Im Gespräch: Digitalisierung und Automatisierung – wie schaffen das die KMUs?

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Gerade die kleineren Industrie-Unternehmen fragen sich, ob Ihre Mittel reichen, um den Wandel zu schaffen, der in Sachen Digitalisierung und weitere Automatisierung auf Sie zurollt. Stefan Ehrlich, Vorstand des IT-Dienstleisters SQL, gibt überraschende Antworten.
Digitalsierung und Automatisierung – wie schaffen das auch die KMUs?Quelle: Billion Photos/Shutterstock

Ob Cloud Computing, Industrie 4.0-Lösungen, Big Data oder Machine Learning: Viele mittelständische Unternehmen der Industrie befassen sich längst mit den Technologien der Digitalisierung und setzen sie bereits ein. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls der ‚Digitalisierungsindex Mittelstand 2018’ von techconsult. In knapp der Hälfte der Unternehmen gehört die Digitalisierung sogar zur Geschäftsstrategie, so die Autoren der von der Telekom beauftragten Studie.

„Die deutschen mittelständischen und auch großen Industrieunternehmen sind bezüglich Digitalisierung und Automatisierung gut aufgestellt und unterlegen das mit Strukturen und Strategien“, sagt Stefan Ehrlich, Vorstand der SQL Projekt AG. Der Dresdner IT-Dienstleister für integriertes Informationsmanagement hat im Rahmen einer auf Prozessautomatisierung fokussierten Digitalisierungs-Studie Kunden unter anderem zu ihrer aktuellen IT-Landschaft, zur strategische Weiterentwicklung der IT sowie zur Nachhaltigkeit bei für Integration und Prozessoptimierung befragt. Im Gespräch erläutert der SQL-Chef, warum IT-Leiter und andere Verantwortliche im Unternehmen trotz der guten Digitalisierungs-Ausgangssituation oft Schmerzen haben und wo diese herrühren.

Digitalsierung und Automatisierung – wie schaffen das auch die KMUs?Quelle: SQL
Stefan Ehrlich von SQL, erklärt, warum kleinere Unternehmen nicht vor der Digitalisierung zurückschrecken sollten.

Digital Engineering Magazin (DEM): Wie steht es um die Digitalisierung in der deutschen Industrie?

Stefan Ehrlich: Die Digitalisierung im Unternehmen gerät immer häufiger ins Stocken. Der IT-Bereich ist derzeit oft mit vielfältigen Anforderungen überlastet – hohe Komplexität und zu wenig Ressourcen – und arbeitet primär im Reaktionsmodus. Die Firmen stehen zudem vor den Herausforderungen der (kontinuierlichen) Erneuerung der IT-Landschaft, der Beherrschung der Komplexität der wachsenden IT-Landschaft sowie des Top-Themas ‚CyberSercurity’.

DEM: Wie sieht denn der Status im IT-Bereich mehrheitlich aktuell aus?

Stefan Ehrlich: Viele unserer Kunden haben bereits eine Integrations-Lösung im Einsatz, betrachten die Vernetzung der IT-Systeme aber rein technisch, weil es oft sehr schnell gehen muss. Wird der Bezug zu den Kundenbedürfnissen und den Geschäftsprozessen nicht ausreichend berücksichtigt, werden die gesetzten Einspar-Ziele nicht erreicht oder die Ergebnisse bleiben hinter den Erwartungen zurück.


Hintergrund: Digitalisierung fällt schwer

In vielen Bereichen der Digitalisierung kommen Unternehmen gut voran. Das ist auch das Resultat des ‚Digitalisierungsmonitors 2018’ der Management- und Technologieberatung BearingPoint. Danach sind Strategien und Visionen im Vergleich zum Vorjahr inzwischen klar definiert und entsprechende Umsetzungsverantwortlichkeiten wurden festgelegt. Doch die Schere zwischen den Unternehmen öffnet sich, so die BearingPoint-Studie. Beispielsweise wählten 42 Prozent der befragten Unternehmen zwar bereits einen der beiden höchsten Reifegrade aus, jedoch steht jedes fünfte Unternehmen bei der Entwicklung der Digitalstrategie noch recht am Anfang. Gerade vornehmlich traditionellen Unternehmen, die älter als 21 Jahre sind, fällt es noch schwer, ihre Visionen auf die Anforderungen der Digitalen Transformation auszurichten.


DEM: Wo sehen Sie die Schrauben, an denen die Unternehmen noch besser in Richtung Digitalisierung drehen können?

Stefan Ehrlich: Die großen Unternehmen haben noch viel Potenzial im Bereich der durchgängigen Integration zwischen Top-Floor, Shop-Floor, Lieferanten und Kunden. Auch im Bereich der Nutzbarmachung von verfügbaren Daten im Unternehmen liegen noch Chancen auf Wettbewerbsvorteile. Oft wird hier nur auf Messwerte der Maschinen geschaut – jedoch die kostbaren und informationsreichen Daten der MES-, ERP-, CRM- und CAD-Systeme vernachlässigt.“

DEM: Gibt es hier Unterschiede hinsichtlich der Unternehmensgröße?

