Digital Manufacturing Cloud: Lichtjahre von der digitalen Fertigung entfernt?

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Ist die Cloud die einzige logische Konsequenz für die Fertigung von morgen? Wie sieht es aus mit der Verfügbarkeit, wie weit sind die Unternehmen mit dem Digital Manufacturing aus der Cloud? Fragen, die Jörg Minge, Chief Operating Officer of the LoB Digital Manufacturing bei SAP, und das Sprecherteam des DSAG-Arbeitskreises Fertigung, Volker Stockrahm und Kai-Oliver Schocke, beantworten.
Digitale Transformation Digital Manufacturing Cloud

Quelle: ESB Professional - Shutterstock

Digital Manufacturing (DM): SAP möchte mit der Digital Manufacturing Cloud die Digitalisierung der Fertigung vorantreiben. Wandern somit die Manufacturing-Prozesse jetzt komplett in die Cloud?

Jörg Minge: Wir sehen die Digital Manufacturing Cloud als ein komplementäres Angebot zur On-Premise Manufacturing Suite. Das heißt, Erweiterungen wird es On-Premise und in der Cloud geben. Wobei wir bestrebt sind, den On-Premise-Kunden Einstiegsmöglichkeiten in das Cloud-Portfolio zu bieten.

Volker Stockrahm: Es wird sicher nicht jedes Fertigungsunternehmen von heute auf morgen in die Cloud gehen. Dieser Prozess benötigt eine längere Übergangszeit. Aber je mehr Funktionalitäten es in der Cloud gibt, desto mehr On-Premise-Kunden steigen um.

Oliver Schocke: Im Sinne der Daten­sicherheit halte ich eine vernünftig administrierte Cloud-Lösung für besser als eine vielleicht liebevoll, aber nur bedingt professionell abgesicherte On-Premise-Lösung, die nur zwei Stunden pro Woche betreut wird.

DM: Welche Vorteile bringt die Digital Manufacturing Cloud für Fertigungsunternehmen?

Jörg Minge: Geringere Gesamtbetriebskosten, eine bessere Skalierungsfähigkeit und ein Aufbrechen der jeweiligen „König­reiche“ für ein besseres, weltweit einheitliches Ganzes. Heute stehen ja noch größtenteils On-Premise-Lösungen in den Werken, wenn überhaupt. Es hilft nur bedingt, Fertigungsprozesse zu vereinheitlichen. Das „intelligente Unternehmen“ geht viel weiter. Es wird sich durch eine weltweit einheitliche, harmonisierte, transparente, sofort steuerbare Fertigung auszeichnen. Es wird zudem über eine durchgängige Industrial-Internet-of-Things-Integration (IIoT-Integration) verfügen, verbunden mit allen wichtigen Peripherieprozessen wie Engineering, Beschaffung, Logistik, Finanzwesen und Service. Und es wird Teil eines Netzwerks von Partnern und Kunden sein. Für den Weg dahin sind Cloud-Lösungen die einzige logische Konsequenz.

Oliver Schocke: Ich glaube auch, dass die Cloud die Unternehmen dabei unterstützen kann, noch stärker darüber nachzudenken, Fertigungsprozesse zu standardisieren. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass der Großteil der Unternehmen von der digitalen Fertigung noch Lichtjahre entfernt ist. Denn, ganz unabhängig von der IT und den Lösungen, müssen erst mentale Barrieren abgebaut werden.

DM: Welche mentalen Barrieren meinen Sie?

Oliver Schocke: Von einer globalen, intelligenten Cloud-Lösung fühlen sich viele beobachtet und manipuliert. ­Alles wird messbar und transparent. Das möchten viele Mitarbeiter nicht. Sie wollen nicht, dass ihnen eine Zentrale etwa konkrete Vorgaben macht.

Volker Stockrahm: Das kann ich bestätigen. Jeder findet diverse Funktionalitäten und die neuen Oberflächen ganz nett. Aber in der Regel möchte sich keiner in die Karten schauen lassen, egal ob auf Sales-, Logistik-, Produktions- oder Shop-Floor-Ebene.

DM: Wie kann ein Unternehmen am besten in das Digital Manufacturing einsteigen?

Oliver Schocke: Eine Werkzeugmaschine, die 2019 beschafft wird, ist natürlich vollständig IoT-kompatibel und lässt sich in alle vorliegenden Software-Programme von SAP integrieren. Aber viele Unter­nehmen setzen heute noch ­Maschinen von 1950 oder früher ein.

Jörg Minge: Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, diese in ein Digital Manu­facturing einzubinden. Zum Beispiel IoT-Nachrüstsets, einzelne Sensoren und zusätzliche Equipments, die man in Maschinen einbauen kann. Es gibt so gesehen kein Argument, um eine Gesamtprozesskette nicht zu digitalisieren.

DM: Wäre die Verfügbarkeit ein Argument gegen die Digital Manufacturing Cloud?

