studie zeigt Notwendigkeit der KI-Trainer

Trotzdem kommt KI im deutschen Mittelstand noch vergleichsweise selten zum Einsatz. Lediglich sechs Prozent aller Unternehmen greifen derzeit laut einer Studie von eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. und Arthur D. Little auf entsprechende Anwendungen zurück, wobei es sich dabei überwiegend um Großunternehmen und Start-ups handelt. Bei kleinen und mittleren Unternehmen ist der Anteil noch weit geringer. Die Studie „Künstliche Intelligenz im Mittelstand“ von „Mittelstand-Digital“ zeigt, wie es um den KI-Einsatz im Mittelstand steht, welche Hürden bestehen und wie sich diese überwinden lassen.

KI-Trainer
KMU müssen sich mit zahlreichen Fragen auseinandersetzen, wenn sie planen, KI-Technologien in ihrem Betrieb zu integrieren. Bild: Mittelstand-Digital

Mittelstand-Digital unterstützt KMU bei der Einführung von KI-Lösungen

Im Rahmen der Studie wurden die KI-Trainer und KI-Trainerinnen des Förderschwerpunkts „Mittelstand-Digital“ nach ihren Erfahrungen befragt. Sie unterstützen Unternehmen dabei, die Potenziale von KI-Lösungen zu erkennen – etwa durch Road­shows, Workshops oder Demonstrationen von beispielhaften ­KI-Lösungen. Außerdem helfen sie Mittelständlern dabei, konkrete Anwendungsfälle zu identifizieren und geeignete Lösungen zu implementieren. Ein Schwerpunkt liegt darauf, die Unter­nehmen dabei zu unterstützen, „KI-ready“ zu werden, also den notwendigen digitalen Reifegrad zu erreichen.

Die KI-Trainer unterstützen mittelständische Betriebe seit 2019 und konnten in zwei Jahren bereits über 6.500 KMU mit ihren Informations- und Qualifizierungsangeboten erreichen. Durch ihre Position an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis können sie deshalb einen umfassenderen Überblick über den Status quo der KI-Nutzung geben als die Anwender selbst.

Fehlende KI-Expertise beim Mittelstand

Mit dem kostenfreien Angebot setzt „Mittelstand-Digital“ genau dort an, wo der größte Bedarf besteht, denn auch im Rahmen der Studie stellte sich heraus, dass ein wesentliches Hemmnis bei der Einführung von KI im Mittelstand die fehlende KI-Expertise und nicht ausreichendes Know-how bei der Digitalisierung ist. Meist stehen die Unternehmen noch vor dem Problem, dass ihr digitaler Reifegrad nicht für die Implementierung von intelligenten Anwendungen ausreicht und die Datenerfassung und -aufbereitung unzureichend sind, um KI-Lösungen effektiv nutzen zu können. Zudem herrscht häufig noch nicht ausreichend Bewusstsein darüber, wie sich KI spezifisch einsetzen lässt. Hinzu kommt, dass einige Unternehmen den Aufwand überschätzen, der durch die Einführung von smarten Anwendungen entsteht. Dabei ist der Einstieg in die KI in vielen Fällen auch ohne größeren Aufwand oder hohe Kosten möglich.

Diese Unsicherheit schlägt sich auch in den Zahlen wieder, die für die Studie ermittelt wurden. So geben 60 Prozent der befragten KI-Trainer an, dass sie vorrangig mit Unternehmen in Kontakt kommen, die zurzeit lediglich erste Schritte Richtung KI machen und daran interessiert sind, Prototypen für ihren Geschäftsalltag zu entwickeln. 29 Prozent gaben an, dass sie mit Unternehmen zusammenarbeiten, die noch nicht mit der Implementierung von KI-Anwendungen begonnen haben. Und nur zehn Prozent sind bereits dazu übergegangen, KI-Tools in ihrem geschäftlichen Alltag zu erproben und zu verankern.