Stefan Ehrlich: Die kleineren Unternehmen hängen oft beim ‚am Laufen halten’ der IT-Landschaft auf dem Niveau ‚Telefon, Netzwerk, Hardware und Standard-Software’ (Betriebssystem, Datenbanken, Office und EPR) fest. Nahezu 100 Prozent der IT-Ressourcen fließen in diese Themen. Sie vernachlässigen dabei mit dem Argument ‚Digitalisieren können ja nur die Großen!’ ihre eigenen Digitalisierungspotenziale. Es gibt aber positive Beispiele, die zeigen, dass auch kleinere Mittelständler digitalisieren und automatisieren können. Bei denen fußt das aber immer auf dem Willen der Geschäftsleitung, wenn diese die Potenziale in den verfügbaren Technologien erkennt und mit etwas Mut ‚einfach mal macht‘.


4 Handlungsfelder

Unternehmen, die sich transformieren, sind laut ‚Digitalisierungsindex im Mittelstand 2018’ auf vier Handlungsfeldern aktiv: Sie verbessern die Beziehungen zu ihren Kunden, erhöhen mit digitalen Lösungen ihre Produktivität, stellen ihr Geschäftsmodell auf den Prüfstand und entwickeln es mit digitalen Technologien weiter. Dem Mittelstand ist bewusst, dass das digitale Handlungsfeld IT-, Informationssicherheit und Datenschutz die elementare Grundlage ist, ohne die alle weiteren Digitalisierungsbestrebungen zum Scheitern verurteilt wären. Für die Autoren einer von valantic CEC in Kooperation mit der Hochschule Ludwigshafen am Rhein durchgeführten Befragung zum ‚Status Quo der Digitalen Transformation’ sind die drei am häufigsten genannten Digitalisierungsherausforderungen ein fehlendes Gesamtkonzept, ein unterschiedliches Verständnis sowie unternehmenspolitische Hindernisse.


Frage: An was genau hapert es bei KMU hinsichtlich einer erfolgreichen Digitalisierung?

Stefan Ehrlich: Die Ursachen dabei sind zum eine die Unterschätzung der eigenen Möglichkeiten für Digitalisierung sowie zum anderen der fehlende aktiven Aufbau von Digitalisierungs-Wissen – organisatorisches wie technisches. Das Tagesgeschäft vereinnahmt sehr oft alle verfügbare Zeit, die dann bei der Suche nach passenden Technologien und Lösungen fehlt. Was ebenfalls bremst ist der oft missverstandene Ruf nach einer Digitalisierungsstrategie. Damit entsteht die Gefahr, dass das Thema Digitalisierung von der Unternehmensstrategie entkoppelt und in eine separate Schublade gepackt wird. Diese ist dann bereits beim ersten Blick hinein unheimlich voll mit komplizierten Aufgabenstellungen. Das demotiviert und macht das Beginnen schwer.


Fast 40 Prozent schaffen digitale Mehrwerte

Laut ‚Digitalisierungsindex Mittelstand 2018’ erzielen heute schon 39 Prozent der mittelständischen Industrieunternehmen einen digitalen Mehrwert. Für die Autoren bedeutet das: Der Nutzen der Digitalisierungsmaßnahmen übersteigt bei ihnen die entstandenen Kosten. Unter den Profiteuren seien vor allem jene Fertigungsbetriebe, die die Digitalisierung früh und konsequent umgesetzt haben. Um die digitale Transformation zu beschleunigen, investiere nahezu die Hälfte der Industrieunternehmen in die digitale Kompetenz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.


DEM: Wie können auch mittlere und kleinere Unternehmen von den Potentialen der Digitalisierung profitieren?

Stefan Ehrlich: Eine Empfehlung ist ein Outsourcing der Standard-IT mit Netzwerk, Hardware und Standard-Software inklusive Betriebssystem, Datenbanken und Office-Anwendungen an eine kompetenten Partner. Ist diese Bremse gelöst, können die vorhandenen eigenen IT-Fachkräfte wertschöpfend für eine erfolgreiche Digitalisierung und Automatisierung eingesetzt werden. Methodisch empfehle ich, statt einer separaten Digitalisierungsstrategie eine kundenfokussierte Unternehmensstrategie, welche der Nutzung von Technologien und Prozessautomatisierung eine hohe Priorität einräumt. Bei der Umsetung sollten die Unternehmen dann auf iterative Vorgehen mit vielen kleinen Schritten im Rahmen einer größeren Automatisierungs-Roadmap setzen – Stichwort Agiles Vorgehen.“

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