Oliver Schocke: Die Frage geht ja in die Richtung, wie stabil eine SAP-Umgebung in der Cloud läuft. Da spielen viele Komponenten zusammen. Man muss aus dem Standort heraus in das Internet gehen und von dort in die Cloud, in der das SAP-System läuft. Interessanterweise haben wir im Arbeitskreis noch keine Rückmeldungen erhalten, dass die Verfügbarkeit einer Cloud-Anwendung in der Fertigung schlechter wäre als ­On-Premise.

Jörg Minge: SAP hat Standard Service Level Agreements (SLA) für alle Cloud-Anwendungen, die jeder öffentlich einsehen kann. Diese gelten auch für unsere Digital Manufacturing Cloud. Zusätzlich arbeiten wir an Konzepten für eine erweiterte Digital-Manufacturing-Edge-Komponente, die wie ein reguläres Manufacturing-Execution-System arbeitet. Diese soll sich über die Cloud konfigurieren und administrieren lassen, aber vor Ort angewendet werden. Bei möglichen Verbindungsunterbrechungen soll sich über mehrere Produktionsschichten hinweg auch bei einem kompletten Netzausfall der Betrieb aufrechterhalten lassen.

DM: Welchen Nutzen ziehen die Unter­nehmen aus der Digital Manufacturing Cloud?

Jörg Minge: Ein Vorteil der Cloud besteht darin, dass Upgrades ständig und so geräuschlos wie möglich stattfinden können. Im Manufacturing haben wir uns für den quartalsweisen Ansatz entschieden. SAP stellt jeweils einen Tenant für Test und Produktivbetrieb zur Verfügung. Der Test-Tenant lässt sich frei nutzen und die Software-Stände für beide Systeme sind identisch. Für Kunden, die sich eher ein dezidiertes Testsystem „nach alter Schule“ wünschen, mit Echtzeitdaten und Extra-Entwicklungsstand, arbeiten wir aktuell an Konzepten.

DM: Wie beurteilt das Sprecherteam die Tatsache, dass bei quartalsweisen Upgrades die Systeme für diese Zeit nicht verfügbar sind?

Oliver Schocke: Die Wartungsfenster sind zwingend notwendig. Daher braucht es Lösungen, um diese mit dem 24/7-Betrieb der Fertigungsanlagen in Einklang zu bringen. Das könnte beispielsweise durch die Übermittlung eines Auftragspuffers erfolgen. Während dieser abgearbeitet wird, wäre Zeit für die Wartung. Denn Tatsache ist nun mal: Nur laufende Maschinen verdienen auch Geld.

DM: Was hält der DSAG-Arbeitskreis generell von der Digital Manufac­turing Cloud?

Volker Stockrahm: Wie eingangs erwähnt, sind viele Unternehmen einfach noch nicht so weit. Das bedeutet, die heute kauf- oder mietbaren SAP-­Anwendungen im Bereich Digital Manufac­turing werden voraussichtlich erst in ein paar Monaten oder Jahren zum Einsatz kommen. Das, was SAP in diesem Bereich anbietet, ist aus unserer Sicht gut. Und es könnte tatsächlich so einfach sein, wie es klingt, um ein digitales Unternehmen aufzusetzen.

DM: Welche Wege in die Digital Manufacturing Cloud lassen sich beschreiten?

Jörg Minge: Unser Ansatz basiert auf einer hybriden Architektur, in der die Bestandskunden beispielsweise On-Premise- und Cloud-Komponenten integriert einsetzen können. Die Digital Manufacturing Cloud lässt sich in existierende Infrastrukturen integrieren und die On-Premise-Kunden können sich so sukzessive mit den entsprechenden Komponenten auseinandersetzen und sich die Vorteile erschließen. Für Neukunden, die keine großen, komplexen ERP-Implementierungen haben, ist das auch ein idealer Einstiegspunkt.

DM: Welche Zukunftsszenarien sind denkbar?

Volker Stockrahm: Ich kann mir gut vorstellen, dass wir künftig von ganzen Eco-Systemen in der Cloud sprechen, die sich aus kleineren, integrierten Clouds zusammensetzen. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Jetzt geht es vorrangig darum, die Unternehmen mit ihren Manufacturing-Prozessen überhaupt für die Cloud zu begeistern. Alles andere wird sich dann entwickeln.

Jörg Minge: Die Tendenzen gehen in eine horizontal und vertikal integrierte, hochflexibilisierte und digitalisierte Produktion, mit allen vor- und nachgelagerten Prozessen des intelligenten Unternehmens. Diese wird mit Partnern, Kunden und Zulieferern in einem Netzwerk verbunden sein.

DM: Vielen Dank für das Gespräch – DSAG Arbeitskreis

Lesen Sie auch: Produktionsplanung – Beste Chemie zwischen Hersteller und SAP

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