KI-Trainer
Die Einführung von KI-Technologien erfolgt optimalerweise in vier Stufen: Strukturierte Einarbeitung, systematische Vorbereitung, Konzepterstellung und Integration. Bild: Mittelstand-Digital

Praxisbeispiele zeigen die Vorteile von KI

Erfolgreich umgesetzte Digitalisierungsprojekte belegen bereits eindrucksvoll, wie gut die Zusammenarbeit zwischen den KI-Trainern von „Mittelstand-Digital“ und mittelständischen Unternehmen gelingen kann und welche Möglichkeiten durch den Einsatz der richtigen KI-Anwendung für die Unternehmen entstehen. Sowohl die Helmut Meeth GmbH & Co. KG aus Wittlich als auch die Günther Effgen GmbH aus Herrstein in Rheinland-Pfalz erarbeiteten gemeinsam mit den Experten von „Mittelstand-Digital“ KI-gestützte Lösungen zur Qualitätskontrolle.

Bei der Helmut Meeth GmbH werden angelieferte Glasscheiben automatisiert mit Kameras und KI-Software auf Qualität überprüft, um in Anschluss zu hochwertigen Fenstereinheiten weiterverarbeitet zu werden. Bei dem Werkzeughersteller Günther Effgen überprüft KI-Software die Qualität der Beschichtung von Bohrköpfen. Beide Aufgaben waren für die Mitarbeitenden bislang eher ermüdend und mit großem Zeitaufwand manuell zu bewältigen. Die automatische Kontrolle über KI gestaltet den Fertigungsprozess nun erheblich effizienter.

Die Woll Maschinenbau GmbH aus Saarbrücken suchte mit Hilfe der Trainer eine KI-gestützte Lösung, mit der sich komplexes betriebliches Wissen über mehrere Generationen hinweg sichern lässt. Um Bauteile und Materialien im Sondermaschinenbau korrekt und entsprechend der gesetzlichen und kundenspezifischen Anforderungen zu kennzeichnen, wurde mit Hilfe der Experten von „Mittelstand-Digital“ eine KI-gestützte Wissensdatenbank entwickelt, um neue Mitarbeitende bei der Auswahl der geeigneten Kennzeichnungstechnologie zu unterstützen. Die Datenbank bezieht die Informationen aus historischen Kennzeichnungsdaten zu einem ähnlichen Bauteil oder durch manuelle Eingabe von projektspezifischen Informationen. So geht essenzielles Wissen auch dann nicht verloren, wenn die erfahrenen Mitarbeiter, die über die entsprechenden Informationen verfügen, den Betrieb verlassen.

KI-Trainer
Experten gehen davon aus, dass künstliche Intelligenz in fünf bis zehn Jahren allgegenwärtig sein wird. Bild: Mittelstand-Digital

KI-Trainer: Know-how zu digitalen Technologien vermitteln

Zum Angebot von „Mittelstand-Digital“ zählt neben den KI-Trainern auch ein bundesweites Netzwerk aus regionalen und thematischen Zentren, die Know-how über digitale Technologien verständlich aufbereiten und als unterstützende Anlaufstelle für mittelständische Unternehmen dienen. Über das ebenfalls zum Förderschwerpunkt zählende Investitionszuschussprogramm „Digital Jetzt“ können Unternehmen zudem finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung von Digi­talisierungsprojekten beantragen. Für Unternehmen, die sich einen allerersten Überblick über potenzielle KI-Anwendungen in ihrem Betrieb verschaffen wollen, startet in Kürze außerdem der KI-Anwendungs-Guide. Dabei handelt es sich um einen Onlinekurs, in dem praktisch erklärt wird, was die ersten Überlegungen auf dem Weg zur KI sein sollten. Dazu gibt es ein Übungsheft und eine Anwendungsfall-­Bibliothek mit über hundert Use Cases, die Unternehmen inspirieren sollen, sich mit den potenziellen Möglichkeiten von KI in ihrem Geschäftsalltag auseinanderzusetzen. So können kleine und mittelständische Unternehmen einfach und unkompliziert den ersten Schritt in eine KI-gestützte Zukunft machen. Und auch bei allen darauf aufbauenden Vorhaben unterstützt ­„Mittelstand-Digital“ tatkräftig.

Der Autor Martin Lundborg ist Leiter der Begleitforschung bei Mittelstand-Digital.

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