Arbeitswelt 4.0: Digitalisierung verstehen und gezielt reagieren

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Ständige Erreichbarkeit, Maschinen, die miteinander kommunizieren und Software, die Arbeitsaufgaben vereinfacht oder gar übernimmt. Ein Forschungsteam der Universität Hohenheim in Stuttgart und des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) untersucht, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf einzelne Aspekte der Arbeitswelt hat – und schafft damit die Grundlage, auf die sich wandelnde Situation zu reagieren. Wie diese "Forschungsmaschine" arbeitet.

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Ständige Erreichbarkeit, Maschinen, die miteinander kommunizieren und Software, die Arbeitsaufgaben vereinfacht oder gar übernimmt. Ein Forschungsteam der Universität Hohenheim in Stuttgart und des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) untersucht, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf einzelne Aspekte der Arbeitswelt hat – und schafft damit die Grundlage, auf die sich wandelnde Situation zu reagieren. Wie diese “Forschungsmaschine” arbeitet.

Neue Führungsmodelle, flexibles Arbeiten und virtuelle Teams: Im Teilprojekt „Corporate Culture 4.0 – Unternehmenskultur und Führung“ nimmt das Team der Universität Hohenheim unter die Lupe, wie die Digitalisierung den Umgang von Mitarbeitern untereinander, aber auch den Anspruch an Führungskräfte verändert. Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau fördert das „Zukunftsprojekt Arbeitswelt 4.0“ mit 898.000 Euro, von denen die Universität Hohenheim 449.000 Euro erhält. Dass das Geld sinnvoll angelegt ist, dafür sorgt unter anderem Christoph Zirnig vom Fachgebiet Soziologie der Universität Hohenheim. Er erläutert: „Es gibt sehr viele verschiedene Bereiche im Arbeitsalltag, die von der Digitalisierung beeinflusst werden“. Das „Zukunftsprojekt Arbeitswelt 4.0“ beschäftige sich daher nicht mit einer großen Fragestellung, sondern umfasse stattdessen mehrere Teilprojekte zu unterschiedlichen Themenaspekten. Unternehmenskultur ist der aktuelle Aspekt der Untersuchung. Davor ging es beispielsweise um die Nahrungs-, Gaststätten- und Genussmittelbranche, den Maschinenbau, um das Thema Arbeitsqualität und um Big Data, also die Möglichkeit, unstrukturierte Daten zu erheben und auszuwerten.

Austausch als Mehrwert

Ziel des Projekts sei es vor allem, einen Dialog anzustoßen und lebendig zu halten, so Projektleiterin Dr. Birgit Klein. „Unsere Aufgabe besteht vor allem darin, relevante Themen und Thesen herauszuarbeiten, auf deren Grundlage diskutiert werden kann.“ Dazu organisieren die Universität Hohenheim und das Fraunhofer Institut IAO einmal jährlich einen Kongress im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau. Vertreter von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik kommen zusammen, um in den Dialog zu treten und sich über die veränderte Arbeitswelt auszutauschen. „Uns ist wichtig, Politik und Wirtschaft für das Thema zu sensibilisieren“, so Dr. Klein weiter. „Unsere Erkenntnisse sollen vor allem Unternehmen dabei unterstützen, Veränderungen zu reflektieren und gegebenenfalls darauf zu reagieren.“

Impulse aus der Praxis

Leitfadengestützte Interviews mit Experten und Expertinnen aus der Wirtschaft dienen den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als Informationsquelle und Datengrundlage. „Wir werten die Interviews qualitativ aus“, erklärt Christopher Zirnig. „Das bedeutet, dass wir schauen, welche Muster, Gemeinsamkeiten und Unterschiede sich in den Aussagen der Experten und Expertinnen abzeichnen.“

Unbekannte Spezies: Big Data Scientist

So seien sie beim Teilprojekt „Big Data“ 2018 darauf gestoßen, dass immer mehr Unternehmen Stellen im Bereich „Big Data“ ausschreiben, dabei jedoch oft unklar ist, welche Fähigkeiten ein „Data Scientist“ mitbringen muss. „Es gibt in diesem Bereich erst wenig Weiterbildungsangebote und Studiengänge“, erklärt Zirnig. „Die Firmen wissen also oft nicht so recht, welchen beruflichen oder akademischen Hintergrund sie voraussetzen sollten.“ Bewerber ihrerseits könnten nur schwer einschätzen, welche konkreten Fähigkeiten und beruflichen Hintergründe die Firmen erwarten.
„Zu solchen neuen Aufgabenbereichen entstehen dann nach und nach Weiterbildungsangebote und Studiengänge“, weiß der Soziologe. „Da hier die Nachfrage den Markt bestimmt, ist die Bestandsaufnahme wichtig: Welches Mitarbeiterprofil suchen Firmen? Darauf können Hochschulen und Ausbilder dann reagieren.“

Mit Einzelprojekten am Puls der Zeit

Die Aufteilung in einzelne Teilprojekte schafft Flexibilität: „Auf diese Weise können wir flexibler darauf reagieren, welche Themen die Unternehmen gerade konkret beschäftigen“, erklärt Dr. Birgit Klein. Gleichzeitig würden so Impulse zu vielen Themenbereichen ins Plenum eingebracht. Zu jedem Projekt entsteht ein Dokumentations-Band, außerdem legen die Wissenschaftler sogenannte Denkzettel an. Diese fassen die wichtigsten Ergebnisse eines Teilprojekts auf einer Seite kompakt zusammen und schaffen so einen schnellen Einblick ins Thema.

Alle Veröffentlichungen stehen kostenfrei zur Verfügung. „Wir hoffen auch nach unseren Veranstaltungen den Dialog lebendig zu halten und Unternehmen unter die Arme zu greifen, wenn sie sich mit den Einflüssen der Digitalisierung auseinandersetzen“, so Dr. Klein Bisher sind insgesamt 13 Bände zu Teilprojekten entstanden, davon sind neun von Hohenheimer Autoren. Alle Bände und Denkzettel unter: https://bit.ly/2CJKlz9

Zur Zeit beschäftigen sich die Hohenheimer Forscher mit dem Teilprojekt „Corporate Culture 4.0 – Unternehmenskultur und Führung“. Der Bericht erscheint voraussichtlich im Sommer 2019. Außerdem ist mindestens ein weiterer Denkzettel geplant.

Dialog Arbeitswelt 4.0 in Baden-Württemberg

Das „Zukunftsprojekt Arbeitswelt 4.0“ startete am 1.8.2016 und wird vorerst bis zum 30.7.2019 laufen. Eine Verlängerung des Projekts um zwei Monate ist in Vorbereitung. Die Universität Hohenheim erhält für das Projekt 449.000 Euro. Die Förderung des Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg. Wissenschaftlicher Partner ist das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (Fraunhofer IAO). Die Fördersumme des IAO beträgt ebenfalls 449.000 Euro.

Schwergewichte der Forschung in Hohenheim

33,1 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universität Hohenheim 2017 für Forschung und Lehre. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem finanziellen Volumen von mindestens 250.000 Euro für apparative Forschung bzw. 125.000 Euro für nicht-apparative Forschung.

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